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Friedensnobelpreis für Malala und Satyarthi: Eine gute Wahl

Der Friedensnobelpreis geht in diesem Jahr an die Menschenrechtsaktivisten Malala Yousafzai und Kailash Satyarthi. Die Entscheidung des Nobel-Komitees ist gut - war aber längst überfällig.

Von Irmgard Hochreither

Die Kinder- und Menschrechtsaktivisten Malala Yousafzai und Kailash Satyarthi teilen sich in diesem Jahr den Friedensnobelpreis. Es ist eine gute Wahl, die das Nobel-Komitee in Oslo in diesem Jahr getroffen hat. Und eine überfällige dazu. Bereits im letzten Jahr stand Malala Yousafzai auf der Liste der möglichen Preisträger. Dass die unbeugsame junge Frau am Ende leer ausging, sorgte bei vielen Menschen für Enttäuschung und Unverständnis.

Doch heute ehrt die Jury endlich zwei Menschen, deren Mut und Engagement über jeden Zweifel erhaben sind. Seit Jahren schon kämpfen Malala, die 17-jährige Muslima aus Pakistan und Kailash, der 60-jährige Hindu aus Indien, für die Rechte und gegen Ausbeutung von Kindern und Jugendlichen.

Die Wahl ist wohl auch zu verstehen als Statement und klares Signal an eine krisengeschüttelte, kinderfeindliche Welt: Vergesst die Kinder nicht. Schützt sie vor Unterdrückung und gebt ihnen die Chance auf Bildung. Weil Wissen und Bildung nun einmal die effektivsten Waffen sind gegen Intoleranz, Gewalt und Armut.

Zivilcourage kostet Malala fast das Leben

Seit ihrem 11. Lebensjahr setzt sich Malala Yousafzai für bessere Bildungschancen in ihrem Land ein. Sie forderte, dass auch Mädchen das Recht haben sollen, eine Schule zu besuchen. Sie bloggte für die BBC über das Vorgehen islamistischer Milizen in ihrer Heimat, dem Swat-Distrikt. Sie begehrte auf, beugte sich nicht unter die fundamentalistische Herrschaft, sondern trat weiter ein für ihre Überzeugungen.

Zivilcourage nennt man das. Eine Eigenschaft, die sie 2012 fast mit dem Leben bezahlt hätte. Taliban-Kämpfer hatten die Störenfriedin in einem Schulbus durch Schüsse in den Kopf schwer verletzt. Doch wie durch ein Wunder überlebte Malala den Anschlag, und wurde zur Weiterbehandlung in eine Klinik ins englische Birmingham geflogen. Das Foto des verletzten Mädchens im Krankenbett ging um die Welt und berührte Millionen Menschen.

Im Juli 2013 trat die unerschrockene Aktivistin vor den Vereinten Nationen ans Rednerpult, um noch einmal den Leitsatz, ihr Credo, zu formulieren, "ein Kind, ein Lehrer, ein Buch und ein Stift können die Welt verändern".

Unermüdlicher Kampf gegen Kindersklaverei

Damit diese Vision auch tatsächlich umgesetzt wird, hat sie, gemeinsam mit ihrem Vater, die "Malala Education Foundation" ins Leben gerufen, eine Stiftung, die Geld für innovative Bildungsprojekte in aller Welt sammelt. Wer mehr wissen will über ihr Leben und ihre Ziele, dem sei die Autobiografie "Ich bin Malala" ans Herz gelegt, die im Herbst letzten Jahres veröffentlicht wurde.

Mit unermüdlicher Kraft kämpft auch Kailash Satyarthi seit den 80er Jahren gegen Kindersklaverei in Südasien. Als Generalsekretär der "Bonded Labour Liberation Front" und später als Mitbegründer des Südasiatischen Bündnisses gegen Kindersklaverei "South Asian Coalition on Child Servitude" rückt er die soziale Ungerechtigkeit gegen die Schwächsten der Gesellschaft in den Fokus.

Über 470 Partnerorganisationen in Indien, Pakistan, Nepal, Bangladesh, Bhutan und Sri Lanka gehören dem Bündnis mittlerweile an. Seit 1992 hat Satyarthi die Verantwortung als Vorsitzender der Organisation. Unter seiner Federführung wurde 1994 das "Rugmark"-Kontrollsiegel eingeführt, welches Produkte kennzeichnet, die aus überprüften Betrieben ohne Kinderarbeiter stammen.

Um verstörte Kinderseelen heilen zu können, engagierte er sich auch für den Aufbau von zwei Rehabilitationszentren für ehemalige Kindersklaven in Dehli und Jaipur. Außerdem gibt es auf sein Betreiben hin inzwischen 18 Bildungszentren in verschiedenen Staaten Indiens. Denn genau wie seine Mitstreiterin aus Pakistan weiß auch Satyarthi, dass nur Bildung und Ausbildung aus der Armutsfalle führen, während Kinderarbeit und Analphabetismus das Elend wachsen lassen.

Aufsehen erregte 1998 auch der von ihm initiierte "weltweite Marsch gegen Kinderarbeit", der über eine Landstrecke von 80.000 Kilometern durch Asien, Afrika, Amerika, Australien und Europa führte. Weil es ihm immer wieder gelungen sei, viele friedliche Demonstrationen und Protestaktionen anzustoßen, verglich das Nobel-Komitee den indischen Menschenrechtler mit dem großen Friedensstifter Mahatma Ghandi.

Freuen wir uns also auf den 10. Dezember 2014, wenn an Alfred Nobels Todestag in Oslo zwei bewundernswerte Kämpfer für Menschlichkeit den mit rund 876.000 Euro dotierten Friedensnobelpreis entgegen nehmen werden. Mehr als jeder andere, der auf der Vorschlagsliste stand, haben Malala Yousafzai und Kailash Satyarthi diese Auszeichnung verdient. Wie gesagt: Eine gute Wahl.

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