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Korruptionsaffäre: Spanischer Ex-Umweltminister muss sechs Jahre hinter Gitter

In einem der größten Korruptionsskandale in der jüngeren spanischen Geschichte ist ein erstes Urteil gesprochen worden. Der frühere Umweltminister und Ex-Regierungschef der Balearen, Jaume Matas, muss sechs Jahre ins Gefängnis.

Wegen seinen Verwicklungen in eine Finanzaffäre ist der frühere spanische Umweltminister Jaume Matas zu sechs Jahren Haft verurteilt worden. Das Landgericht in Palma de Mallorca sah es als erwiesen an, dass der konservative Politiker in seiner Amtszeit als Regierungschef der Balearen öffentliche Gelder unterschlagen hat. Nach dem am Dienstag verkündeten Urteil darf der 57-Jährige für knapp zehn Jahre keine öffentlichen Ämter ausüben. Zudem wurden ihm die protokollarischen Ehren als ehemaliger Chef der Regionalregierung der Balearen aberkannt.

Matas steht im Mittelpunkt eines der größten Korruptionsskandale in der jüngeren spanischen Geschichte. Er soll sich beim 100 Millionen Euro teuren Prestige-Bau einer Sporthalle auf der Ferieninsel Mallorca ("Palma Arena") bereichert haben. Der jetzt mit der Urteilsverkündung zu Ende gegangene Prozess war ein erstes Teilverfahren in der weit verzweigten Affäre.

Matas wurde verurteilt, weil er nach Ansicht der Richter seinem damaligen Redenschreiber auf illegale Weise knapp eine halbe Million Euro aus der Staatskasse beschafft hatte. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Haftstrafe von achteinhalb Jahren wegen Amtsmissbrauchs, Veruntreuung, Betrugs und Dokumentenfälschung gefordert. Das Urteil dürfte nach Ansicht von Beobachtern eine Signalwirkung für weitere Verfahren haben, die gegen Matas anhängig sind.

Verbindungen ins spanische Königshaus

Im Zusammenhang mit dem Skandal auf Mallorca wird auch gegen den Schwiegersohn des spanischen Königs Juan Carlos, Iñaki Urdangarín, ermittelt. Der Ehemann der Königstochter Cristina steht im Verdacht, als Präsident einer Stiftung Steuergelder in die eigene Tasche gewirtschaftet zu haben.

Matas hatte von 1996 bis 1999 und von 2003 bis 2007 an der Spitze der balearischen Regionalregierung gestanden. Von 2000 bis 2003 war er spanischer Umweltminister in der Regierung von Ministerpräsident José María Aznar. Sein Vorgänger im Amt des balearischen Regierungschefs, Pere Cañellas, hatte sich ebenfalls in einem Korruptionsprozess vor Gericht verantworten müssen. Der konservative Politiker wurde jedoch freigesprochen, weil die ihm zur Last gelegten Straftaten verjährt waren.

DPA / DPA