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First Lady Melania: Die erstaunliche Karriere der Mrs. Trump

Sie war das Model aus Slowenien, ein hübsches Accessoire an seiner Seite. Demnächst ist Melania Trump die Gattin des mächtigsten Mannes der Welt. Die Lebensgeschichte der neuen First Lady.

Donald Trump und seine Frau Melania Trump

Einst Kleinstadt-Schönheit, bald First Lady: Melania Trump, hier mit Ehemann Donald während einer Wahlkampfveranstaltung der Republikaner im Trump Tower in New York

Es sollte der Tag werden, an dem der Spuk sein Ende nimmt. Alle Umfragen hatten einen Sieg Hillary Clintons vorhergesagt. Sicher, ihr Mann wäre der Unterlegene gewesen, aber kein Verlierer. Und sie? Sie hätte aus dem Rampenlicht in die Festung ihres Penthouses an der Fifth Avenue zurückkehren können. Als hübsche Ehefrau eines exzentrischen Milliardärs. Aber es kam bekanntlich anders. Studiert man die Mimik von Melania Trump, als sie ihrem Mann in den frühen Morgenstunden des 9. November zur Siegesrede auf die Bühne im New York Hilton folgt, fällt die Ausdruckslosigkeit auf, die Leere. Kein Zeichen, dass sie sich über seinen Triumph freut. Keine herzliche Umarmung. Wie in Stein gemeißelt steht sie da in ihrem eleganten weißen Hosenanzug. Hin und wieder zwingt sie sich zu einem Lächeln, ihr Brustkorb hebt und senkt sich, als fiele ihr das Atmen schwer. Als wäre ihr gerade eine unbeschreibliche Last aufgebürdet worden.


Am 20. Januar muss sie als First Lady in die Fußstapfen der großartigen Michelle Obama treten. Sie wird gemessen werden an Frauen wie Pat Nixon und Betty Ford, wie sie ehemalige Models. Und sie wird verglichen werden mit der legendären Jackie Kennedy, schließlich hatte die Trump-Kampagne während des Wahlkampfs gern gedröhnt: "Melania wird die glamouröseste First Lady seit Jackie sein." Das Gallupinstitut erhebt seit 1992 die Sympathiewerte der amerikanischen First Ladies. Keine schnitt schlechter ab als die Neue. Melania ist die zweite im Ausland geborene, die erste war die Engländerin Louisa Adams 1825. Und Melania ist die erste, die als dritte Ehefrau eines Präsidenten ins Weiße Haus einzieht. Wenn sie denn einzieht. Den Wohnortwechsel nach Washington hat sie verschoben. Ihr zehnjähriger Sohn Barron solle das Schuljahr in New York beenden, erklärte sie. Die Sicherheitsmaßnahmen rund um den Trump Tower kosten täglich rund eine Million Dollar.

Melania Trump vs. Michelle Obama: Kindheit, Ehe, Mode - die First Ladys im Vergleich
Melania Trump und Michelle Obama

Zwei Tage nach der US-Wahl kam es zum ersten Aufeinandertreffen von amtierender und neuer First Lady: Michelle Obama (r.) empfing Melania Trump im Weißen Haus. Worüber genau die Frauen sprachen, ist nicht bekannt. Das Treffen fand hinter verschlossenen Türen statt. Fest steht, viele Gemeinsamkeiten dürften Michelle Obama und Melania Trump nicht haben, obwohl sie ein Altersunterschied von nur sechs Jahren trennt.


Vor allem aber gab es noch nie eine First Lady, deren Muttersprache nicht Englisch war. Schon deshalb wird Melania dem Anspruch der Amerikaner kaum gerecht werden. In deren Augen ist die ideale Frau an der Seite ihres Präsidenten eine Mutter der Nation, das gute Gewissen des brutalen Washingtoner Politbetriebs. "Sie zeigt die sanfte Seite des Präsidenten", schrieb einst das "Wall Street Journal". Die populärste von allen war Barbara Bush, Frau von George Bush, die mit ihren Lebensweisheiten die Menschen erreichte: "Wichtig ist, wie du deine Mitmenschen behandelst. Nicht, was du besitzt." Melania sagte auf die Frage, wie sie sich ihr Dasein als First Lady vorstellt: "Traditionell", und erinnerte an Jackie Kennedys Worte "Ich bin zuerst Ehefrau und Mutter, dann First Lady".

