Libanon Hisbollah erobert weite Teile Beiruts

Die blutigen Kämpfe zwischen Hisbollah-Milizen und Regierungstruppen im Libanon entwickeln sich zu einer schweren Krise. In der Hauptstadt Beirut hat die Hisbollah fast den gesamten muslimischen Bezirk erobert, Kuwait evakuiert seine Staatsangehörigen, das Auswärtige Amt erwägt eine Reisewarnung.

Die libanesische Hisbollah und ihre Verbündeten stehen Sicherheitskreisen zufolge kurz davor, die Kontrolle über den gesamten muslimischen Teil Beiruts zu übernehmen. Lediglich in einem Bezirk hätten sich die Regierungsanhänger noch nicht ergeben, hieß es in den Kreisen. Sie führten aber bereits Gespräche darüber, ihre Waffen niederzulegen.

In der libanesischen Hauptstadt toben den dritten Tag in Folge Kämpfe zwischen der schiitischen Miliz und Regierungsanhängern. Nach früheren Angaben aus Sicherheitskreisen wurden bei den Gefechten mindestens zehn Menschen getötet. Saudi-Arabien, das die Regierung des Libanon unterstützt, forderte angesichts der Kämpfe eine Krisensitzung der arabischen Außenminister, wie das staatliche Fernsehen des Landes am Freitag berichtete.

Anhänger der pro-westlichen Regierung und der Opposition hatten am Abend und in der Nacht in mehreren Vierteln der Hauptstadt aufeinander geschossen. Unter den Opfern waren den Angaben zufolge auch unbewaffnete Passanten. Seit Beginn der Regierungskrise im Libanon warnen Beobachter vor einer Neuauflage des Bürgerkriegs, der 1990 nach 15 Jahren beendet wurde.

Die kuwaitische Botschaft in Beirut brachte wegen der Gewaltausbrüche rund 150 kuwaitische Staatsbürger außer Landes. Die Botschaft erklärte, die Kuwaiter seien mit Bussen nach Syrien gebracht worden. Die Straße zum Flughafen blockieren seit Mittwoch Kämpfer der schiitischen Hisbollah-Miliz. In Berlin wurde am Freitag nach Angaben der Nachrichtenagentur DPA darüber diskutiert, ob das Auswärtige Amt generell vor Reisen in den Libanon warnen soll. Evakuierungsaktionen sind bislang nach Auskunft der Botschaft nicht geplant. Vor der Eskalation der Gewalt am Donnerstagabend hatte die Bundesregierung lediglich von nicht erforderlichen Reisen in den Libanon abgeraten sowie die Deutschen, die schon im Land sind, aufgefordert, möglichst zu Hause oder im Hotel zu bleiben.

Hisbollah stürmt TV-Sender

Kämpfer der Hisbollah stürmten auch das Gebäude des regierungstreuen Fernsehsenders Future News und zwangen die Mitarbeiter, ihre Berichterstattung einzustellen. Future News hat seinen Sitz im überwiegend von Muslimen bewohnten Westen Beiruts und gehört Saad al Hariri, einem der Köpfe der pro-westlichen Regierungskoalition.

Nach Augenzeugenberichten brachten Kämpfer der Hisbollah und der mit ihr verbündeten Amal-Bewegung auch die Redaktion der ebenfalls im Besitz Hariris befindlichen Zeitung "Al-Mustakbal" unter ihre Kontrolle. Aus dem Fenstern des Büros stiegen Rauchschwaden auf.

DPA/Reuters DPA Reuters

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