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Corona-Pandemie Macron verordnet neue Maßnahmen: Auch Frankreich geht in den Lockdown

Sehen Sie im Video: "Jede Stunde zählt" – Macron ruft neuen Lockdown aus.




Angesichts steigender Fallzahlen hat auch Frankreich einen neuen Lockdown im Kampf gegen die Coronavirus-Pandemie ausgerufen. Das Virus breite sich mit einer Geschwindigkeit aus, die nicht einmal die pessimistischsten Prognosen vorhergesagt hätten, sagte Staatspräsident Macron am Mittwoch. Frankreich befinde sich nun in derselben Situation wie die Nachbarländer. Daher habe er beschlossen zu den Maßnahmen zurückzukehren, die sich im Kampf gegen das Virus bewährt hätten. "Jede Stunde zählt. Die Maßnahmen sollten so schnell wie möglich umgesetzt werden. Und zwar in der Nacht von Donnerstag auf Freitag. Und sie gelten bis zum 1. Dezember. Ab morgen wird es eine Debatte und eine Abstimmung im Parlament geben." Die Franzosen sollen nach den neuen Auflagen grundsätzlich zu Hause bleiben. Ausnahmen gelten für notwendige Einkäufe, Arztbesuche und eine Stunde Sport am Tag. Wenn irgendwie möglich soll auch von zu Hause gearbeitet werden. Wer das Haus verlässt, benötigt spezielle Papiere, die von der Polizei kontrolliert werden. Im Gegensatz zum ersten Lockdown im März sollen dieses Mal die meisten Schulen offenbleiben. Dagegen müssen Gaststätten und Cafés mindestens zwei Wochen schließen. Auch dürfen nur solche Läden öffnen, die dringend benötigte Waren anbieten.
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Landesweite Ausgangsbeschränkungen und lästige Formulare? Das schien im Mai überwunden. Nun zieht Frankreichs Staatschef Macron die Notbremse  und appelliert an den Bürgersinn seiner Landsleute.

Ein knappes halbes Jahr nach Ende des coronabedingten Lockdowns müssen sich die Franzosen auf neue Ausgangsbeschränkungen einstellen. Wie Staatschef Emmanuel Macron am Mittwochabend ankündigte, werden neue und einschneidende Maßnahmen gegen die zweite Welle der Corona-Epidemie vom Freitag an landesweit gelten. 

Regierungschef Jean Castex will den neuen Maßnahmen-Katalog am Donnerstag vor beiden Kammern des Parlaments erläutern. Es sei auch eine Abstimmung geplant, sagte Macron. 

Mit den Ankündigungen des 42-jährigen Staatschefs spitzte sich die Krise im Land dramatisch zu. "Bleiben Sie so weit wie möglich zu Hause. Respektieren Sie die Regeln", appellierte Macron in einer Fernsehansprache an seine Landsleute. Er benutzte im Französischen den Ausdruck "confinement", was auch mit Lockdown übersetzt werden kann.  

Ausgangsbescheinigungen sollen eingeführt werden 

Macron will das Land mit seinen 67 Millionen Menschen aber nicht - wie im Frühjahr - weitgehend lahmlegen. Die Wirtschaft soll so weit wie möglich weiterlaufen; die Menschen sollen arbeiten, aber möglichst von zu Hause aus. Anders als im Frühjahr sollen die Schulen geöffnet bleiben. Bars, Restaurants und "nicht unentbehrliche Geschäfte" müssen jedoch schließen. 

Bürger können sich wie im Frühjahr nicht mehr ohne Weiteres frei bewegen. Ausgangsbescheinigungen sollen wiederkommen. Menschen können auf die Straße gehen, wenn sie arbeiten, wichtige Einkäufe erledigen, einen Arzt aufsuchen oder frische Luft schnappen wollen. Auch Reisen in andere Regionen des Landes sind nicht ohne Weiteres möglich - für die Rückkehr aus den Herbstferien soll es am Wochenende aber Ausnahmen geben. Die Maßnahmen sind zunächst bis zum 1. Dezember befristet. 

Frankreich ist von der Pandemie stark betroffen. Es starben bisher fast 35.800 Menschen. "Wir werden von der Beschleunigung der Epidemie überrollt", warnte Macron. Regierungssprecher Gabriel Attal sagte, auf den Intensivstationen der Krankenhäuser drohe in zwei Wochen eine ähnliche Lage wie beim Höhepunkt der ersten Epidemie-Welle im Frühjahr. Der Lockdown im Frühjahr dauerte von Mitte März bis Mitte Mai.    

In Frankreich gilt derzeit eine nächtliche Ausgangssperre für rund zwei Drittel der Einwohner, also rund 46 Millionen Menschen.

ivi DPA

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