José Manuel Durão Barroso Ein Ex-Maoist als talentierter Außenpolitiker


Charisma gehört nicht zu seinen hervorragenden Eigenschaften, doch sein Ziel erreicht José Manuel Durão Barroso dafür oft mit Geduld und Hartnäckigkeit.

So hatte es José Manuel Durão Barroso (48), dem Kandidaten für das Amt des EU-Kommissionspräsidenten, schon kaum einer zugetraut, dass er Portugals Ministerpräsident werden könnte. Doch obwohl er selbst in der eigenen Partei umstritten war, schaffte er es vor zwei Jahren.

Kurs einer neoliberale Politik

Angetreten war der zuweilen etwas unsicher wirkende Politiker mit dem Ziel, Portugal mit einer neoliberalen Politik aus der Krise zu führen. Doch davon ist bisher trotz größter politischer Anstrengungen und zahlreicher Reformen wenig zu spüren, und deshalb ist die Stimmung im Land bereits wieder umgekippt. Bei den jüngsten Wahlen zum Europaparlament feierten die oppositionellen Sozialisten (PS) mit über 44 Prozent der Stimmen den größten Sieg ihrer Geschichte.

Für Durão Barroso, den Chef der liberal-konservativen Partei PSD (Sozialdemokratische Partei) war dies ein bitterer Rückschlag, der ihm andererseits aber einen Wechsel an die Kommissionsspitze sicher erleichtern wird. Zu seinen Pluspunkten auf europäischer Ebene gehört neben großer außenpolitischer Erfahrung sein Sprachtalent. So spricht Durão Barroso gut Englisch und Französisch.

Erste Polit-Erfahrungen als Maoist

Seine ersten politischen Erfahrungen hatte José Manuel Durão Barroso während der "Nelkenrevolution" im April 1974 gesammelt, die in Portugal die Rückkehr zur Demokratie einleitete. Damals gehörte der Student einer kleinen maoistischen Gruppe an. Er wandte sich aber bald von der radikalen Linken ab und trat der PSD bei.

Bereits im Alter von 29 Jahren wurde er Staatssekretär im Innenministerium, wechselte später ins Außenministerium der Regierung von Cavaco Silva. Zu seinen größten außenpolitischen Erfolgen in dieser Zeit gehörte das historische Friedensabkommen für Angola. 1992 wurde er im Alter von 36 Jahren zum Außenminister ernannt. Nach der Wahlniederlage der PSD 1995 scheiterte er mit dem Versuch, Parteichef zu werden. Dies gelang ihm 1999 nach einem heftigen innerparteilichen Machtkampf.
José Manuel Durão Barroso ist verheiratet und hat drei Kinder.

DPA

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