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Schweigende First Lady: Was ist eigentlich aus der Anti-Mobbing-Kampagne von Melania Trump geworden?

Im November hatte Melania Trump während des Wahlkampfs ihres Mannes mit einer Ankündigung für Aufsehen gesorgt: Als First Lady würde sie sich gegen Mobbing in sozialen Medien engagieren. Was ist daraus geworden?

Melania Trump

Melania Trump gegen Cybermobbing: "Als würde ein Mitglied des Ku-Klux-Klans gegen Rassismus eintreten"

Hohn und Spott ließen nicht lange auf sich warten: Als Melania Trump bei einer Wahlkampfveranstaltung ihres Mannes Donald im November in Philadelphia ankündigte, sich als First Lady gegen Mobbing in sozialen Netzwerken einzusetzen, erntete sie vor allem amüsiertes Kopfschütteln und Twitter-Kommentare wie: "Als würde ein Mitglied des Ku-Klux-Klans gegen Rassismus eintreten." Lady Gaga bezichtigte Miss Trump gar der Heuchelei, schließlich sei ihr Mann "einer der größten Rüpel, den wir je erlebt haben."

Tatsächlich mutete es ganz schön scheinheilig an, dass ausgerechnet die Frau des vielleicht berühmtesten Twitter-Berserkers der Welt ihre Stimme gegen Häme und Hetze im Netz erheben wollte. "Unsere Gesellschaft ist zu gemein und zu ruppig geworden", flötete sie damals und schien dabei völlig zu vergessen, dass auch ihr eigener Mann in seinen Tweets regelmäßig wüste Tiraden gegen Gott und die Welt in den Äther jagt.

Melania Trump: Im Zweifel für die Angeklagte

 Aber wie bei Donald galt im November auch für Melania noch: Im Zweifel für den Angeklagten. So wie manche Beobachter daran glauben wollten, dass spätestens das Amt des Präsidenten den polternden Trump demütig werden lassen würde, so hatte auch Melania ihre Chance verdient: Vielleicht würde sie ja wirklich die Initiative ergreifen - und auch wenn die Wahl des Themas fragwürdig war, ist Engagement immer besser als kein Engagement.

Dumm nur: Inzwischen ist Melania tatsächlich First Lady der Vereinigten Staaten, aber sie zeigt, nun ja, null Engagement. Genau genommen hat sie sich seit jener Wahlkampfrede von Pennsylvania am 3. November überhaupt nicht mehr zum Thema geäußert.

Auch den Austausch mit Experten hat sie bisher offenbar nicht gesucht. So kontaktierte das US-amerikanische Polit-Magazin "Mother Jones" eine große Zahl von Aktivisten, die sich gegen Mobbing in sozialen Medien engagieren - aber keiner von ihnen habe bisher eine Anfrage von Melania oder einem Mitglied von Trumps Team erhalten.

Es seien bereits einige offene Briefe an Melania Trump geschrieben worden, so Professor Sameer Hinduja von der Florida Atlantic University, Co-Direktor des Cyberbullying Research Center, aber Mitarbeiter der gängigen Organisationen seien daraufhin bisher nicht kontaktiert worden: "Und es ist ein ziemlich kleiner Kreis von Experten, weshalb wir wohl davon gehört hätten."

Bei Twitter wütet Donald Trump munter weiter

Nicht einmal Monica Lewinsky sei bisher von Melania Trump adressiert worden - dabei wäre Lewinsky, die als eines der ersten Opfer von Internet-Mobbing gilt und seit 2014 aktiv gegen Cyber-Missbrauch eintritt, aufgrund ihrer berüchtigten Historie mit Trumps Wahlkampfgegnerin Hillary Clinton eine naheliegende und publikumswirksame Partnerin für die Präsidentengattin.

Während Melania also eisern schweigt, hat Präsident Trump die Zügel in den ersten Wochen seiner Amtszeit dagegen noch einmal angezogen: Bei Twitter wütet er weiter verbal in alle Richtungen, aus denen nur die leiseste Kritik an ihn gerichtet wird. Seinem Ruf als Netz-Tyrann macht er unbeirrt alle Ehre. Eigentlich müsste er mal zur Räson gebracht werden. Von Anti-Mobbing-Aktivisten zum Beispiel. Oder von seiner Frau. Aber das ist theoretisch ja dasselbe.

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