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Wahl in Katalonien: Radikale Separatisten rufen Katalanen zu Ungehorsam auf

Nach seinem Wahlsieg sieht das Bündnis für eine Abspaltung Kataloniens von Spanien die Provinz auf dem Weg in die Unabhängigkeit. Nun könne "das Gesetz missachtet" werden, hieß es sogar. Die Mehrheit der Stimmen erhielten die Separatisten allerdings nicht.

Die Führer des Unabhängigkeitsbündnis in Katalonien feiern ihren Wahlsieg unter katalonischen Fahnen

Siegesfeier unter katalonischen Farben: die Führer des Bündnisses "Junts pel Si" (Zusammen für das Ja): Raul Romeva (Mitte), Artur Mas (2. v. re.) und Oriol Junqueras (re.)

Nach dem Sieg der Unabhängigkeitsbefürworter bei der Regionalwahl in Katalonien hat die linksradikale CUP zu zivilem Ungehorsam gegenüber der spanischen Zentralregierung aufgerufen. Der Wahlausgang habe Kataloniens "Souveränität" deutlich gemacht, sagte CUP-Chef Antonio Baños am Sonntag vor Anhängern in Barcelona. "Ab morgen kann und sollte das Gesetz von den Katalanen missachtet werden", fügte er mit Blick auf Vorgaben aus Madrid hinzu. Dies betreffe "ungerechte Gesetze". "Heute wurde die Republik geboren", beschwor Baños ein unabhängiges Katalonien.

Die CUP errang nach Auszählung von 97 Prozent aller Stimmen bei der Wahl am Sonntag zehn der 135 Sitze im katalanischen Regionalparlament. Das Bündnis "Zusammen für das Ja" kam auf 62 Sitze, so dass die Unabhängigkeitsbefürworter die absolute Mehrheit im Parlament haben. Ihr prozentuale Stimmenanteil lag den Angaben zufolge bei 47,8 Prozent der Stimmen, die Wahlbeteiligung lag bei 77 Prozent.

"Nicht nach Stimmen gewonnen"

Die in Madrid regierende konservative Volkspartei (PP) sprach den Unabhängigkeitsbefürwortern den Sieg allerdings ab. Die "Mehrheit der Katalanen" habe gegen eine Unabhängigkeit gestimmt, erklärte PP-Sprecher Pablo Casado mit Blick auf den Stimmenanteil der Befürworter von unter 50 Prozent. "Wir werden die Einheit Spaniens weiter verteidigen", fügte er hinzu.

"Diejenigen, die nach Sitzen gewonnen haben, haben nicht nach Stimmen gewonnen, also haben sie das Plebiszit verloren", sagte auch der Chef der katalanischen Sozialisten, Pedro Sánchez, die 16 Sitze errangen. Seine Partei setzt sich für mehr Autonomie ein, lehnt eine Unabhängigkeit Kataloniens aber ab.

dho / AFP