Erwartet wird, dass Trumps Tochter Ivanka, die gerade mit ihrem Mann ein Domizil in Washington sucht, einen Teil der repräsentativen Aufgaben wahrnehmen wird. Doch das geht nur bedingt. Zwar sagte Nancy Reagan einmal: "Für eine First Lady existiert keine Job-Beschreibung." Dennoch gibt es Pflichten, die traditionell immer von der ersten Frau im Staat übernommen wurden. Etwa als Gastgeberin für ausländische Staatsgäste oder für die Familien gefallener Soldaten. Melanias Ankündigung, sich während der Amtszeit ihres Mannes gegen Cybermobbing zu engagieren, sorgte für Stirnrunzeln, wo sich doch ihr Mann auf Twitter durch seinen Wahlkampf gepöbelt hatte. Aber vielleicht war es das einzige Mal in den vergangenen Wochen, dass Melania öffentlich von Herzen sprach, als sie sagte: "Wenn ich an Donald etwas ändern könnte, dann seine Twitterei."

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"Sag, ich bin ein guter Ehemann"

Es gehört zu den größten Unterschieden zwischen Donald Trump und seinen Vorgängern, dass er mit seiner Frau nicht als Team auftritt. Bill Clinton hatte einst geworben: "Zwei zum Preis von einem", und bei Barack und Michelle Obama hatte man ohnehin immer das Gefühl, dass sie jede Entscheidung gemeinsam trafen. In Trumps Weltbild aber sind Mann und Frau keine gleichberechtigten Partner. Er gebietet. Sie gehorcht. Als Melania einmal zögerlich vor Reportern zurückwich, schob er sie vor die Mikrofone und sagte: "Sag einfach, ich bin ein guter Ehemann."

Melania fügt sich ihrer neuen Rolle mit Disziplin. In ihren langen Mänteln mit den hohen Kragen und goldenen Knopfleisten wirkt sie oftmals wie ein Offizier auf dem Weg in die Schlacht. Dazu ihr kalter Blick. Ein Panzer der Unnahbarkeit. "Das Unamerikanischste an ihr ist, dass sie nicht über ihre Schwächen reden kann", schrieb der "New Yorker". Ihr fehlen Humor, Leichtigkeit, Selbstironie. Ihre seltenen Interviews bestehen aus den stets gleichen Phrasen. "Ich verfolge die Nachrichten von A bis Z. Ich bin privat sehr politisch." Oder: "Niemand kontrolliert mich. Ich bin eine eigenständige Persönlichkeit." Nur ein einziges Mal schien der Funke zwischen ihr und dem amerikanischen Volk überzuspringen. Bei ihrer klugen Rede auf dem Nominierungsparteitag im Sommer – die zu großen Teilen ein Plagiat einer Rede von Michelle Obama war.

Für die Mehrzahl der Amerikaner ist Melania nichts als die hübsche Brünette aus dem einst kommunistischen Feindesland, die auszog, um sich in den USA einen Millionär zu angeln. Als sie sich 1998 bei einer Party auf der New York Fashion Week kennenlernten, war sie 28 Jahre alt, er 52 – und damit gerade einmal fünf Jahre jünger als ihr Vater.

