Islam-Aussagen "Papst näht den Riss wieder zu"


Der Papst bemüht sich um Schadensbegrenzung. Nach den Protesten gegen seine Islam-Äußerungen hat Papst Benedikt XVI. während eines Treffens mit Muslimen versucht, die Wogen zu glätten. Seine Aussagen nahm er jedoch nicht zurück.

"Wir benötigen dringend einen authentischen Dialog zwischen den Religionen und Kulturen, einen Dialog, der dazu fähig ist, alle Spannungen gemeinsam zu überwinden", sagte Papst Benedikt XVI. vor 22 Botschaftern sowie Islam- Vertretern und hohen Geistlichen in seiner Sommerresidenz in Castel Gandolfo bei Rom. Bei der Audienz habe es sich "um eine Initiative gehandelt, die es in dieser Form noch nicht gegeben hat", schrieb die italienische Zeitung "La Stampa".

Papst befürwortet Islam-Unterricht

Ziel des Treffens, das auch im arabischen Nachrichtensender al-Dschasira übertragen wurde, sei es gewesen, Meinungsverschiedenheiten und Missverständnisse, die nach Joseph Ratzingers Rede in Regensburg aufgekommen waren, zu schlichten, hieß es aus der Kurie. "Der Papst näht den Riss wieder zu", titelte "La Stampa".

Gegenseitiger Respekt sei notwendig, "vor allem was die religiöse Freiheit betrifft", betonte das Oberhaupt der römisch- katholischen Kirche, das seine kurze Ansprache vor den fast 40 anwesenden Muslimen auf Französisch hielt. "Ich möchte noch einmal meine Achtung und meinen tiefen Respekt, die ich für die muslimischen Gläubigen empfinde, wiederholen." Nach der Rede begrüßte Benedikt jeden Anwesenden persönlich. Unter anderem waren die Vatikan-Botschafter Indonesiens, Pakistans, Senegals, Jordaniens, des Libanons und des Iraks der Einladung gefolgt. Lediglich der sudanesische Botschafter nahm nicht an der Begegnung teil, meldete die italienische Nachrichtenagentur Ansa.

Der Papst hatte am 12. September in Regensburg den byzantinischen Kaiser Manuel II. Palaiologos (1391-1425) mit den Worten zitiert, der Prophet Mohammed habe nur "Schlechtes und Inhumanes" gebracht, weil er den Glauben mit dem Schwert habe verbreiten lassen wollen. Nach Protesten in der islamischen Welt hatte Benedikt XVI. mehrmals bedauert, dass seine Äußerungen missverstanden worden seien.

Angesichts des islamischen Terrors hatte der Papst seine Ablehnung einer Glaubensverbreitung durch Gewalt in den Mittelpunkt der Rede gestellt. Das Zitat spiegele nicht sein persönliches Denken wider, betonte Joseph Ratzinger. Er nahm aber keine Aussage zurück.

Papst befürwortet Islam-Unterricht

In Deutschland findet am Mittwoch der Integrationsgipfel statt, den Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble einberufen hat. Der Papst hat die nordrhein-westfälische Regierung nach Angaben von Integrationsminister Armin Laschet ermutigt, islamischen Religionsunterricht als ordentliches Schulfach einzuführen. Dies schrieb der CDU-Politiker in einem Beitrag für die "Rheinische Post". "Die Bekenntnisse der islamischen Verbände und von Millionen Muslimen in Deutschland gegen jede Form von Gewalt im Namen der Religion sind Bestandteil einer gemeinsamen Leitkultur", erklärte der CDU-Politiker weiter. "Der hier lebende, gläubige Muslim hat mit den Kofferbomben-Tätern genausowenig zu tun, wie ich als Katholik mit katholischen Terroristen der IRA in Nordirland."

DPA DPA

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