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Kairo: Deutsch-ägyptischer Autor Abdel-Samad entführt

Er kritisierte den politischen Islam und hat deswegen bereits Todesdrohungen erhalten: Der in Berlin lebende ägyptischstämmige Autor Hamed Abdel-Samad ist in Kairo verschleppt worden.

Der in seinem Geburtsland Ägypten umstrittene deutsch-ägyptische Publizist Hamed Abdel-Samad ist in Kairo entführt worden. Der in Berlin lebende Autor sei am Sonntag in der Nähe des Al-Azhar-Parks in Kairo verschwunden, berichtete das ägyptische Nachrichtenportal "youm7" am Montag unter Berufung auf Samads Bruder Mahmud Abdel-Samad. Vorher soll Hamed Abdel-Samad am Telefon berichtet haben, er fühle sich verfolgt. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen ermittelt die Polizei bereits gegen Unbekannt.

Samad hatte in seinen Veröffentlichungen die Ideologie des politischen Islams kritisiert und für eine moderne Interpretation der Religion geworben. Eines seiner Bücher trägt den Titel "Der Untergang der islamischen Welt". In Deutschland wurde er zudem als Ägypten-Experte im Fernsehen und durch das TV-Projekt "Deutschland-Safari" bekannt. Mit dem Journalisten Henryk M. Broder fuhr er dafür im Auto quer durch die Republik.

Nach einem Vortrag in Kairo im vergangenen Juni hatten zwei bekannte ägyptische Salafisten-Prediger Abdel-Samad für "vogelfrei" erklärt. Anschließend erhielt er Morddrohungen. Sein Bruder befürchtet deshalb jetzt, er könne von extremistischen Muslimen entführt worden sein.

Mahmud Abdel-Samad sagte, sein Bruder sei in Ägypten in letzter Zeit von einem Leibwächter begleitet worden. Er habe in dem Park jedoch eine Verabredung gehabt, zu der er den Leibwächter nicht habe mitnehmen wollen.

mad/DPA / DPA