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KASCHMIR-KONFLIKT: Die Kriegsgefahr wächst

Nach Feuergefechten ist die Gefahr einer gewaltsamen Eskalation in der Kaschmir-Region gewachsen. Dennoch bekräftigten sowohl Indien als auch Pakistan, einen Krieg verhindern zu wollen.

Indien will nach den Worten seines Ministerpräsidenten Atal Behari Vajpayee sein Möglichstes tun, um im Kaschmir-Konflikt einen Krieg mit dem Nachbarland Pakistan zu vermeiden. »Wir wollen keinen Krieg, aber ein Krieg in der Art des grenzüberschreitenden Terrorismus ist Indien schon aufgezwungen worden«, sagte er am Samstag auf einem außerordentlichen Treffen seiner Janata-Partei (BJP) in Neu Delhi. Der pakistanische Außenminister Abdul Sattar beschuldigte am Samstag die indische Führung, »kriegerische Erklärungen« abzugeben. Zugleich warnte er, dass schon eine kleine feindliche Aktion eine Kette derartiger Aktionen und Reaktionen auslösen könnte.

Weltgemeinschaft hat zugeschaut

Indien werde alles tun, um den grenzüberschreitenden Terrorismus auszurotten, sagte Vajpayee. Es würden keine Mittel gescheut, um dieses Ziel zu erreichen, fügte er hinzu. Er warf der Weltgemeinschaft vor, in den vergangenen zwei Jahrzehnten gleichgültig einem »Stellvertreterkrieg« gegen Indien zugeschaut zu haben und forderte dazu auf, Pakistan zur Beendigung des grenzüberschreitenden Terrorismus zu drängen. Indien werde sich keinerlei Druck von außen beugen und im Kampf gegen Terrorismus nicht nachlassen, erklärte Vajpayee. »Das ist unser fester Entschluss«.

Pakistans Außenminister Sattar bekräftigte am Samstag, dass sein Land keinen Krieg herbeiführen wolle. Die Spannungen zwischen den beiden Nachbarländern hätten sich allerdings in gefährlicher Weise verstärkt. Dabei wies er auf die »massiven indischen Truppenverstärkungen« in der Grenzregion hin. Zuvor hatte bereits Pakistans Militärmachthaber Pervez Musharraf nach pakistanischen Medienberichten erklärt, keinen Krieg gegen Indien beginnen zu wollen. Musharraf erklärte sich zu Gesprächen mit dem indischen Ministerpräsidenten Vajpayee am Rande der Südasienkonferenz (SAARC) in der kommenden Woche in Nepal bereit. Indien lehnt solch ein Treffen bislang ab.

Zerschlagung von Moslemgruppen

Indien verlangt von Pakistan die Zerschlagung zweier extremistischer Moslemgruppen, die für den Terroranschlag auf das indische Parlament vom 13. Dezember verantwortlich sein sollen. Die indische Zeitung »Hindustan Times« berichtete am Samstag, Neu Delhi fordere von Islamabad die Auslieferung von 30 mutmaßlichen »Terroristen«. Falls Pakistan nicht handelt, könnte Indien Stützpunkte dieser Gruppen auf pakistanischem Gebiet angreifen und damit einen Krieg zwischen den beiden Atommächten auslösen.

Wegen der Gefechte in Kaschmir und der Truppenverstärkungen an der indisch-pakistanischen Grenze fliehen dort immer mehr Menschen. Die Zeitung »Indian Express« berichtete am Samstag, sowohl in Kaschmir als auch im Bundesstaat Punjab, der ebenfalls an Pakistan grenzt, rücke die indische Armee mit schwerem Gerät an und baue Bunker. Nach Medienberichten soll die Armee allein in Kaschmir 20.000 Menschen aufgefordert haben, sich in Sicherheit zu bringen. In den vergangenen Tagen waren bereits bis zu 12.000 Menschen geflohen.

Vier Soldaten getötet

Bei einem Feuerwechsel zwischen indischer und pakistanischer Artillerie im Kopri-Gebiet des Grenzabschnitts Poonch wurden Samstagmorgen nach indischen Agenturmeldungen vier pakistanische Soldaten getötet und sechs ihrer Bunker zerstört. In der Grenzregion Gamanewala des indischen Bundesstaates Rajasthan wurden nach Angaben indischer Behörden 15 Soldaten beim Legen von Minen getötet. Die Explosion sei ein Unfall gewesen. In der pakistanischen Garnisionsstadt Rawalpindi forderten am Samstag zahlreiche Demonstranten Indien und Pakistan auf, ihre »Kriegsrhetorik« zu drosseln.