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Islamischer Staat: Terrormiliz tötet offenbar weitere US-Geisel

Der Entwicklungshelfer Peter Kassig wurde 2013 in Syrien verschleppt. Die IS-Dschihadisten veröffentlichten nun ein Enthauptungsvideo und gaben an, den US-Bürger getötet zu haben.

Peter Kassig wurde in Syrien vom Islamischen Staat entführt

Peter Kassig wurde in Syrien vom Islamischen Staat entführt

Die Dschihadistengruppe Islamischer Staat hat offenbar eine fünfte westliche Geisel enthauptet. In einem am Sonntag im Internet veröffentlichten Video ist ein maskierter Mann zu sehen, der behauptet, er habe den Ex-US-Soldaten Peter Kassig ermordet, der sich zuletzt als Entwicklungshelfer für Flüchtlinge einsetzte. Neben dem mutmaßlichen Täter ist ein abgeschlagener Kopf zu sehen, überdies zeigt der Film die Enthauptung von 18 syrischen Soldaten.

"Dies ist Peter Edward Kassig", sagte der Vermummte vor dem abgeschlagenen Kopf. Die Darstellung ähnelt vorangegangenen Videos von der Ermordung zweier US-Journalisten und zweier britischer Entwicklungshelfer. Der britische Premierminister David Cameron erklärte, er sei "entsetzt", der IS habe erneut seine "Verderbtheit" offenbart. Frankreichs Regierungschef Manuel Valls verurteilte einen "barbarischen Akt".

Die Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrates der USA, Bernadette Meehan, erklärte am Sonntag: "Die Geheimdienste arbeiteten auf Hochtouren, um die Echtheit des Videos zu ermitteln." Sie fügte hinzu: "Falls sich die Angaben bestätigen sollten, sind wir erschüttert über die brutale Ermordung eines unschuldigen amerikanischen Entwicklungshelfers und drücken seiner Familie und seinen Freunden unser tiefstes Mitgefühl aus."

Die Eltern Kassigs erklärten, sie würden auf eine offizielle Bestätigung warten, dass es sich bei dem Opfer um ihren Sohn handele. Sie baten die Medien am Sonntag um einen zurückhaltenden Umgang mit dem Video. "Die Familie bittet die Medien, den Geiselnehmern nicht in die Hände zu spielen, indem sie Bilder oder das Video der Entführer veröffentlichen", teilten Ed und Paula Kassig über den Kurznachrichtendienst Twitter mit.

"Ich zog aus, um das Leiden zu erleichtern"

Der 26 Jahre alte Kassig engagierte sich nach Angaben seiner Eltern seit März 2012 für syrische Bürgerkriegsflüchtlinge. In der Türkei gründete er eine Hilfsorganisation, vor gut einem Jahr wurde er vom IS verschleppt. In einer E-Mail an seine Eltern hatte er kürzlich geschrieben: "Ich zog aus, um das Leiden zu erleichtern und den Bedürftigen zu helfen." Er war zum Islam konvertiert und nannte sich Abdul-Rahman. Kassig war zuletzt in einem IS-Video zu sehen, das die Enthauptung des Briten Alan Henning zeigte. In den vorangegangenen Hinrichtungsvideos jeweils zum Ende gezeigte westliche Geiseln sind später von IS-Milizionären getötet worden.

Der Vermummte in dem Video erwähnt Kassigs Einsatz für die Bürgerkriegsflüchtlinge nicht, sondern nur dessen früheren Einsatz als Soldat im Irak. In dem Video wird zuvor gezeigt, wie 18 am Boden knienden Gefangenen, bei denen es sich um Offiziere und Piloten der syrischen Streitkräfte handeln soll, der Kopf abgeschlagen wird. "Morgen werden wir Deine Soldaten abschlachten", sagt der Vermummte an US-Präsident Barack Obama gerichtet. Und er droht auch mit IS-Angriffen in den USA.

IS-Extremist mit britischem Akzent

Auf den vier vorangegangenen Enthauptungsvideos war jeweils ein IS-Extremist mit britischem Akzent zu sehen. Dieser sei vor einer Woche bei der Bombardierung eines Bunkers im westirakischen Al-Kaim verletzt worden, berichtete die britische Zeitung "Mail on Sunday". Das britische Außenministerium konnte die Angaben zunächst nicht bestätigen. Die Zeitung beruft sich auf Angaben einer Krankenschwester, die den Extremisten während seiner Behandlung in einer Klinik erkannt haben will.

Der maskierte IS-Kämpfer, der in mehreren Hirnrichtungsvideos aufgetreten war, stammt offenbar aus Großbritannien. Er wird für die Ermordung der US-Journalisten James Foley und Steven Sotloff sowie der britischen Entwicklungshelfer David Haines und Allan Henning verantwortlich gemacht.

Deutscher verübt Selbstmordanschlag

Nach einem Bericht der "Welt" verübte im Irak ein weiterer Deutscher einen Selbstmordanschlag. Wie die Zeitung in ihrer Online-Ausgabe unter Berufung auf eine Erklärung des IS meldete, sprengte sich am Samstag in Baidschi ein islamistischer Kämpfer namens "Abu Taymiyyah al-Almani" mit einer Autobombe in die Luft.

Angeblich soll er dabei mehrere irakische Regierungssoldaten getötet haben. Der irakisch-stämmige Mann habe zuletzt in Nordrhein-Westfalen gelebt. Den Sicherheitsbehörden zufolge haben sich inzwischen rund zehn Islamisten aus Deutschland in Syrien und im Irak in die Luft gesprengt.

mka/AFP/DPA / DPA