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Libyen Angriffe auf Gaddafi-Hochburgen stocken


Der Siegeszug der libyschen Rebellen ist vorerst gestoppt. Sie beißen sich an den letzten Hochburgen von Ex-Machthaber Gaddafi die Zähne aus. Unterdessen greifen seine Getreuen eine Raffinerie an.

Drei Wochen nach dem Fall der libyschen Hauptstadt Tripolis kommen die Aufständischen bei der Zerschlagung des letzten Widerstands nicht wie gewünscht voran. Der Kampfeswille der letzten Anhänger von Ex-Machthaber Muammar al Gaddafi sei unterschätzt worden, zitierte der arabische Nachrichtensender al Dschasira am Montag einen Sprecher des Übergangsrates.

So griffen Gaddafi-Truppen am Montag eine Raffinerie in den von den Rebellen gehaltenen Gebieten an. Bei der Attacke auf die Anlage rund 20 Kilometer von der Hafenstadt Ras Lanuf entfernt seien 15 Wachleute getötet worden, berichtete ein verletzter Raffineriearbeiter. Durch den Beschuss sei nur das Tor der Raffinerie beschädigt worden, nicht aber die noch nicht wieder voll funktionsfähige Anlage selbst. Am Wochenende hatte die Übergangsregierung erklärt, die seit fast sechs Monaten unterbrochene Ölproduktion sei wieder angelaufen.

Ultimatum abgelaufen

Trotz aller Angriffe der Aufständischen kontrollieren Gaddafi-Kämpfer weiterhin vier Städte - Sirte, die Geburtsstadt Gaddafis, Bani Walid, die Oase Dschufra und die Garnisonsstadt Sebha im Süden. Ein Ultimatum der Übergangsregierung, die Waffen niederzulegen, war in der Nacht zum Samstag abgelaufen. Der Sturm der Städte wird nach Einschätzung ausländischer Korrespondenten vor Ort möglicherweise noch Tage oder Wochen dauern.

Der Sturm von Bani Walid wird nach Informationen von al Dschasira durch einen Zwist unter den Rebellen behindert. Demnach wollen Kämpfer, die in der Wüstenstadt aufgewachsen sind oder aber zum gleichen Stamm, den Warfalla, gehören, Bani Walid selbst befreien. Erfahrene Kämpfer der Rebellen aus andere Landesteilen würden an die Seite gedrängt. Nach Informationen von al Dschasira versuchen Gaddafi-Loyalisten in Bani Walid, die Einwohner einzuschüchtern. Sie hätten unter anderem auch das Gerücht in Umlauf gesetzt, dass die Rebellen die schönsten Mädchen für sich behalten wollten.

Gaddafi-Familie löst sich auf

Immer mehr enge Familienmitglieder des gestürzten libyschen Diktators Muammar al-Gaddafi setzen sich ins Ausland ab. Gaddafis Sohn Al-Saadi wurde am Sonntag im Nachbarland Niger aufgegriffen. Der 38 Jahre alte Ex-Fußballprofi sollte in die Hauptstadt Niamey gebracht werden. Die Regierung gab humanitäre Gründe für die Aufnahme an.

fw/DPA/Reuters DPA Reuters

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