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Schüsse auf Jacob Blake "Wir müssen heilen": Nach Trump besucht auch Biden US-Stadt Kenosha

Sehen Sie im Video: Joe Biden spricht in Videobotschaft über Jacob Blake.




"Was ich in dem Video gesehen habe, macht mich krank. Erneut wurde ein schwarzer Mann, Jacob Blake, von der Polizei am helllichten Tag niedergeschossen, vor den Augen der gesamten Welt."


Der demokratische US-Präsidentschaftskandidat Joe Biden äußert sich zum Fall Jacob Blake.


Der Afroamerikaner ist am 23. August 2020 in Kenosha im US-Bundesstaat Wisconsin von der Polizei niedergeschossen worden.


Blake liegt mit Organverletzungen im Krankenhaus. Seine Familie gibt an, dass er von der Hüfte abwärts gelähmt sei.


"Unsere Herzen sind bei seiner Familie, besonders bei seinen Kindern. Es ist furchtbar, was sie gesehen haben. Anzusehen, wie ihr Vater vor ihren Augen niedergeschossen wurde. Wie Giana Floyd fragen sie: 'Warum? Warum Papa?‘ Versetzt euch in die Lage jedes schwarzen Vaters und jeder schwarzen Mutter in diesem Land und fragt: 'Ist das, wie wir Amerika haben wollen? Ist das das Land, das wir sein sollten?‘"


Nach den Schüssen auf Blake war es vor Ort zu gewaltsamen Protesten gekommen. Biden findet in seiner Videobotschaft klare Worte dazu:


"Gegen Gewalt zu protestieren, ist ein Recht und absolut notwendig. Doch Gemeinden niederzubrennen, ist kein Protest, es ist unnötige Gewalt. Gewalt, die Leben gefährdet. Gewalt, die Geschäfte zerstört und ruiniert, die der Gemeinde dienen. Das ist falsch."


Mit seinen Aussagen stellt sich Biden auch gegen das Bild, das Donald Trump im Wahlkampf von ihm zeichnet.


Laut Trumps Wahlkampfteam habe Biden sich zuvor bei Protesten in Portland auf "die Seite der Kriminellen" gestellt.


"Die weisesten Worte, die ich bisher gehört habe, kommen von Julia Jackson, Jacobs Mutter. Sie sah sich den Schaden an, der in ihrer Gemeinde angerichtet wurde, und sagte: 'Das spiegelt weder meinen Sohn noch meine Familie wieder.‘ Also lasst uns zusammenkommen und heilen, der Gerechtigkeit Genüge tun, die Gewalt beenden und systemischen Rassismus in diesem Land jetzt beenden.“
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Die Stadt Kenosha wird nach den Schüssen auf Jacob Blake, Protesten und Krawallen zum Schauplatz im US-Wahlkampf. Erst traf Donald Trump dort Sicherheitskräfte und Unternehmer. Jetzt will Joe Biden zeigen, dass er besser einen kann.

Nach dem umstrittenen Besuch von US-Präsident Donald Trump in Kenosha reist auch sein Herausforderer Joe Biden in die von Unruhen bei Protesten gegen Rassismus erschütterte Stadt. "Mein Ziel wird sein, einen positiven Einfluss auf das Geschehen zu haben", sagte Biden vor dem Besuch am Donnerstag. "Wir müssen heilen."

Der Präsidentschaftskandidat der oppositionellen Demokraten wird die Stadt im Bundesstaat Wisconsin gemeinsam mit seiner Ehefrau Jill besuchen. Der frühere Vizepräsident will dabei das Gespräch mit Bewohnern Kenoshas suchen und auch die Familie des durch sieben Polizeischüsse in den Rücken schwer verletzten Afroamerikaners Jacob Blake treffen.

Joe Biden fordert Anklage des Schützen

Die Proteste in Kenosha waren von den Schüssen auf den 29 Jahre alten Blake ausgelöst worden. Trump hatte sich dort am Dienstag mit Vertretern von Sicherheitsbehörden sowie Unternehmern getroffen, die von den Krawallen betroffen waren. Ein Treffen mit Blakes Familie gab es nicht.

Biden sagte vor seiner Reise auch, der Polizist, der auf Blake schoss, sollte seiner Ansicht nach angeklagt werden - auch wenn letztlich die Ermittlungen ihren Weg gehen müssten. Justizminister William Barr kritisierte daraufhin in einem CNN-Interview, es sei "unangemessen", sich dafür auszusprechen, bevor die Untersuchungen abgeschlossen seien. Barr selbst sagte zugleich ohne weitere Details, Blake sei dabei gewesen, ein Verbrechen zu begehen, und sei bewaffnet gewesen. 

Trump reiste nach Kenosha, obwohl sich der Bürgermeister der Stadt und der Gouverneur des Bundesstaates Wisconsin, die beide der Demokratischen Partei angehören, gegen einen Besuch des Republikaners ausgesprochen hatten. Bürgermeister John Antaramian hatte ursprünglich auch Biden aufgerufen, mit einer Reise zu warten, nahm dies aber nach Trumps Besuch wieder zurück.

Donald Trump macht Ausschreitungen zu Kernthema

Auf Fernsehbildern von Trumps Treffen in der Stadt waren weder der Bürgermeister noch Gouverneur Tony Evers zu sehen - dafür aber Polizeichef Daniel Miskinis und Sheriff David Beth, die dem Präsidenten für die Unterstützung dankten. Trump hatte Sicherheitskräfte der Bundesregierung nach Kenosha entsandt, nachdem der Gouverneur bereits die Nationalgarde aktiviert hatte.

Trump hat Gewalt am Rande von Protesten - speziell in von Demokraten regierten Städten - zu einem zentralen Thema in seinem Wahlkampf gemacht. Zugleich weigerte er sich, Gewalt durch seine Anhänger zu verurteilen. So sagte der Präsident zu einem Video aus der Stadt Portland, auf dem zu sehen war, wie aus einem Autokorso von Trump-Befürwortern mit einem Paintball-Gewehr auf Demonstranten geschossen wird: "Farbe ist keine Munition."

Trump hatte die Debatte über seinen Besuch noch angeheizt, indem er am Montag einen 17-jährigen Weißen verteidigte, der am Rande der Proteste in Kenosha zwei Menschen erschoss. Das waren die beiden einzigen Todesopfer während der Proteste in Kenosha. Trump gab zu bedenken, Demonstranten hätten den Teenager "sehr gewalttätig" attackiert und er "wäre wohl getötet worden", hätte er sich nicht zur Wehr gesetzt. 

Ein Video von Augenzeugen zeigt, wie der mit einem Gewehr bewaffnete Schütze vor Demonstranten wegrennt. Das war bereits, nachdem er einen Mann tödlich verletzt hatte. Auf dem Video ist zu sehen, wie Leute versuchen, ihn zu stoppen. Er stürzt und erschießt einen Mann, der nach seinem Gewehr zu greifen scheint. Der 17-Jährige wurde wegen zweifachen Mordes angeklagt, sein Anwalt spricht von Selbstverteidigung.

Auf dem Video ist auch zu sehen, dass der Schütze danach mit erhobenen Händen auf herannahende Polizeifahrzeuge zugeht - die an ihm vorbeifahren. Er wurde erst am Tag darauf im benachbarten Bundesstaat Illinois festgenommen. Das löste Kritik unter anderem von Blakes Vater aus, der von "zwei Justizsystemen" in Amerika sprach.

mad DPA AFP

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