London Blairs "rechte Hand" Campbell wird zurücktreten


Der Kommunikationschef des britischen Premierministers Tony Blair, Alastair Campbell, hat angekündigt, in den kommenden Wochen zurückzutreten.

Der engste Vertraute des britischen Premierministers Tony Blair, Alastair Campbell, hat seinen Rücktritt angekündigt. Er werde sein Amt als Kommunikationschef der Regierung "in wenigen Wochen" niederlegen, sagte Campbell in London. Der 46 Jahre alte ehemalige Journalist und einer der mächtigsten Männer in der Regierung war im Zusammenhang mit der Affäre um den Selbstmord des Waffenexperten und Regierungsangestellten David Kelly stark unter Druck geraten. Ein Nachfolger wurde noch nicht benannt.

Abschied angeblich schon lange abgesprochen

Sein Abschied in diesem Sommer sei mit Blair bereits am 7. April dieses Jahres abgesprochen gewesen, sagte Campbell. Die Ankündigung habe deshalb nichts mit Kelly-Affäre zu tun. Er habe den Rücktritt an diesem Freitag angekündigt, weil der Untersuchungsausschuss zum Tod Kelly nicht getagt habe. Er stehe dem Ausschuss aber für Aussagen weiter zur Verfügung. Campbell hatte schon im Juli öffentlich gesagt, er werde bald zurücktreten.

"Fähig, furchtlos und loyal"

"Es war ein außerordentliches Privileg, so eng mit jemandem in der Opposition und in der Regierung zusammenzuarbeiten, der wie ich glaube, als Premierminister großer Veränderungen in die Geschichte eingehen wird", sagte Campbell. Blair nannte Campell in einer ersten Reaktion "außerordentlich fähig, furchtlos und loyal". "Er war, ist und wird ein guter Freund belieben", sagte der Regierungschef weiter.

Seit 1994 mit Blair zusammengearbeitet

Campell arbeitete eng mit Blair zusammen, seit dieser 1994 zum Führer der Labour-Partei gewählt wurde. Nach dem Labour-Wahlsieg von 1997 wurde er Blairs Pressesprecher, im Jahr 2001 dessen Kommunikationsdirektor. Campbell war als Strippenzieher bei der Opposition und auch bei Journalisten gefürchtet. Er gibt sein Amt gleichzeitig mit dem Ende der Tätigkeit seiner Lebensgefährtin Fiona Millar auf, die bislang Blairs Ehefrau Cherie beraten hat. Im Zuge der Kelly-Affäre war Campbell vorworfen worden, persönlich ein Dossier über die Gefahren angeblicher Massenvernichtungswaffen Saddam Hussein absichtlich aufgebauscht zu haben. Im Zuge der Vernehmungen in dem Untersuchungsausschuss von Lordrichter Brian Hutton hatten er selbst und Blair die Vorwürfe zurückgewiesen. Auch der Autor der Studie hatte gesagt, die Regierung habe bei der Erstellung des Dossiers nicht eingegriffen.

Campbell, Vater dreier Kinder, sagte, seine Familie habe den Preis für seine Aufgabe gezahlt. Zukünftig wolle er schreiben, für den Rundfunk arbeiten und Reden halten.

DPA

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