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Legalisierung von Marihuana: Freies Kiffen bald auch in Mexiko-Stadt?

Die US-Bundesstaaten Washington und Colorado haben es vorgemacht, bald könnte Mexico City nachziehen. Das Stadtparlament will Ende Oktober über die Legalisierung von Marihuana entscheiden.

Für konservative Mexikaner ist Mexico City der Inbegriff des Sündenpfuhls: Erst ermöglichten linke Politiker eine straffreie Abtreibung, kurze Zeit später gar die gleichgeschlechtliche Ehe. Und nun das: Ende Oktober steht im Rat der größten Stadt Nordamerikas eine Abstimmung an, die die Drogenpolitik des ganzen Landes revolutionieren könnte.

Geht es nach Bürgermeister Miguel Ángel Mancera und seiner Partei der demokratischen Revolution, soll der Besitz von bestimmten Mengen an Marihuana legalisiert werden. Im Gespräch sind bis zu 30 Gramm pro Person. Gleichzeitig wird im Parlament des Hauptstadtbezirks über die Möglichkeit diskutiert, so genannte "Cannabis-Clubs" zu eröffnen. Ähnlich einer Genossenschaft könnten sich in derartigen, nicht kommerziell ausgerichteten Clubs bis zu 100 Mitglieder zusammenfinden und monatlich 50 Gramm Marihuana für den Eigenverbrauch abholen.

Die mexikanische Pro-Legalisierungsgruppe Cupihd geht davon aus, dass solche Clubs 70 Prozent des bisherigen illegalen Marktes austrocknen könnten. Im US-Magazin "Time" erklärte Cupihd-Direktor Jorge Hernández, dass auf diese Weise der Einfluss von Dealern und Zwischenhändlern extrem eingedämmt werden könnte.

Derzeit ist der Besitz der Droge in Mexiko verboten. Seit 2009 gilt in Mexiko-Stadt aber: Wer mit bis zu fünf Gramm für den Eigenverbrauch erwischt wird, geht straffrei aus. Anbau und Verkauf blieben weiterhin grundsätzlich verboten, was die Idee der "Cannabis-Clubs" noch in Konflikt mit Bundesgesetzen bringen könnte. Ginge es nur nach dem persönlichen Geschmack von Mexikos Präsidenten Enrique Peña Nieto, bliebe das Hanfgewächs illegal. Allerdings hatte sich der 47-Jährige zuletzt offen für einen Dialog mit den Legalisierungsbefürwortern gezeigt.

Sicher ist: Mit der Gesetzesinitiative sind große Hoffnungen verbunden. Die bisherige Politik der harten Hand gegen die mächtigen Drogenkartelle gilt als gescheitert. Sporadische Militäreinsätze und die Verhaftung einzelner einflussreicher Drogenbarone haben am Grundproblem nichts ändern können. Allein in den vergangenen sieben Jahren hatte das Land über 70.000 Tote durch Kartellgewalt zu beklagen.

Auch wenn die Kartelle den Großteil ihrer Milliarden-Dollar-Gewinne eher aus dem Handel mit härterem Stoff wie Crystal Meth, Kokain und Heroin erwirtschaften, hoffen Befürworter auf die grundsätzliche Signalwirkung einer Marihuana-Liberalisierung. Selbst Ex-Präsident Vicente Fox ist mittlerweile dafür: Der 71-Jährige ist sich sicher, dass eine Legalisierung die beste Taktik sei, um den Drogenkartellen den lukrativen Schwarzmarkt zu verderben - und so auf lange Sicht auch das die Gemetzel zu stoppen.

jwi