Milan Babic Kriegsverbrecher begeht Selbstmord


Der ehemalige Führer der kroatischen Serben, Milan Babic, hat im Gefängnis Selbstmord begangen. Babic war Präsident der selbst proklamierten Serbischen Republik Krajina und wurde 2004 zu 13 Jahren verurteilt.

Der vom UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag zu 13 Jahren Haft verurteilte 50-Jährige wurde am Sonntagabend tot in seiner Zelle im Gefängnis von Scheveningen gefunden, wie das Gericht bekannt gab. Auf welche Weise Babic sich das Leben nahm, wurde nicht mitgeteilt. Ein Haager Richter ordnete eine Untersuchung an. Babic war ein wichtiger Zeuge im Prozess gegen den früheren serbischen Präsidenten Slobodan Milosevic.

Babic war nach der Abspaltung Kroatiens von Jugoslawien 1991 Präsident der selbst proklamierten Serbischen Republik Krajina. Er wurde im Juni 2004 wegen systematischer Verfolgung anderer Bevölkerungsgruppen in der Krajina verurteilt. Vor der Ausrufung der Serbischen Republik 1991 lebten in der Region mehr als 78.000 Kroaten und rund 2000 Muslime. Ein Jahr später war laut Haager Tribunal praktisch die gesamte nicht-serbische Bevölkerung gewaltsam vertrieben, deportiert oder getötet worden.

Babic wurde beschuldigt, er habe gemeinsam mit Milosevic geplant, ein Drittel Kroatiens dem serbischen Staat einzuverleiben. Der kroatische Serbenführer erklärte zwar, von den Morden an Kroaten und Muslimen nichts gewusst zu haben, bekannte sich zum Vorwurf der Verfolgung aber schuldig.

Mit Milosevic gebrochen

Milosevic warf er in einer Zeugenaussage im Jahr 2002 vor, im Hintergrund die Fäden gezogen zu haben. "Sie haben das serbische Volk in den Krieg hineingezogen", sagte er damals in einem heftigen Schlagabtausch mit dem serbischen Expräsidenten. Babic hatte noch während des Kriegs mit Milosevic gebrochen.

Er sollte jetzt vor dem UN-Tribunal gegen seinen Nachfolger an der Spitze der Serbischen Republik Krajina aussagen, Milan Martic. Zu diesem Zweck war Babic vor einem Monat aus einem anderen Gefängnis nach Scheveningen bei Den Haag verlegt worden.

Babics Selbstmord war der zweite Suizid eines Gefangenen in der Haftanstalt des UN-Tribunals. 1998 hatte sich Slavko Dokmanovic, der ebenfalls der Führung der kroatischen Serben angehörte, in dem Gefängnis in Scheveningen das Leben genommen.

AP AP

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