Jürgen Chrobog Er hatte die Sahara-Geiseln rausgeholt


Geschlagene sechs Monate lang verhandelte Jürgen Chrobog - dann kamen die 14 Touristen, die 2003 in der Sahara verschleppt worden waren, frei. Nun wurde Chrobog selbst entführt, gemeinsam mit seiner Frau und den drei gemeinsamen Söhnen.

Uneitel, stets diskret und immer sehr genau - ein Diplomat vom Scheitel bis zur Sohle - so ist Chrobog seit Jahrzehnten bekannt. Er galt als Mann des Auswärtigen Amtes für stille Missionen und "schwere Fälle". Nach den Terroranschlägen vom 11. September reiste er beispielsweise nach Pakistan, um dort die Shelter-now- Entwicklungshelfer aus den Taliban-Gefängnissen zu holen. Als Botschafter in den USA fuhr Chrobog 1999 nach Arizona, um sich - wenn auch vergeblich - für die zum Tode verurteilten deutsch-stämmigen LaGrand-Brüder einzusetzen.

Karriere ohne Makel

Der am 28. Februar 1940 in Berlin geborene Chrobog begann seine Diplomaten-Karriere im Jahr 1972. Die deutsche UN-Vertretung in New York, die EU in Brüssel und Singapur gehörten unter anderem zu seinen Auslandsstationen. In Bonner Regierungszeiten war der Jurist, der zunächst als Rechtsanwalt gearbeitet hatte, von 1984 bis 1991 Leiter der Presseabteilung und Sprecher des Auswärtigen Amts. Als Politischer Direktor war er einer der engsten Berater von Außenminister Hans-Dietrich Genscher und auch dessen Nachfolger Klaus Kinkel (beide FDP).

1995 wurde Chrobog Botschafter in Washington. Sechs Jahre agierte der schmale Mann mit den grauen Haaren auf dem wohl wichtigsten deutschen Botschafterposten, bevor er Anfang Juli 2001 Staatssekretär unter Außenminister Joschka Fischer (Grüne) in Berlin wurde. Nach seiner Pensionierung übernahm er den Vorstandsvorsitz der BMW- Stiftung Herbert Quandt.

DPA DPA

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