Um dem Dummerchen-Image entgegenzuwirken, wurde ihr Lebenslauf aufgehübscht. Lange stand auf ihrer Webseite, sie habe an der Universität von Ljubljana einen Abschluss in Architektur und Design gemacht. Der Eintrag ist inzwischen gelöscht. In Wahrheit war sie gerade zwei Semester eingeschrieben, bevor sie nach Italien ging, um als Model zu arbeiten. Sie behauptet auch, dass sie fünf Fremdsprachen fließend beherrsche. Darunter Deutsch. Als der stern die Trumps vor Jahren zu Hause besuchte, sprach Melania kein Deutsch. Sie sprach eigentlich gar nicht. Sie wurde von ihrem Gatten vorgeführt wie eines der goldüberladenen Möbelstücke in seinem Penthouse. Im Januar 2005 heirateten sie. Melania trug ein 100.000 Dollar teures Kleid von Dior, die Torte war bestückt mit 3000 geeisten Rosen. Zu den Gästen gehörten Heidi Klum und die Clintons. Die Hochzeit zählt bis heute zu den teuersten der Welt.

Melania und Donald Trump

Donald Trump im Jahr 2004 mit Melania, damals noch brünett und seine Freundin

In ihrem ersten Interview als Ehepaar auf CNN bei Larry King erwiderte Trump auf die Frage, warum sie geheiratet hätten: "Wir passen gut zusammen. Wir haben noch nie diskutiert, noch nie gestritten. So mag ich es. Ich arbeite den ganzen Tag, da will ich nicht auch noch in meiner Beziehung arbeiten." Ob er Melanias Heimat Slowenien schon besucht habe? "Ja. Wundervolles Land. 13 Minuten war ich da. Kurze Zwischenlandung. Hi Mom, Hi Dad. Und tschüss." Aber sie hätten doch gewiss eine romantische Hochzeitsreise unternommen. Nein, erklärte Trump, sie seien auf ihrem Anwesen in Florida geblieben. "Nur weil Honeymoon ist, muss man doch nicht auf irgendeine verdreckte Tropeninsel fliegen." Schließlich wurde Melania gefragt, was sie an Donald liebe. "Seinen Humor, seinen Charme, seine Energie", sagte sie. Donald tätschelte ihre Hand: "Macht sie ihren Job nicht großartig?"

Soll man Melania nun bedauern? Oder doch um ihren Reichtum beneiden? New York ist voll von Frauen wie Melania. Sie kommen aus Russland und Osteuropa. Sie träumen davon, in den Vereinigen Staaten als Model Karriere zu machen. Die meisten teilen sich zu zweit, zu dritt ein Apartment. Eine Agentur zu finden ist einfach, denn die leben davon, dass sie möglichst viele Frauen von einem Casting zum nächsten schicken und im Erfolgsfall 40 Prozent des Honorars kassieren. Melania war 26, als sie nach New York kam, ein Alter, in dem viele der Frauen feststellen, dass sie schon zu alt sind fürs Modegeschäft. Ihre erste Wohnung am Union Square teilte Melania mit dem Fotografen Matthew Atanian. Anders als in Paris und Mailand, wo sie zuvor gearbeitet hatte, wurde sie in den USA kaum noch gebucht. Sie wich auf Alkohol- und Zigarettenwerbung aus, weil man dafür über 21 sein muss. Ihr größter Erfolg war ein Camel-Billboard am Time Square. Matthew Atanian erinnert sich, dass sie einmal für zwei Wochen verschwunden war und mit größeren Brüsten zurückkehrte: "Sie meinte, das musste sein, um Dessous-Jobs zu bekommen."

Für amerikanische und westeuropäische Models ist es leicht, nach der Karriere wieder bei den Eltern einzuziehen, eine Ausbildung zu beginnen oder ans College zu gehen. Aber was macht eine junge Frau wie Melania aus dem gerade mal zwei Millionen Einwohner großen Slowenien? Die Rückkehr hätte Scheitern bedeutet. Welche Karriere wartet schon zu Hause? Und so kommt es, dass in den teuren New Yorker Klubs und auf den Partys der Reichen und Schönen zwei Drittel der weiblichen Gäste überdurchschnittlich lange Beine haben und Englisch mit schwerem Akzent sprechen. Viele auf der Suche nach einem Partner, der ihnen das Weiterleben in der teuren Weltmetropole ermöglicht.

