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Japan: Bürgermeister von Verbrechersyndikat ermordet

Ein ranghohes Mitglied der Yamaguchi-gumi, der größten japanischen Verbrecherbande, hat Nagasakis Bürgermeister erschossen. Der Todesschütze hatte angeblich Probleme mit der Stadtverwaltung.

Der Bürgermeister der südjapanischen Stadt Nagasaki, Itcho Ito (61), ist bei einem Wahlkampfauftritt von einem Gangster erschossen worden. Der entschiedene Atomwaffengegner, der für eine vierte Amtszeit als Bürgermeister kandidierte, erlag seinen Schussverletzungen, wie die Polizei bekannt gab. Itos Schwiegersohn Makoto Yokoo erklärte, dass er sich an Stelle seines Schwiegervaters nun zur Wahl stellen werde.

Der mutmaßliche Mörder Tetsuya Shiroo, der Ito aus einem Meter Entfernung zwei Mal in den Rücken geschossen und ihn dabei ins Herz getroffen hatte, wurde noch am Tatort festgenommen. Der 59-Jährige ist nach Medienberichten ein Führungsmitglied des größten japanischen Verbrechersyndikats Yamaguchi-gumi.

Tod wegen eines Blechschadens?

Medien berichteten, der Täter habe nach eigenen Angaben privaten Ärger mit der Stadt gehabt. Wegen eines geringen Schadens an seinem Auto habe er nicht locker gelassen und immer höhere Entschädigungsgelder von einer Baufirma gefordert. Beamte der Stadt hätten dann Schlichtungsversuche nach Rücksprache mit der Polizei abgebrochen. Anderen Berichten zufolge soll es Streitigkeiten im Zusammenhang mit öffentlichen Bauaufträgen gegeben haben. Gangster sind in Japan oft in private wie auch staatliche Bauprojekte verwickelt. Laut Experten kommt es in jüngster Zeit darüber vermehrt zu Auseinandersetzungen zwischen Gangstern und Stadtverwaltungen.

Der Mord hat in Japan große Bestürzung ausgelöst. Das Land hat strenge Waffengesetze. Illegale Schusswaffen sind meist in Händen der Yakuza, einer Art japanischer Mafia. Deren Mitgliederzahl war im vergangenen Jahr leicht auf 41.500 gesunken. Auch die Anzahl der Schießereien fiel 2006 auf den niedrigsten jemals verzeichneten Stand. An 36 der insgesamt 53 Vorfälle sollen Mitglieder der Yakuza beteiligt gewesen sein. Dabei wurden zwei Menschen getötet und 17 weitere verletzt.

Ein gefährlicher Beruf

Politiker in Japan sind immer wieder das Ziel von Angriffen. Das Mitglied einer rechtsgerichteten Gruppe hatte 1990 Itos Amtsvorgänger angeschossen und schwer verletzt. Dieser hatte vom Kaiser Hirohito gefordert, Verantwortung für die japanischen Verbrechen während des Zweiten Weltkrieges zu übernehmen. Im August 2006 steckten rechtsgerichtete Bandenmitglieder das Haus der Mutter des Abgeordneten Koichi Kato an. Dieser hatte zuvor den Besuch des japanischen Ministerpräsidenten Junichiro Koizumi am umstrittenen Yasukuni-Schrein für Kriegsgefallene kritisiert. Der letzte bekannte Mordfall an einem Politiker ereignete sich im Oktober 2002. Koki Ishii wurde vor seinem Haus in Tokio von einem Bandenmitglied erstochen.

Ito galt als Kritiker der US-Atompolitik. Er hatte sich dafür stark gemacht, dass die Regierung in Tokio an dem lange bestehenden Verbot für Kernwaffen festhält. Während der Feierlichkeiten zum Atombombenangriff der USA auf Nagasaki hatte Ito im vergangenen Jahr auch den Iran und Nordkorea wegen deren Atomwaffenprogramme scharf kritisiert.

DPA/REUTERS

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