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Kriegsverbrechen: Milizionäre müssen sich in Den Haag verantworten

Germain Katanga und Mathieu Ngudjolo Chui aus dem Kongo stehen wegen Mordes, Vergewaltigung und der Rekrutierung von Kindersoldaten in Den Haag vor Gericht. Sie müssen sich wegen Mordes, Vergewaltigungen, sexueller Versklavung und der Zwangsrekrutierung von Kindersoldaten vor dem Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) verantworten.

Zwei ehemalige Milizenführer aus dem Kongo, auf deren Befehl hin ein ganzes Dorf ausgelöscht worden sein soll, stehen seit Dienstag in Den Haag vor Gericht. Germain Katanga und Mathieu Ngudjolo Chui müssen sich wegen Mordes, Vergewaltigungen, sexueller Versklavung und der Zwangsrekrutierung von Kindersoldaten vor dem Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) verantworten. Beide erklärten sich zum Prozessauftakt für unschuldig.

Chefankläger Luis Moreno-Ocampo wirft den Ex-Milizenchefs aus dem Osten der Demokratischen Republik Kongo Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit in zehn Fällen vor. Beide hätten sich einiger der "schwersten Verbrechen" schuldig gemacht, sagte Moreno-Ocampo zu Beginn der Anhörung. "Sie haben Kinder als Soldaten benutzt, sie haben mehr als 200 Zivilisten in wenigen Stunden getötet, die haben Frauen, Kinder und ältere Menschen vergewaltigt."

Der 31-jährige Katanga und der 39-jährige Ngudjolo müssen sich wegen eines Angriffs auf das Dorf Bogoro in der ostkongolesischen Region Ituri im Februar 2003 vor Gericht verantworten. Dabei wurden laut Anklage mehr als 200 Menschen getötet. Katanga und Ngudjolo sollen ihren Truppen von den Patriotischen Widerstandskräften (FRPI) und der Nationalen Vereinigungsfront (FNI), darunter auch zahlreiche Kindersoldaten, befohlen haben, das Dorf auszulöschen.

Manche Dorfbewohner seien im Schlaf getötet worden, andere seien mit Macheten niedergemetzelt worden, um Munition zu sparen, sagte Moreno-Ocampo. Weitere Menschen seien in ihrem Häusern verbrannt. Außerdem hätten die mehr als 1000 Angreifer in dem Dorf weitere Kindersoldaten zwangsrekrutiert, Frauen vergewaltigt, getötet und als Sexsklaven gefangengenommen.

"Ich plädiere auf nicht schuldig", sagte Katanga vor Gericht. Auch Ngudjolo leugnete seine Schuld. Die beiden Männer gehören der Volksgruppe der Lendu an, die Dorfbewohner waren mehrheitlich Hema. Nach Angaben von Menschrechtsgruppen starben bei den ethnischen Konflikten im Osten des Kongo seit 1999 rund 60.000 Menschen. Das Dorf Bogoro war vor dem Angriff von der Union Kongolesischer Patrioten (UPC) des Milizenchefs Thomas Lubanga kontrolliert worden. Es galt unter den Stammesmilizen als strategisch wichtiger Punkt, da es an einer wichtigen Verbindungsstraße zur rohstoffreichen Region Ituri liegt. Der Kriegsverbrecherprozess gegen Lubanga hat bereits im Januar begonnen.

Das auf rund sieben Monate angesetzte Verfahren gegen Katanga und Ngudjolo ist erst der zweite Prozess vor dem IStGH. Das Gericht war 2002 gegründet worden. Es ist der erste ständige Gerichtshof, der länderübergreifend Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermord ahnden soll. Der IStGH urteilt dabei über die Taten Einzelner und nicht über Staaten.

AFP / AFP