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Nach den Terroranschlägen: Indien verschärft Ton gegen Pakistan

Die USA und Indien haben Pakistan gemeinsam aufgefordert, an der Aufklärung der Terroranschläge von Mumbai aktiv mitzuarbeiten. Indiens Außenminister hat "keine Zweifel", dass die Drahtzieher in Pakistan sitzen. Das ohnehin angespannte Verhältnis der beiden Atommächte ist zusätzlich ernsthaft belastet.

Eine Woche nach der Terrorserie von Mumbai verschärft Indien den Ton gegenüber dem Nachbarland Pakistan. Der indische Außenminister Pranab Mukherjee sagte am Mittwoch nach einem Treffen mit seiner amerikanischen Amtskollegen Condoleezza Rice in Neu Delhi: "Die indische Regierung ist entschlossen, entschieden zu handeln, um die territoriale Integrität Indiens und das Recht unserer Bürger auf ein friedliches Leben mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln zu schützen." Rice drängte ihrerseits Pakistan dazu, umfassend bei der Aufklärung der Anschlagserie in der indischen Metropole mitzuwirken.

"Jetzt ist es an der Zeit, dass alle zusammenarbeiten und dass dies transparent geschieht, und es ist besonders für Pakistan an der Zeit", sagte die aus dem Amt scheidende Außenministerin in Neu Delhi. Pakistan müsse rasch und entschlossen handeln und seinen Beitrag dazu leisten, die Verantwortlichen vor Gericht zu bringen. Sie werde die pakistanische Regierung mit ihrer Zusage beim Wort nehmen, die Hintergründe der Anschlagserie vollständig aufzuklären, sagte Rice, die angeblich auch noch in Pakistan zu Gesprächen erwartet wird.

Dort ist bereits der US-amerikanische Generalstabschef Mike Mullen zu Gesprächen mit Regierung und Militär eingetroffen . Auch Mullen rief Pakistan zu aktiver Aufklärung und entschlossenem Kampf gegen Extremisten nicht nur in den Stammesgebieten zu Afghanistan auf. Die Vereinigten Staaten befürchten auch eine Schwächung des Kampfs gegen die Taliban und al-Kaida im Grenzgebiet zu Afghanistan, falls Pakistan von dort wegen der Krise Truppen abzieht.

"Kein Zweifel" an Verstrickung Pakistans

Es gebe keinen Zweifel daran, dass die Terrorangriffe "von Individuen aus Pakistan ausgeführt worden, deren Aufseher in Pakistan sind", äußerte Indiens Außenminister Mukherjee eindeutige Vorwürfe gegen die Regierung in Islamabad. Indien und die USA verdächtigen konkret die in Pakistan ansässige radikalislamische Rebellengruppe Lashkar-e-Taiba, hinter der Anschlagsserie mit 188 Todsopfer zu stecken. Nach indischer Darstellung gibt es Beweise für die Verwicklung des Nachbarlandes in die Terroranschläge. Dazu sollen Transkripte von Telefongesprächen, die Verbindungen zwischen den zehn Terroristen und "ihren pakistanischen Anführern" aufzeigten, berichtete ein ranghoher Regierungsmitarbeiter der Nachrichtenagentur AFP.

Mukherjee warnte, ohne entschlossenes Handeln Pakistans sei der 2004 begonnene Friedensprozess zwischen den Nachbarländern gefährdet. "Natürlich ist die Atmosphäre beeinträchtigt", sagte er dem Fernsehsender CNN/IBN. "Jeder Inder fühlt sich verletzt. Ist das eine zuträgliche Atmosphäre?"

Pakistan weist Indiens Vorwürfe zurück

Der pakistanische Präsident Asif Ali Zardari sagte dagegen in einem Interview mit CNN, er habe starke Zweifel, ob der einzige überlebende Attentäter von Mumbai - wie von Indien behauptet - Pakistaner sei. Dafür lägen ihm bisher keine belastbaren Beweise vor. Zardari wandte sich auch gegen die von Indien als Geste des guten Willens geforderte Auslieferung von 20 mutmaßlich in Pakistan lebenden Verdächtigen im Zusammenhang mit früheren Anschlägen. Wenn es Beweise gegen sie gebe, werde sein Land die Verdächtigen selbst vor Gericht stellen und bestrafen.

Im Mumbai gibt es unterdessen Großdemonstrationen. Viele Bewohner werfen den Behörden vor, im Vorfeld und während der Anschläge versagt zu haben. Die Regierung von Ministerpräsident Manmohan Singh steht deshalb vor einer bis spätestens Mai anstehenden Wahl unter Druck, ihre Härte in der Sicherheitspolitik zu demonstrieren. Für kurzzeitige Aufregung sorgte in Mumbai der Fund einer Tasche mit acht Kilogramm Sprengstoff am Hauptbahnhof, der ebenfalls zu den Zielen der Extremisten gehört hatte. Die Tasche stamme noch von den Anschlägen in der vergangenen Woche, teilte die Polizei mit.

DPA/Reuters/AFP / DPA / Reuters