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Sturm des Kapitols Ex-Mitarbeiterin belastet Trump-Team – nun gibt es Zweifel an ihren Aussagen

Cassidy Hutchinson belastet Donald Trump
Donald Trump belastet: Cassidy Hutchinson vor ihrer Aussage im Untersuchungsausschuss zum Kapitolsturm
© Andrew Harnik / Picture Alliance
Cassidy Hutchinson war im Weißen Haus dabei, als am 6. Januar 2021 das US-Kapitol gestürmt wurde. Heute belastet sie Donald Trump und sein Team. Einige Beteiligte aber widersprechen ihren Aussagen.

Die Aussage von Cassidy Hutchinson vor dem Untersuchungsausschuss zum Kapitolsturm hatte es in sich: Laut der Assistentin von Donald Trumps Stabschefs war der US-Präsident nicht nur genau darüber informiert, was am Kongressgebäude geschah, sondern auch, dass er sich an die Spitze des Aufstands setzen wollte. Durch die Ausschreitungen am 6. Januar waren fünf Menschen ums Leben gekommen. Hutchinson erwähnte von diesem Tag auch einige Details, von denen unklar ist, ob sie sich tatsächlich so zugetragen haben – obwohl sie sie unter Eid ausgesagt hatte.

Hat Donald Trump ins Lenkrad gegriffen?

Größten Widerspruch erntete ihre Äußerung, wonach ein "wütender" Donald Trump auf einer Fahrt in der Präsidentenlimousine dem Fahrer "ins Lenkrad gegriffen" und dabei gerufen haben soll: "Ich bin der verdammte Präsident, fahrt mich zum Kapitol." Der für diesen Tag zuständige Personenschützer vom Secret Service, Robert Engel, soll ihn entgegnet haben, dass er, Trump, sich nicht tausenden von Demonstranten anschließen könne, die auf das Kapitol zumarschierten.

Die Assistentin des Stabschefs wies darauf hin, diese Szene nicht selbst erlebt zu haben, stattdessen hätte sie Anthony Ornato, hoher Beamter beim Secret Service, geschildert. Engel sei dabei zugegen gewesen und hätte nicht widersprochen. Doch kurz nach Hutchinsons Ausführungen hat sich der Secret Service an diverse Medien gewandt und darauf hingewiesen, dass es diesen Vorfall so nicht gegeben hätte. Sowohl der Fahrer als auch Robert Engel seien bereit, das auch zu beeiden. CNN berichtet, dass Ornato sogar bestreitet, Hutchinson diese Geschichte erzählt zu haben. Trump selbst nannte sie auf seinem sozialen Netzwerk "Truth Social" "krank, betrügerisch und lächerlich".

Wer hat die Notiz geschrieben?

Eine weitere Aussage, die von einem Beteiligten anders dargestellt wurde, betrifft Notizen zu einem möglichen Statement Trumps. Als die Proteste am Kapitol eskalierten, wurde offenbar überlegt, mit welchen Worten der Präsident seine Anhänger zurückrufen könne. Auf einem Zettel, der im Ausschuss präsentiert wurde, war zu lesen: "Alle, die das Kapitol illegal ohne ordentliche Genehmigung betreten haben, werden gebeten, es sofort zu verlassen." Das Wort "illegal" wurde offenbar später durchgestrichen.

Hutchinson sagte aus, die Handschrift sei ihre und Stabschef Mark Meadows habe ihr die Worte diktiert. Der Anwalt des Weißen Hauses, Eric Herschmann dagegen sagte, er habe die Notiz geschrieben und sie außerdem gebeten, das Wort "illegal" gegen ”ohne ordentliche Genehmigung" zu ersetzen.

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Auch einen anderen Vorfall hat Cassidy Hutchinson teilweise nur aus zweiter Hand. Dem Ausschuss hatte sie erzählt, dass sie an einem Tag geholfen habe, Ketchup von der Wand des Speisezimmers im Weißen Haus zu wischen. Ihrer Aussage nach soll Donald Trump am 1. Dezember 2020 einen Essensteller durch den Raum gepfeffert haben. So jedenfalls hatte es ihr Trumps Kammerdiener im Weißen Haus erzählt. Anlass sei ein Interview gewesen, das der damalige Justizminister William Barr gegeben und den Präsidenten erzürnt hatte. "Ketchup tropfte die Wand herunter und ein zerbrochener Porzellanteller lag auf dem Boden. Also schnappte ich mir ein Handtuch und fing an, den Ketchup von der Wand zu wischen, um dem Kammerdiener zu helfen", so Hutchinson vor den Ausschuss.

Der Ex-Präsident schrieb dazu: "Ihre Geschichte, dass ich mit Essen herumwerfe ist ebenfalls falsch. Warum sollte sie überhaupt beim Saubermachen helfen, ich kannte sie doch kaum?"

Rechtsberater muss ebenfalls aussagen

Laut der Assistentin von Mark Meadows habe der Rechtsberater des Weißen Hauses, Pat Cipollone, eine entscheidende Rolle gespielt. Denn Hutchinsons Aussage nach habe der mehrfach vor rechtlichen Konsequenzen gewarnt, sollte Donald Trump an den Protesten teilnehmen. Stimmen die Äußerungen, dann wusste die Führung des Weißen Hauses ziemlich genau, was auf dem Spiel steht. Der Untersuchungsausschuss hat Cipollone daher als Zeuge vorgeladen. Als Termin ist der 6. Juli für angesetzt, bislang hatte der Jurist lediglich an einer "informellen Befragung" teilgenommen.

Quellen: DPA, AFP, "Washington Post", "New York Post", CBS News, HITC, "The Hill", Yahoo News


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