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Moses Blah: Der gefürchtete General

Nach Taylors Rücktritt muss sein ehemaliger Kampfgefährte Moses Blah das am Boden zerstörte Land wieder aufrichten. Bislang lehnen die Führer der Rebellenbewegung den Interims-Präsidenten energisch ab.

Die Hoffnungen auf ein dauerhaftes Ende des Blutvergießens in Liberia ruhen jetzt auf Moses Blah. Präsident Charles Taylor hatte seinen Stellvertreter und langjährigen Kampfgefährten zum Nachfolger bestimmt. Nach dem endgültigen Rücktritt Taylors muss Blah das am Boden zerstörte westafrikanische Land wieder aufrichten. Auch wenn an seinen Händen reichlich Blut klebt: Ein anderer Politiker mit Einfluss und Durchsetzungsvermögen steht Liberia nicht zur Verfügung.

Gemeinsame Zeit in libyschen Guerillalagern

In libyschen Guerillalagern in den späten 80er Jahren begann die gemeinsame Zeit von Blah und Taylor. Drei Jahre wurden sie dort zusammen ausgebildet. Blah gehörte zu den ersten 200 Rebellen, die von der Elfenbeinküste aus nach Liberia eindrangen und den Aufstand gegen den damaligen Präsidenten Samuel Doe starteten. Dessen Soldaten hatten zuvor bei einem ethnisch motivierten Massaker Blahs erste Frau getötet. Der folgende Krieg dauerte bis 1986, kostete 100.000 Liberianer das Leben und trieb das einst wohlhabende Land in den Ruin.

Im Krieg war Blah ein gefürchteter General. Danach machte ihn Taylor, der inzwischen wegen Kriegsverbrechen angeklagt ist, zunächst zum Generalinspekteur für Disziplinarangelegenheiten: Blah war somit für die Exekutionen von Regimegegnern verantwortlich.

Afrikanische Gewänder statt Armeeuniform

Doch die wilde Zeit hat der 56-Jährige hinter sich gelassen - zumindest äußerlich. Die Armeeuniform tauschte er gegen weite afrikanische Gewänder ein. Die bewaffneten Sicherheitsleute, die ihn seit seinem Amtsantritt als Vizepräsident vor drei Jahren stets begleiten, beäugt er argwöhnisch. Und während sich andere Regierungsmitgliedern mit protzigen Eskorten durch Monrovia chauffieren lassen, fährt Blah seinen Jeep selbst durch die zerstörte Hauptstadt.

Der ausgebildete Mechaniker ist schon weit herumgekommen: Als Student reiste er durch Deutschland, als Verhandlungsführer von Taylors Bewegung war er vor allem auf dem afrikanischen Kontinent unterwegs, nach dem Krieg wurde er Botschafter in Tunesien und Libyen. Ein Porträt des libyschen Staatschefs Muammar el Gaddafi hängt auch im Empfangszimmer von Blahs großzügigem Haus am östlichen Stadtrand Monrovias - neben Schnappschüssen von seiner Frau und seinen zehn Kindern.

Rebellenführer lehnen Blah ab

Am Donnerstag habe Taylor ihn angerufen, sagt der Präsident in spe. "Taylor sagte, er hoffe, dass ich zurechtkomme. Sehr viele Leute würden leiden." Das liberianische Parlament akzeptierte am selben Tag Taylors Rücktrittsentscheidung, und offiziell hat der zweite Anwärter auf dessen Amt, der Präsident des Abgeordnetenhauses Nyundueh Monkomana, Blah als künftigen Regierungschef akzeptiert. Blah hat nicht nur die Unterstützung der Armee, er hat auch mehr politische Macht als Monkomana, der sich gegen hartnäckige Korruptionsvorwürfe wehren muss.

Doch nicht Parlament und Militär sind für den Erfolg Blahs allein entscheidend, sondern die Rebellen, die seit drei Jahren versuchen, Taylor zu stürzen. Bislang lehnen die Führer der Rebellenbewegung Blah energisch ab. Sie fordern die Ernennung eines neutralen Übergangspräsidenten, der weder aus ihren noch aus den Reihen der bisherigen Regierung stammt. Der Gefahr bewusst, streckt Blah den Aufständischen seine Hand entgegen. "Last die Vergangenheit ruhen", sagte er Anfang der Woche. "Macht ist dazu da, sie zu teilen." Er sprach sich auch für eine Rückkehr der Liberianer aus, die im vorherigen Krieg das Land verlassen mussten. "Dies ist unser Land. Es gibt gut ausgebildete Liberianer im Ausland, deren Beitrag wir jetzt brauchen."

"Ich bin müde"

Zudem beteuerte er, nur die Ordnung wiederherstellen zu wollen und darüber hinaus keine politischen Ambitionen zu hegen. Er wolle lediglich bis zum Ablauf von Taylors regulärer Amtsperiode regieren, die nach Ansicht des Taylor-Lagers im Januar endet. "Ich bin müde", gestand die große Hoffnung Liberias und sank auf seinem schwarzen Ledersofa zusammen. "Ich brauche eine Pause. Ich will mich auf meinen Landsitz zurückziehen und mit meinen Enkeln spielen."

Alexandra Zavis