Myanmar Inseln des Glücks


Tausende Kinder in Myanmar haben bei dem Zyklon Eltern und Geschwister verloren. Viele leiden an Fieber, Durchfall oder Atemwegserkrankungen. Jetzt kann zumindest einem Teil von ihnen geholfen werden. Die internationale Hilfsorganisation World Vision hat 37 Kinder-Betreuungszentren im Katastrophengebiet eröffnet.
Von Manuela Pfohl

Ein großes Zelt, eine Wiese, ein Fußball, Stifte und Papier. Für die Flüchtlingskinder in Hlaing Thar Yar ist das Kinderbetreuungszentrum von World Vision eine Insel des Glücks mitten im Chaos. Die Chance, vielleicht für ein paar Stunden fröhlich zu sein und zu vergessen, was ihnen passiert ist, seit am 2. Mai der Zyklon "Nirga" über Myanmar fegte und ihnen ihr Zuhause und oft auch ihre Familien nahm.

Insgesamt 37 solcher Inseln hat die Kinderhilfsorganisation jetzt in den Katastrophengebieten eingerichtet. 17 gibt es in der Millionenstadt Rangun, 20 in Hlaing Thar Yar. Betreut werden je Projekt bis zu hundert Mädchen und Jungen, vom Kleinkind bis zum Jugendlichen. "Wir wollen vor allem denjenigen Schutz und Unterstützung geben, die ihre Eltern durch den Zyklon verloren haben oder deren Familien vermisst werden", erklärt World Vision-Sprecher Jürgen Pothmann.

Suche nach Angehörigen

Bereits am Wochenende hatte Unicef die ersten sechs Kinderschutzzonen in Lagern in den Orten Latputta und in Hlaing Thar Yar eingerichtet. In den nächsten Tagen sollen mehrere tausend Kinder versorgt werden. In Latputta haben Unicef-Mitarbeiter außerdem mit der Registrierung von unbegleiteten Kindern begonnen und bereiten die Suche nach Angehörigen vor.

Auch in einem Kloster im Bezirk Dala igibt es inzwischen eine Kinderschutzzone eingerichtet worden. Unicef hilft dort auch bei der Einrichtung einer mobilen Klinik und sanitärer Einrichtungen. Nach Informationen von Unicef halten sich hier fast 4.000 Menschen unter schwierigsten Bedingungen auf; etwa 1.000 davon sind Kinder.

Viele Kinder irren umher

Tausende Mädchen und Jungen sind laut Schätzung der internationalen Hilfsorganisationen durch den Zyklon von ihren Eltern und Geschwistern getrennt worden. Die meisten irren irgendwo umher. Andere hausen unter katastrophalen Bedingungen in den hastig und notdürftig eingerichteten Flüchtlingslagern.

Noch gibt es kaum unabhängige Beobachter, die aus den Krisengebieten berichten können, vieles bleibt deshalb im Verborgenen. "Wir können oft nur ahnen, was wirklich los ist", sagt Alexander Richter, der für die Johanniter in Rangun ist.

Rare Informationsquellen

World Vision gehört zu den wenigen internationalen Hilfsorganisationen, die schon jahrelang in der Region arbeiten und deshalb auch im Katastrophengebiet Helfer vor Ort haben. Sie gehören zu den raren westlichen Informationsquellen, die Einblicke in die Situation der Menschen jenseits der Hauptstadt Rangun geben können.

In ihren Betreuungszentren versucht die Organisation Hilfe zu leisten, so gut es unter den schwierigen Bedingungen geht. Hier können die oft schwer traumatisierten Kinder tagsüber spielen, sie bekommen etwas zu essen, frische Kleidung und sie finden Betreuer, die ihnen zuhören, wenn sie von ihren schrecklichen Erlebnissen berichten. Die sie in den Arm nehmen, wenn die Verzweiflung zu groß wird und die sich um medizinische Hilfe kümmern.

World Vision-Sprecher Pothmann: "Darüber hinaus ist es jetzt wichtig, diese Kinder zu registrieren und zu beginnen, nach ihren Familien zu suchen." World Vision hat für diese Aufgabe extra lokale Mitarbeiter geschult.

Noch gibt es allerdings unzählige Kinder, die keine Hilfe bekommen und deren Leben akut gefährdet ist. Am Wochenende waren Erkundungsteams aus dem verwüsteten Gebiet des Irrawaddy-Flussdeltas zurückgekehrt und hatten insbesondere auf die dramatische Situation von Kindern hingewiesen. "Sie haben kaum zu essen und zu trinken und leben in Notunterkünften unter katastrophalen Bedingungen", berichtet ein World Vision-Helfer. "Einige Kinder leiden unter Fieber, Durchfall und Atemwegserkrankungen. Es besteht Seuchengefahr in den Gegenden, und da sind Kinder besonders anfällig."

Suppenküchen sollen helfen

Um wenigstens die Versorgung mit Nahrung für diejenigen Flüchtlingskinder etwas zu verbessern, die keinen Unterschlupf in Hilfsprojekten finden können, hat die internationale Hilfsorganisation ADRA jetzt begonnen, 54 Suppenküchen einzurichten. "Damit können wir bis zu 5400 Menschen mit Nahrung versorgen", berichtet ADRA Deutschland-Sprecher Heinz Hartmut Wilfert.

Problematisch sei allerdings, dass die Vorräte der Organisation vor Ort langsam zur Neige gingen und kaum Nachschub in die Krisengebiete gelange. Da, wo die Hilfsorganisationen die Menschen nicht mehr mit Nahrung und Wasser versorgen könne, bliebe nur der freie Markt. "Das hat dazu geführt, dass viele Lebensmittel sich radikal verteuert haben und gerade die Schwachen, die Obdachlosen und die Kinder sich kaum noch etwas zu essen leisten können."Wenn da nicht bald etwas geschieht, werden wir ein Drama unvorstellbaren Außmaßes erleben, dessen Opfer vor allem Kinder sein werden", fürchtet Wilfert.

World Vision und ADRA sind Mitglieder im Bündnis der "Aktion Deutschland Hilft", in dem sich zehn Organisationen zusammengeschlossen haben, um Hilfe für Myanmar zu bündeln.


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