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Malala Yousafzai bei der Queen: Wie eine 16-Jährige den Taliban Angst einjagt

Die Taliban jagt die 16-jährige Malala, weil sie für die Bildung von Mädchen kämpft. Sie hat ein Attentat überlebt und setzt sich umso mehr für Menschenrechte ein - auch bei der britischen Queen.

Die Taliban hat die 16-jährige Malala Yousafzai stark unterschätzt. Statt nach einem Attentat zu schweigen, tritt das Mädchen umso lauter für Menschenrechte ein. Malala ist ein Weltstar - und trifft nun sogar die Queen.

Vor einem Jahr, am 12. Oktober 2012, fragte ein Taliban-Kämpfer in einem Schulbus in Pakistan: "Wer ist Malala? Wer ist Malala?" Wenn sie sich nicht melde, töte er alle Kinder. Schließlich schoss der Kämpfer der 15-Jährigen in den Kopf. Er war auf der Suche nach Malala, weil sie in ihrem Internetblog Bildung für alle gefordert hatte - auch für Mädchen. Doch Malala überlebte und wurde weltweit bekannt als das Mädchen, das den radikalislamischen Taliban die Stirn bietet. Während sie in Pakistan nach wie vor viele Feinde hat, ist sie im Westen ein Star. Am Freitag traf sie im Buckingham Palast sogar die britische Königin Elizabeth II. und überreichte ihr ihre Autobiografie. In dem Buch schildert sie auch ihren Widerstand gegen die radikalislamischen Taliban.

Malala war elf, als sie im Internet Schule für alle forderte. Der Vater, ein Schuldirektor, unterstützte sie. "Lieber aufstehen und sterben als 100 Jahre im Joch leben", sagt er heute. "Wenn es um Freiheit geht, dürfen wir keine Kompromisse machen." Als die Taliban Hunderte Schulen sprengten, schrieb Malala darüber - und wurde zum Todfeind der Islamisten.

Mutige Worte einer 16-Jährigen

"Alles ist gut. Ich lebe und kann sogar lachen", sagte Malala Yousafzai in einem CNN-Interview mit der Journalistin Christiane Amanpour. "Damals wusste ich nicht, dass der Tag, der in einem Schulbus begann, in einem Krankenhaus in Birmingham enden würde." Aus "diesem Tag" wurden acht Tage mit Notoperationen und drei Krankenhaus-Verlegungen. Als sie wieder die Augen aufschlug, war sie nicht mehr im Swat-Tal, sondern in einem Kranklenhaus in Birmingham. "Mein erster Gedanke: Du wurdest angeschossen. Es war kein Traum! Mein zweiter war, dass ich einfach glücklich war zu leben. Der dritte: Oh Gott, wer soll das bezahlen?"

Darum muss sich die nun 16-Jährige keine Sorgen machen. Stiftungen unterstützen sie und auch ihre Autobiografie dürfte sich erfolgreich verkaufen. Das Fernsehen liebt sie: Sie spricht weltgewandt und klug, fast weise. Ihre Antworten haben perfekte Fernsehlänge und bestehen aus mutigen Worten ("Sie können mich erschießen, aber nicht meine Träume.") und einer Prise Humor ("Ich muss Stärke zeigen und meine Stimme erheben. Ich meine zu Hause gegen meine Brüder.").

Im CNN-Interview wirkt die 16-Jährige selbstsicher - und rückt doch immer wieder fast schüchtern ihr Kopftuch zurecht. Malala ist ein Kind ihres Landes. Sie liebt ihre Heimat, spricht von der Liebe zu Gott und auch ihrer Lieblingsmusik. "Früher war es Justin Bieber. Aber jetzt, wo ich so weit weg von zu Hause bin, ist es die Musik meiner Heimat." Denn Malala ist seit der Behandlung in England noch nicht wieder nach Hause zurückgekehrt. Das bringt ihr den Vorwurf der Selbstvermarktung ein. In der Tat hat sie kaum einen Tag ohne Interviews. Ihre Anhänger verweisen auf eine andere Tatsache: Trotz, ja wegen der weltweiten Solidarität - die UN hat sogar einen Malala-Tag (10. November) ausgerufen - haben die Taliban ihre Morddrohung erneuert.

Berufswunsch: Premierministerin

"Ich dachte, die Taliban haben Manieren. Fast so wie Menschen", sagt sie in New York. "Aber wenn sie mich wegen meiner Meinung töten wollen, werde ich sie jeden Tag daran erinnern." Die Islamisten hätten Angst vor Bildung und vor Frauen. "Eine gebildete Frau ist das Furchtbarste, dass sie sich vorstellen können." Dann blickt sie in New York ins Publikum und sagt: "Seid glücklich, dass Bildung bei Euch etwas Normales ist."

Malala ist ambitioniert. "Eigentlich wollte ich Ärztin werden. Aber ich glaube, als Politiker kann man noch mehr Menschen helfen." Deshalb: "Ja, ich möchte Premierministerin meines Landes werden."

"Sie ist keine Schülerin mehr. Sie ist unser aller Lehrerin", sagt Washingtons UN-Botschafterin Samantha Power. Die Taliban hätten bewiesen, wie lebensfeindlich sie seien. "Und dieses Mädchen hat ihnen Angst eingejagt." Dabei gebe es weltweit 57 Millionen Kinder, die nicht zur Schule dürften, in Pakistan sei es jedes dritte Kind. "Ein Lehrer oder ein Buch können die Welt verändern", sagt Power. "Oder ein Kind. Heute fragt niemand mehr: 'Wer ist Malala?'"

Von Chris Melzer, DPA / DPA