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Rücktritt von Präsident und Regierung: Der Jemen versinkt im Chaos

Nach monatelangem Aufstand der Huthi-Rebellen im Jemen trat am Donnerstag zunächst die Regierung in Sanaa, kurz darauf auch Präsident Mansur Hadi zurück. Dem Land droht ein gefährliches Machtvakuum.

Der Jemen versinkt im tiefen Chaos. Nach monatelangem Aufstand der Huthi-Rebellen trat am Donnerstag zunächst die Regierung in Sanaa zurück, kurz darauf erklärte auch Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi seinen Rücktritt.

Das teilte die scheidende Informationsministerin Nadia Sakaff am Donnerstag über den Kurznachrichtendienst Twitter mit. Das zunächst auch von den schiitischen Rebellen gebilligte Kabinett war erst im November vereidigt worden und sollte einen Versöhnungsprozess im Land einleiten.

USA kündigen Abzug von Botschaftern an

Dem Land droht damit ein gefährliches Machtvakuum. Kurz nach dem Rücktritt des Präsidenten teilten die Gouverneure der Provinzen im Süden des Landes mit, sie wollten mit sofortiger Wirkung keine Befehle der Militärführung aus Sanaa befolgen. Der jemenitische Ableger von al-Qaida hatte angegeben, für den Anschlag auf das Satiremagazin "Charlie Hebdo" in Paris verantwortlich zu sein.

Das US-Außenministerium kündigte aus Sicherheitsgründen den Abzug eines Teils des Botschaftspersonals aus Sanaa an. Dennoch arbeite die diplomatische Vertretung weiter, zitierte der Sender CNN einen Sprecher des State Department.

Regierung weist Verantwortung von sich

Ministerpräsident Chalid Bahah begründete das Rücktrittsgesuch in einem im Internet verbreiteten Brief an den Präsidenten Hadi mit den Worten: "Wir distanzieren uns von diesem destruktiven politischen Chaos." Die Regierung wolle kein Teil dessen sein, was derzeit passiere, und auch nicht für das, was künftig passiere, zur Verantwortung gezogen werden.

Obwohl am Mittwochabend bereits ein Abkommen über ein Ende der Gewalt in Kraft getreten war, belagerten bewaffnete Huthi-Kämpfer am Donnerstag weiter den Präsidentenpalast und Wohnsitz von Staatschef Hadi.

Die USA, Saudi-Arabien sowie andere Golfstaaten stehen in dem Konflikt an der Seite des sunnitischen Präsidenten. Die US-Regierung wirft dem Iran vor, die schiitischen Huthi-Rebellen zu unterstützen. Jemens Ex-Präsident Ali Abdullah Salih, der nach Protesten Anfang 2012 sein Amt niederlegen musste, soll ebenfalls die Huthi-Rebellen unterstützen.

Huthi-Rebellen wollen Einfluss im Jemen

Die Huthi-Rebellen, die seit September Sanaa kontrollieren, wollen sich im Jemen dauerhaft einen größeren Einflussbereich sichern. Mittlerweile sollen sie 14 von 21 Provinzen im Land kontrollieren, wie die Nachrichtenseite "Gulf News" unter Berufung auf den Golfkooperationsrat meldete.

Die Aufständischen favorisieren eine Nord-Süd-Teilung des Landes, wie es sie vor 1990 gab. Präsident Hadi hingegen will einen in sechs Regionen unterteilten Föderalstaat in der neuen Verfassung verankern.

lie/DPA / DPA
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