Massaker von Haditha Iraks Premier verlangt "Antworten"

In Haditha haben US-Soldaten offenbar 24 unschuldige Zivilisten ermordet - ein brutaler Racheakt. Der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki erhebt nun schwere Vorwürfe an die Adresse der USA.

Iraks Ministerpräsident Nuri al-Maliki hat sich ungehalten über die Tötungen von Zivilisten durch US-Soldaten gezeigt. "Wir sind besorgt über die Zunahme an 'Fehlern'. Ich sage nicht, dass sie beabsichtigt sind. Aber sie sind Besorgnis erregend", sagte der vor kurzem ins Amt gekommene Maliki am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters in einem Interview. Er bezog sich unter anderem auf einen jüngst bekannt gewordenen Vorfall in der westlichen Stadt Haditha, wo US-Soldaten in einem Racheakt 24 unschuldige Zivilisten getötet haben sollen. Den USA zufolge werden die Soldaten möglicherweise wegen Mordes vor Gericht gestellt. "Wir werden nicht nur Antworten zu Haditha haben wollen, sondern zu jedem Einsatz, in dem es auf Grund von Fehlern zu Tötungen kam. Die Verantwortlichen werden wir dingfest machen", sagte der Ministerpräsident.

Maliki hat einen Zeitrahmen von 18 Monaten ins Gespräch gebracht, in dem die Iraker die vollständige Kontrolle über die Lage im Land erlangen und damit eine Grundlage für den Abzug ausländischer Truppen bilden sollen. Er tritt dafür ein, die Milizen aufzulösen. Auch sein Kabinett will er mit starker Hand führen. Die Streitigkeiten innerhalb der Regierung verhinderten etwa zunächst die Besetzung des Verteidigungs- und des Innenministeriums. Er werde die Posten notfalls mit eigenen Wunschkandidaten besetzen, wenn sich die Koalition nicht einigen könne. Das Parlament tritt am Sonntag wieder zusammen. Die Koalition aus Schiiten, Sunniten, Kurden und säkularen Parteien habe nun eine letzte Frist, um sich auf Kandidaten zu einigen, sagte Maliki.

46 Tote bei Bombenanschlägen

Die Spannungen spiegelten sich am Dienstag erneut in der Gewalt auf den Straßen des Landes wider: Bei drei Bombenanschlägen in Bagdad und Hilla wurden am Abend mindestens 46 Menschen getötet, mehr als hundert Menschen wurden verletzt. Der Irak steht am Rande eines Bürgerkriegs. Die USA, die den Irak 2003 besetzt hatten, bauen vor allem auf die neue Regierung unter Maliki, um die Lage endlich zu stabilisieren.

Reuters Reuters

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