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Libyen im Bürgerkrieg Machtkampf mit Sowjet-Bombern


Gaddafi will mit allen Mitteln an der Macht bleiben. Seine Mittel sind jedoch veraltet. Schlechte Ausrüstung, schlecht ausgebildete Soldaten - so schätzen Experten Gaddafis Armee ein. Mit einer Ausnahme: Seine Elite-Brigaden in Tripolis.

Angesichts der Rebellion in seinem Land schlägt der libysche Machthaber Muammar el Gaddafi wütend um sich und setzt dabei auf alle verfügbaren Kräfte. Die Armee ist nach Einschätzung von Fachleuten schlecht ausgerüstet und mangelhaft ausgebildet. Die Ausnahme bilden in der Hauptstadt Tripolis stationierte Elitebrigaden. Diese seien imstande, die im Kampf unerfahrenen Rebellen, die über kein gemeinsames Kommando verfügen, aufzureiben. Gaddafis Brigaden in Tripolis sind schwer bewaffnet und gelten als sehr loyal.

Seit Mittwoch ist die von Rebellen kontrollierte Hafenstadt Brega im Osten des Landes Schauplatz einer Gegenoffensive der Gaddafi-Truppen. Dabei wurde ein Teil des Militärpotenzials sichtbar, über das Oberst Gaddafi verfügt: Soldaten, Milizionäre, Söldner und Kampfflugzeuge.

Vor Beginn der Protestbewegung zählten die libyschen Streitkräfte etwa 76.000 Soldatinnen und Soldaten. Doch Gaddafi habe in der Vergangenheit "alles unternommen", um die möglicherweise von der Armee für ihn ausgehende "Bedrohung" zu verringern, bemerkt der in London ansässige Analyst Saad Dschebbar. Dazu habe er seinen Stamm und seinen Clan, seine Angehörigen und die mit ihnen verbundenen Clans bewaffnet und die Betreffenden in den Streitkräften und Geheimdiensten an Schlüsselstellen befördert.

Auf dem Papier verfügt die Armee über 2000 Panzer, 374 Flugzeuge - insbesondere französische Mirage- und sowjetische MiG-Maschinen - Hubschrauber und zwei U-Boote. Ein Teil dieses Arsenals ist nach Einschätzung von Militärexperten allerdings stark veraltet und in schlechtem Zustand, wenn nicht sogar unbrauchbar.

Einen größeren Stellenwert für Gaddafi haben jedoch die 40.000 Mitglieder der Volksmilizen und Revolutionskomitees, die jahrelang Sonderprivilegien genossen. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen der betroffenen Länder rekrutierte Gaddafi mittlerweile auch rund 800 Tuareg-Kämpfer, hauptsächlich aus Mali und dem Niger, um den Aufstand in Libyen niederzuwerfen. So richtete ein libyscher Diplomat in der malischen Hauptstadt Bamako ein provisorisches Rekrutierungsbüro ein.

Die Regierungsgegner stützen sich laut dem auf die Analyse von Geheimdienstinformationen spezialisierten US-Unternehmen Stratfor auf 8000 Mann. Mit Ausnahme von Offizieren und Soldaten, die das Lager wechselten, handelt es sich um junge Libyer ohne Kampferfahrung, von denen viele erst noch an der Waffe ausgebildet werden müssen.

Die Kämpfe um Brega könnten sich als entscheidend erweisen. Die Hafenstadt ist nicht nur wegen des großen Öl-Verladeterminals von strategischer Bedeutung, sondern auch als Zugang nach Bengasi, dem Sitz der "Parallelregierung" der Aufständischen. Von dort aus sind es noch einmal tausend Kilometer bis Tripolis. "Militärische Einheiten über 800 Kilometer Straße fortzubewegen ist schwieriger als es scheint", urteilt Stratfor. "Die meisten Quellen sind der Ansicht, dass die libysche Armee außerhalb ihrer Garnisonen zu nichts Großem imstande ist."

Karim Talbi, DPA DPA

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