Konzept Wozu noch eine Debatte?


Zugegeben. Manchmal ist Europa ein Lustkiller. Dennoch steht die Europäische Union vor wichtigen Richtungsdebatten: Wie soll sie ihren Bürgern nützen? Wer gehört dazu, wer nicht? Hier wird erklärt, wie stern.de zu dieser Diskussion beiträgt.
Von Florian Güßgen

Europa erscheint langweilig. Zum Gähnen langweilig, unendlich weit weg von seinen Bürgern. Abgeordnete glänzen mit Halbwissen, Chefredakteure winken ab, wenn sie den Begriff "Europäische Union" nur hören. Die blaue Flagge mit den goldenen Sternen steht nicht für Spannung, sondern für einen lebenslangen Dauer-Unterricht über das komplizierte Zusammenspiel ferner Institutionen. Seit Franzosen und Niederländer Mitte 2005 die Verfassung per Referendum verworfen haben, hat die EU zusätzlich an Sex-Appeal verloren. Sie driftet im Nirwana, in einer schweren Krise. Erst die deutsche Ratspräsidentschaft im ersten Halbjahr 2007 soll ihr wieder etwas Leben einhauchen, ihr eine Richtung geben.

Es geht um Positionen und Polemiken

Nur, Europas mangelnde Attraktivität darf über eines nicht hinwegtäuschen: De facto wird Europa immer wichtiger. Europa ist Lebensrealität, vom Euro über die Dienstleistungsrichtlinie bis zu den Folgen der Erweiterung. Und deshalb ist es wichtiger denn je, die Richtung genau zu bestimmen, in die es künftig mit der Europäischen Union gehen soll. Die Probleme liegen auf der Hand: Bedarf es eines eigenen europäischen Sozialmodells? Welche Konturen muss oder darf der Binnenmarkt haben? Gehört die Türkei nun dazu oder nicht? Und was war nochmal mit dem ewigen Gerede von der gemeinsamen Außenpolitik?

Mit den "Eurovisionen"-Sonderseiten schafft stern.de eine Plattform, die Platz bietet für diese dringend notwendige Richtungsdiskussion. Wir fragen: Wie soll Europa in 20 Jahren aussehen, im Jahr 2030? Dabei geht es weniger darum, die allenthalben bekannten Sonntagsreden zu wiederholen, sondern um klare Positionen, vielleicht sogar um Polemiken. Es geht um abstrakte Argumente ebenso wie um konkrete Wünsche. Uns interessiert etwa, wie EU-Kritiker sich ein Europa ohne Kommission vorstellen, was für Anforderungen Datenschützer an die Europäische Union stellen, wie Niederländer mit der Verfassung umgehen wollen, was Musiker für Erwartungen gegenüber Brüssel hegen, was Gewerkschaften unter einem europäischen Sozialmodell verstehen, welche Hoffnungen Kroaten mit der Union verbinden. Je provokativer, je prägnanter diese Vorstellungen formuliert sind, desto besser. Vielleicht gelingt es so, dem Konstrukt Europa ein wenig Leben einzuhauchen - und Erlebbarkeit.

Über Argumente streiten

Bis in die deutsche Ratspräsidentschaft im Jahr 2007 hinein werden wir auf dieser Seite mindestens alle zwei Wochen ein Interview oder einen Essay zur Zukunft Europas veröffentlichen. Dabei versuchen wir, Autoren und Interviewpartner zu gewinnen, die entweder aufgrund ihrer beruflichen Perspektive auffallen oder aufgrund der Originalität ihres Arguments. Uns ist es ein Anliegen, dass über die Positionen, die hier veröffentlich werden, auch gestritten werden kann. Deshalb bieten wir Ihnen die Möglichkeit, Interviews und Essays zu kommentieren. So kommen Sie in den direkten Dialog mit den Autoren. Darüber hinaus werden wir die Seite mit aktuellen Meldungen zur Entwicklung der Europapolitik bestücken, aber auch mit Kommentaren und Infografiken.

Die Seite ist dabei work-in-progress - sie wird sich immer wieder verändern und angepasst werden.


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