Statt Alkohol trank Melania Trump Saft

Melania, so sagen Bekannte aus jener Zeit, hätte derartige Partys nur widerwillig besucht. Statt Alkohol trank sie Saft. Meistens war sie vor Mitternacht wieder zu Hause. "Ich hatte es nie auf einen prominenten Mann abgesehen" , beteuert sie heute. Trotzdem gab sie Trumps Werben nach. Auf einer Party im berüchtigten Kit Kat Club hatte sie sich zwar geweigert, ihm ihre Telefonnummer zu geben. Aber sie hatte sich seine aufgeschrieben und rief ihn schließlich an. Sie ist aufgewachsen in einem Umfeld, in dem erwartet wird, dass eine Frau bereit ist, für Erfolg und Familie ihre Persönlichkeit zu opfern. Oberste Regel: Beklage dich nie. In ihrem Verständnis besteht kein Widerspruch darin, sich einem Mann anzupassen und trotzdem eine selbstständige Frau zu sein. Dieser Spagat gehörte im kommunistisch geprägten Osteuropa zur Normalität. Frauen waren gleichermaßen Heldinnen der Arbeit und Heldinnen am Herd.

Der 5000-Einwohner-Ort Sevnica, aus dem Melania stammt, liegt zwischen sanften grünen Hügeln gut eine Autostunde von Sloweniens Hauptstadt Ljubljana entfernt. Während der Tito-Diktatur Jugoslawiens arbeitete Melanias Mutter in einer Textilfabrik, ihr Vater war Mitglied der Partei und Chauffeur des Bürgermeisters der Nachbargemeinde. Später wurde er Verkäufer bei einem staatlichen Autohaus und konnte sich seinen eigenen gebrauchten Mercedes leisten. Am Wochenende polierte er gern den Wagen auf Hochglanz. "Mein Vater und Donald haben die gleiche Mentalität", sagt Melania. "Sie lieben Geschäfte." Es gibt Fotos, auf denen wirken die beiden Männer wie Brüder: die Haut gebräunt, das Haar blondiert, blauer Anzug, rote Krawatte.

In Sevnica wurde Melania seit Jahrzehnten nicht gesehen. Ihren Nachnamen hatte sie schon geändert, lange bevor sie Trump kennenlernte. Von Knavs in Knauss, weil man ihr sagte, im Modebusiness sei der deutsche Klang besser fürs Geschäft. Inzwischen sind auch Melanias Eltern nach New York in den Trump Tower gezogen. Ihr weißes Einfamilienhaus am Ortsrand von Sevnica steht verlassen mit heruntergelassenen Rollläden da. Nena Bedek, eine Jugendfreundin Melanias, sagt: "Mich überrascht nicht, dass Melania es so weit gebracht hat. Sie hatte immer größere Ziele als alle anderen." Womöglich wäre sie ja auch eine erfolgreiche Architektin geworden, hätte sie ihr Studium fortgesetzt. Aber es kam anders. Jugoslawien zerfiel, die Kriege begannen. Es gehört Mut und Selbstvertrauen dazu, in so einer Situation alle Brücken in seine Heimat abzubrechen.

Und deshalb existiert kein Ort auf der Welt, wo man stolzer ist auf Melania als in Sevnica. Vor dem Bahnhof weht die amerikanische Flagge. Am Ortseingang steht ein Schild: "Willkommen in der Heimat der First Lady." Die Geschäfte verkaufen Melania-Honig, Melania-Marmelade, und die örtliche Bäckerei erschuf die Melania-Torte. Goldfarben mit viel Mascarpone. Derweil gewöhnt man sich in den USA an den Gedanken, mit Trump eine First Lady gewählt zu haben, die für ihre Rolle ebenso unvorbereitet ist wie ihr Mann. Die wie so viele Amerikaner nur darauf hofft, seine Amtszeit möge schnell und schadlos an ihr vorüberziehen. Eine Frau, die so unsichtbar wie möglich bleiben wird.

Von der man eines Tages sagen wird: Sie war Amerikas schönste First Lady wider Willen.

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