Libanon-Konflikt Israelis sehen sich in Überlebenskampf


Für viele Israelis geht es im Libanon-Krieg nicht nur darum, die radikal-islamische Hisbollah-Miliz zu besiegen. Für sie geht es ums Überleben.

Und dazu gehört auch, den Feinden des jüdischen Staates - insbesondere dem Iran, der als Unterstützer der schiitischen Gruppe gilt - mit aller Härte zu begegnen. Das ist der Grund, warum die israelische Regierung einen schnellen Waffenstillstand in dem Konflikt ablehnt, obwohl bei dem bislang folgenschwersten israelischen Angriff am Sonntag in Kana mindestens 54 Zivilisten getötet wurden und die internationale Empörung groß war.

Drohung mit der Ausrottung

"Die Israelis sehen die Hisbollah als einen Vertreter des Irans, der uns jeden Morgen mit der Ausrottung droht", bringt der Politikwissenschaftler Jaron Esrahi von der Hebräischen Universität in Jerusalem am Montag die Stimmung in der Bevölkerung auf den Punkt. Erinnerungen an den Holocaust und die Auslöschung der Juden seien wieder geweckt worden. "Das erklärt, warum es hier eine so große Zustimmung zum Einsatz gegen die Hisbollah gibt."

Nicht nur in Umfragen wird der überwältigende Zuspruch der Israelis zu der Offensive im Nachbarland deutlich. Am Montag appellierten auch Kommentatoren in den Zeitungen des Landes mit Nachdruck an Ministerpräsident Ehud Olmert, den internationalen Forderungen nach einem Waffenstillstand nicht nachzugeben. Der Regierungschef hatte in der Nacht zum Montag auf US-Druck hin zunächst einmal eine 48-stündige Feuerpause ausgerufen, die aber nur für Luftangriffe auf Hisbollah-Ziele im Libanon gelten sollte.

Möglicher PR-Sieg der Hisbollah

Die Sorge der Israelis ist groß, dass die Hisbollah im Falle eines definitiven Waffenstillstandes zwar geschwächt aus dem Konflikt hervorgeht, aber für sich beanspruchen könnte, der mächtigsten Armee des Nahen Ostens erfolgreich Paroli geboten zu haben. Schon jetzt dauert der Krieg knapp drei Wochen. Um die verbündeten arabischen Armeen von Ägypten, Syrien, Jordanien und dem Irak zu besiegen, brauchte Israel 1967 gerade einmal sechs Tage. "Die Angst ist die, als schwach und verletzlich wahrgenommen zu werden", sagt Experte Michael Oren vom Shalem-Center in Jerusalem. Daher wolle das Volk, dass die Armee eine eindeutige Botschaft an die Hisbollah und den Iran sende.

Die Islamische Republik hatte die Gruppe in den achtziger Jahren gegründet und bewaffnet. Heute betont die Führung in Teheran allerdings immer wieder, ihre Unterstützung der Miliz sei rein moralischer Natur. Nach Ansicht Israels ist dies weit von der Wahrheit entfernt: In Wirklichkeit statte der Iran die Hisbollah mit jenen Raketen aus, die derzeit in Nordisrael einschlagen, heißt es. Die Situation könne sich in Zukunft noch verschärfen, sollte der Iran - wie von der Staatengemeinschaft befürchtet - irgendwann tatsächlich über Atomwaffen verfügen. Schon bislang betrachtet Israel den Iran als die größte Bedrohung für die eigene Sicherheit - keineswegs zu Unrecht, wie sich gezeigt hat: Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad fiel zuletzt wiederholt mit der Forderung auf, Israel sollte von der Landkarte getilgt werden.

Keine Unterstützung in der Welt

Damit es niemals soweit komme, müsse die israelische Regierung der arabischen Welt jetzt zeigen, dass sie nicht nachgebe, meint Alon Kelderon, der in der nördlichen Hafenstadt Haifa lebt - einem der häufigsten Ziele der Hisbollah-Raketen. "Blicken wir den Tatsachen ins Auge. Niemand wird eine Träne vergießen, wenn Israel zerstört ist", sagt der 43-jährige Rohrleger. "Wir müssen die Sache für unser eigenes Dasein zu Ende bringen."

Dean Yates/Reuters


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