VG-Wort Pixel

Nach dem Atomtest Nordkorea ohne funktionierendes Trägersystem


Trotz internationaler Warnungen hat Nordkorea am Dienstag den dritten Atomtest in der Geschichte des Landes vorgenommen. Offiziellen Angaben zufolge erfolgte der Test unterirdisch.

Ist Nordkorea offiziell eine Atommacht?

Noch nicht. Zwar bezeichnet sich das Land seit vergangenem Jahr in seiner Verfassung selbst als Atommacht. Außerdem nahm Nordkorea bereits 2006 und 2009 Atomwaffentests vor. Das kommunistisch regierte Land ist also im Besitz von Nuklearwaffen, allerdings ist bislang nicht bewiesen, dass es auch über ein funktionierendes Trägersystem - etwa Interkontinentalraketen oder U-Boote - dafür verfügt. Nordkorea war zudem bislang nicht in der Lage, einen Sprengkopf herzustellen, der atomar bestückt und auf einer Rakete platziert werden kann.

Wie ist der Raketentest vom Dezember zu bewerten

Mitte Dezember schoss Nordkorea eine Langstreckenrakete ab - nach offiziellen Angaben, um einen Beobachtungssatelliten zur Forschung ins All zu befördern. Der Westen vermutete dahinter aber einen unzulässigen Raketentest für das Atomprogramm, der UN-Sicherheitsrat verhängte daher Sanktionen. Der Test gilt als Fortschritt und zeigte, dass Nordkorea ein Objekt ins All befördern kann. Jedoch kann es nicht zur Erde zurückgebracht werden. Experten zufolge ist Nordkorea von einer funktionierenden Interkontinentalrakete noch Jahre entfernt.

Welchem Ziel dient der dritte Atomtest?

Nordkorea hatte einen Test "auf hohem Niveau" angekündigt, was Experten vermuten ließ, dass es sich im Gegensatz zu den früheren Atomtests, bei denen Plutonium verwendet wurde, diesmal um einen Test mit hoch angereichertem Uran handeln könnte. Experten gehen davon aus, dass Nordkorea seit Jahren heimlich waffenfähiges Uran anreichert. Entscheidend wird sein, wie weitreichend und technisch fortgeschritten der Test war. Sollte sich herausstellen, dass Nordkorea waffenfähiges Uran herstellen kann, dürften die Alarmglocken schrillen.

Wo wurde der Test vorgenommen?

Die Tests 2006 und 2009 fanden auf dem im Nordosten gelegenen Teststützpunkt Punggye Ri statt. Dort wurde auch das "künstliche Erdbeben" vom Dienstag registriert. Das abgelegene bergige Gelände liegt rund hundert Kilometer von der Grenze zu China entfernt und verfügt über drei Testtunnel - von denen zwei 2006 und 2009 verwendet wurden. Die Anlage wurde von Spionage-Satelliten eingehend beobachtet und dokumentiert, insbesondere in den vergangenen Wochen.

Welche Konsequenzen wird der neuerliche Test haben?

Ein Atomtest Nordkoreas gibt immer Anlass zur Sorge. Der Test wird genau ausgewertet werden, allerdings dürfte ein gut ausgeführter unterirdischer Test nur wenig Hinweise liefern, um die Angaben Nordkoreas zu bestätigen oder zu widerlegen. Angesichts eines fehlenden Trägersystems dürfte der Test das militärische Gleichgewicht in der Region kurzfristig nicht gefährden. Allerdings sagen Beobachter, dass es schwieriger wird, Nordkorea von seinem Atomprogramm abzubringen, je weiter dieses voranschreitet. Mit dem jüngsten Test schwinden zugleich die Hoffnungen auf eine Wiederaufnahme der Atomgespräche.

Welche Reaktion ist von der Uno zu erwarten?

Bereits kurz nach den ersten Berichten über die Explosion vom Dienstag erklärten Diplomaten, dass der UN-Sicherheitsrat zusammenkommen werde. In der UN-Resolution zur Verurteilung des Raketentests vom Dezember war bereits von "entschiedenen Maßnahmen" die Rede, sollte Nordkorea tatsächlich einen neuen Atomtest vornehmen. China drohte Nordkorea mit einer Reduzierung der Wirtschaftshilfen, allerdings weiß auch Peking, dass seine Druckmittel beschränkt sind. Zu befürchten ist eine Destabilisierung der Region mit unvorhersehbaren Folgen.

Von Giles Hewitt, AFP AFP

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker