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Nach Zelaya-Rückkehr: Regierung in Honduras verlängert Ausgangssperre

Wenige Stunden nach der Rückkehr des gestürzten Präsidenten Manuel Zelaya hat sich die Situation in Honduras zugespitzt. Die Regierung verlängerte eine Ausgangssperre, errichtete Straßensperren und drohte mit dem Einsatz von Polizei und Armee. Tausende Anhänger feierten Zelaya vor der brasilianischen Botschaft.

Nach der Rückkehr des gestürzten Präsidenten Manuel Zelaya spitzt sich die Lage in Honduras immer weiter zu. Ungeachtet einer Ausgangssperre feierten tausende Menschen in der Hauptstadt Tegucigalpa vor der brasilianischen Botschaft, wo Zelaya Zuflucht gesucht hatte. Die Behörden dehnten daraufhin die Ausgangssperre auf 26 Stunden aus, schlossen den internationalen Flughafen und errichteten Straßensperren. Im Viertel, wo sich die brasilianische Botschaft befindet, wurde vorübergehend der Strom abgestellt.

Die Übergangsregierung um Präsident Roberto Micheletti hatte wiederholt angekündigt, Zelaya werde im Falle einer Rückkehr verhaftet. Als Reaktion auf dessen Einreise verhängte die Regierung zunächst eine Ausgangssperre von 15 Stunden, die später auf 26 Stunden verlängert wurde. Armee und Polizei seien bereit, für die Sicherheit des Volks zu sorgen, hieß es außerdem.

Straßensperren blockieren den Weg in die Hauptstadt

Verteidigungsminister Lionel Sevilla erklärte, alle Flüge nach Tegucigalpa seien bis auf weiteres ausgesetzt. Der stellvertretende Innenminister des Landes, Mario Perdomo, erklärte, man habe Straßensperren auf den Zufahrtsstraßen nach Tegucigalpa errichtet, um zu verhindern, dass Anhänger Zelayas in die Hauptstadt kämen und dort "Ärger machen".

Zugleich forderte die honduranische Interimsregierung Brasilien dazu auf, Zelaya an sie auszuliefern. Interims-Präsident Roberto Micheletti versicherte am Montagabend im Fernsehen, Zelaya, dem unter anderem Verfassungsbruch vorgeworfen wird, werde ein fairer Prozess mit allen Rechten gemacht.

Micheletti sagte weiter, die Anwesenheit Zelayas in Honduras werde nichts daran ändern, dass die nächsten Präsidentenwahlen wie geplant am 29. November abgehalten würden. Es gebe nur zwei Möglichkeiten, weshalb Zelaya zurückgekehrt sei: Entweder er wolle sich freiwillig der Staatsanwaltschaft stellen, oder er habe vor, den Wahlprozess zu stören. "Die Lage in Honduras ist ruhig, es herrscht das Gesetz", sagte Micheletti.

US-Außenministerin Clinton versucht zu schlichten

Zelaya kündigte an, er wolle Kontakt mit der Übergangsregierung aufnehmen, um Verhandlungen über eine Lösung für die gegenwärtige Situation zu finden. Seine Landsleute rief er zu friedlichem Protest auf. Die Armee warnte er vor Übergriffen. "Das ist der Moment für eine Versöhnung", sagte er.

Zelaya war am 28. Juni mit Waffengewalt aus seinem Amtssitz vertrieben und gezwungen worden, ins Ausland zu gehen. Die meisten ausländischen Regierungschefs haben sich für eine Wiedereinsetzung des gestürzten Präsidenten ausgesprochen. US-Außenministerin Hillary Clinton rief nach der Rückkehr Zelayas beide Seiten auf, an einer friedlichen Lösung zu arbeiten. "Es ist ein Gebot, dass Gespräche beginnen", sagte sie. Die amerikanische Regierung, die bislang enge Verbindungen zu dem mittelamerikanischen Land gepflegt hat, hatte nach der Absetzung Zelayas gedroht, das Ergebnis möglicher Neuwahlen nicht anzuerkennen.

DPA/AP/ / AP / DPA