Nach US-Waffenverkauf an Taiwan China testet erfolgreich Raketenabwehrsystem


Premiere für die Volksrepublik: China hat ein eigenes Raketensystem getestet. Der Versuch, der nur wenige Tage nach Bekanntwerden eines Waffengeschäfts zwischen Taiwan und den USA erfolgte, diene der Verteidigung und sei gegen kein Land gerichtet, so das Außenministerium in Peking.

China hat nach eigenen Angaben erfolgreich ein neues Raketenabwehrsystem getestet. Eine vom Boden abgeschossene Rakete sei in der Luft abgefangen worden, der Test sei "rein defensiver Natur" gewesen und habe sein Ziel erreicht, teilte Außenamtssprecherin Jiang Yu am Dienstag mit. Die englischsprachige chinesische Tageszeitung "Global Times" sprach von einer Premiere für die Volksrepublik.

Das Blatt berichtete unter Berufung auf den Rüstungsexperten Yang Chengjun, mit dem Test beginne China eine "neue Phase in der Technologie zum Abfangen von Raketen". Bisher verfügen nur sehr wenige Staaten über eine solche Technologie. China benötige "verbesserte Fähigkeiten und mehr Mittel zur militärischen Verteidigung", weil die Sicherheit des Landes zunehmend bedroht sei.

Der Test erfolgte nur eine Woche nach der Ankündigung der USA, dass das Pentagon den Verkauf eines verbesserten Patriot-Raketenabwehrsystems über den Rüstungskonzern Lockheed Martin an Taiwan gebilligt habe. Mit den Patriot-Raketen könnten Experten zufolge chinesische Kurz- und Mittelstreckenraketen abgeschossen werden. Laut einer von der "Global Times" gestarteten Online-Umfrage befürworteten 98,8 Prozent der Teilnehmer die Weiterentwicklung des chinesischen Raketenabwehrsystems.

China protestierte am Wochenende heftig gegen das Rüstungsgeschäft und behielt sich das Recht vor, Gegenmaßnahmen zu ergreifen, die nicht näher benannt wurden. Peking hatte die USA bereits früher wiederholt aufgefordert, sämtliche Waffenlieferungen an Taiwan einzustellen. Die Volksrepublik China betrachtet die dem Festland vorgelagerte Insel seit der Revolution von 1949 als abtrünnige Provinz und strebt eine Wiedervereinigung zu seinen Bedingungen an. Taiwan lehnt das strikt ab.

Laut dem Jahresbericht 2008 des Internationalen Friedensforschungsinstituts SIPRI rückte China im Vorjahr im Vergleich der Militärausgaben weltweit erstmals auf den zweiten Platz hinter den unangefochten an der Spitze liegenden USA. Peking erklärt, dass der Großteil seiner Militärausgaben der Verbesserung der Lebensbedingungen der 2,3 Millionen Männer und Frauen diene, die in der Volksbefreiungsarmee, der zahlenmäßig stärksten Armee der Welt, ihren Dienst tun. 2007 hatte China bei einem Raketentest gezielt einen eigenen Satelliten abgeschossen und damit die USA verärgert.

AFP AFP

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