Israel "Wenn Du heimkommst..."


Von Ron Arad fehlt jede Spur, nachdem er 1989 ein letztes Lebenszeichen geben konnte. Sein Kampfjet ging 1986 über Libanon nieder. Neue Hinweise auf seinen Verbleib erhofft sich Israel nun vom vereinbarten Gefangenenaustausch mit der Hisbollah.

Ron Arad als lächelnder junger Mann, Ron Arad als treusorgender Vater mit seiner kleinen Tochter auf den Schultern. Ron Arad - mit langem Bart und glanzlosen Augen in den Händen der Feinde. Wohl fast jeder Israeli kennt die Bilder des vor mehr als 17 Jahren abgestürzten und verschleppten Luftwaffennavigators. Er ist ihnen tragischer Held und Symbol für den erklärten Staatswillen, keinen Soldaten im Einsatz zurückzulassen.

Dass Informationen über sein Schicksal bei dem jetzt vereinbarten Gefangenenaustausch zunächst vertagt wurden, tut vielen Israelis in der Seele weh. Das von Deutschland vermittelte Abkommen befeuert aber auch Hoffnungen, dass der Verbleib Arads in einer zweiten Phase der Vereinbarung geklärt werden könnte oder er sogar - gegen viele Mutmaßungen und Wahrscheinlichkeiten - lebend nach Israel zurückkehren könnte.

Absturz oder Abschuss?

Ob Arad tot ist oder noch lebt, ist ein Rätsel. Ein zweisitziges Kampfflugzeug vom Typ Phantom F-4 ging 1986 mit ihm über Libanon nieder. Nach bisherigen Berichten wurde es abgeschossen. Eine israelische Zeitung berichtete jetzt, eine Bombe sei vor dem Abwurf vorzeitig explodiert und habe eine Tragfläche zerstört.

Die Rettung des Piloten und die Gefangennahme Arads haben sich ins israelische Bewusstsein tief eingebrannt, weil es dramatische Filmaufnahmen davon gibt. Der Pilot rettet sich an den Kufen eines Hubschraubers zurück nach Israel, Arad gerät in die Hände anrückender Amal-Milizen und wird verschleppt. Der Hisbollah-Führer Mustafa Dirani, von Israel als Verhandlungstrumpf entführt und jetzt zum Austausch vorgesehen, soll bei Vernehmungen eingeräumt haben, Arad nach Iran gegeben zu haben.

"Der Staat Israel hat wieder gezeigt, dass er nach dem wichtigen Wertmaßstab handelt, seine Söhne zurück in die Heimat zu bringen", sagte der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon am Sonntag nach der Zustimmung zu dem Gefangenenaustausch. Kein Israeli soll auf dem Schlachtfeld zurückgelassen, auch Tote sollen noch heim nach Israel geholt werden.

Letztes Lebenszeichen von 1989

Doch von Arad fehlt jede sichere Spur, nachdem er zuletzt 1989 ein letztes offizielles Lebenszeichen geben konnte. Iran hat 1995 auf Bitten des damaligen deutschen Bundeskanzlers Helmut Kohl nach Arad gesucht - nach eigenen Angaben ohne Ergebnisse. Im Jahr darauf erklärte der deutsche Geheimdienstkoordinator Bernd Schmidbauer, er habe vorsichtige Hinweise, dass der Vermisste lebe.

Bald darauf sagte der ehemalige Hisbollah-Generalsekretär Scheich Sobhi Tofaili, Arad sei tot. Dann sagte im Jahr 2000 der Chef der Hisbollah, Scheich Hassan Nasrallah, der Israeli sei "Kriegsgefangener". Und erst vor drei Monaten hat das iranische Außenministerium jegliche Verbindung zu Arad bestritten.

Lied soll Erinnerung wach halten

"Wenn Du heimkommst", lautet ein Arad gewidmetes Lied, dass die Erinnerung in Israel wach hält. Informationen über den Verleib würden endlich Klarheit in dem tragischen Fall schaffen. Eine Rückkehr Arads wäre auch ein beispiellos spektakulärer Erfolg deutscher Vermittlung.

Carsten Hoffmann DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker