Im US-Bundesstaat Minnesota sorgt das harte Vorgehen der Einwanderungsbehörde ICE für Auseinandersetzungen mit Bürgern. Bei einer Protestaktion in einer Kirche in der Stadt St. Paul wurden drei Personen festgenommen. Darunter auch die auf Bürgerrechte spezialisierte Anwältin Nekima Levy Armstrong. US-Justizministerin Pam Bondi teilte auf X mit, Bundesbeamte hätten Armstrong am Donnerstag wegen ihrer mutmaßlichen Rolle bei der Protestaktion festgenommen.
Auch US-Heimatschutzministerin Kristi Noem äußerte sich auf X und teilte dazu ein Foto, das offenbar den Moment von Levy Armstrongs Festnahme zeigt. Die Aktivistin nimmt ihr Schicksal mit neutralem Gesichtsausdruck hin. Dieser Post wurde von Trump-Specherin Karoline Leavitt geteilt.
Etwa eine halbe Stunde später veröffentlichte das Weiße Haus das gleiche Bild. Allerdings ist Levy Armstrong darauf in Tränen aufgelöst zu sehen. Unter dem Beitrag findet sich auch ein Hinweis der Plattform X: "Digital bearbeitetes Bild. Das Originalfoto der Festnahme finden Sie hier."
Bild von Weißem Haus offenbar manipuliert
Levy Armstrongs Ehemann, Marques Armstrong, erklärte noch am Donnerstag, dass der Social-Media-Beitrag zu ihrer Verhaftung eine falsche Geschichte erzähle, berichtet die "Washington Post". "Wir haben die Videos, um das zu beweisen und die Lügen und die Verdrehung der Wahrheit, die diese Regierung ständig an den Tag legt, zu widerlegen", sagte er.
Die US-Zeitung verweist auch auf Hany Farid, Professor an der University of California in Berkeley und Mitbegründer des Digitalforensik-Unternehmens GetReal Security. Farid habe die beiden Bilder untersucht und sei zu dem Schluss gekommen, das vom Weißen Haus veröffentlichte Bild sei manipuliert. Auch eine Analyse des "Guardian" kommt zu diesem Ergebnis.
Als Reaktion auf die Kritik meldete sich Kaelan Dorr, stellvertretender Kommunikationsdirektor des Weißen Hauses, ebenfalls mit einem X-Post zu Wort: "NOCH EINMAL an alle, die das Bedürfnis verspüren, reflexartig die Täter abscheulicher Verbrechen in unserem Land zu verteidigen, richte ich folgende Botschaft: Die Strafverfolgung wird fortgesetzt. Die Memes werden fortgesetzt. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit in dieser Angelegenheit."
US-Regierung sieht Angriff auf Religionsfreiheit in Minnesota
Zuvor hatte US-Justizministerin Pam Bondi von einem "koordinierten Angriff" auf einen Ort religiöser Andacht gesprochen. Angriffe auf Gotteshäuser würden nicht toleriert. US-Medien zufolge unterbrachen die Demonstranten den Gottesdienst in St. Paul und skandierten Parolen wie "ICE raus" und "Gerechtigkeit für Renee Good".
Good, eine 37-jährige US-Bürgerin und Mutter, war Anfang Januar bei einem ICE-Einsatz in Minneapolis erschossen worden. Der Protest in der Kirche richtete sich den Berichten zufolge gegen einen Pastor. Dieser soll laut den Demonstranten auch leitender Beamter von ICE in St. Paul sein.
Heimatschutzministerin Kristi Noem erklärte auf X, Armstrong werde eine Verschwörung zur Verletzung von Bürgerrechten nach Bundesrecht vorgeworfen, indem sie andere bei der Ausübung ihres Rechts auf Religionsfreiheit eingeschüchtert oder behindert habe. Auch gegen die ebenfalls festgenommene Aktivistin Chauntyll Louisa Allen werde demnach eine Anklage wegen Verschwörung zur Verletzung von Rechten angestrebt.