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Nahost: Gewalt in Gaza nimmt kein Ende

Militante Palästinenser haben Raketen und Mörsergranaten auf jüdische Siedlungen im besetzten Gazastreifen abgeschossen. Israel teilte daraufhin den Gazastreifen in drei Teile.

Die israelische Armee hat den Gazastreifen am Freitagmorgen nach palästinensischen Angaben durch Straßensperren wieder in drei Teile geteilt. Ein Armeesprecher konnte die Aktion zunächst nicht bestätigen. Zuvor hatten militante Palästinenser vom Norden des Gebiets aus innerhalb von zwölf Stunden sechs Kurzstreckenraketen auf die israelische Stadt Sderot östlich des Gazastreifens gefeuert. Im Süden schossen Extremisten mehr als ein Dutzend Mörsergranaten auf jüdische Siedlungen ab.

Raketen und Mörsergranaten auf jüdische Siedlungen

Zwei der Kassam-Raketen seien auf einem Feld nahe dem Kibbuz Nir-Am eingeschlagen, sagte ein Militärsprecher. Eine dritte Rakete habe ein Haus in der Stadt Sderot beschädigt. Die vierte Rakete schlug den Angaben zufolge ebenfalls in Sderot ein. Zu den Militäraktionen bekannte sich die Hamas.

Führende palästinensische Politiker warfen Israel vor, mit dem tödlichen Angriff auf Abu Schanab die Bemühungen der Autonomiebehörde um ein Ende der Gewalt torpediert zu haben. Die palästinensische Regierung habe bereits an Einzelheiten eines Plans gearbeitet, um die Waffenruhe zu retten und die militanten Gruppen unter Kontrolle zu bringen, erklärte ein Sprecher von Sicherheitschef Mohammad Dahlan am Donnerstag. Der Tod Abu Schanabs habe die Pläne jedoch zum Erliegen gebracht. Die Autonomiebehörde habe zuvor die USA, Ägypten und Jordanien über ihr Vorhaben in Kenntnis gesetzt, sagte Elias Sananiri. Auch Israel habe seiner Information zufolge davon gewusst.

Rache für Tötung des Hamas-Führers

Die israelische Armee hatte am Donnerstagmittag den Hamas-Führer Schanab mit einem Raketenangriff in Gaza getötet. Dabei kamen auch zwei seiner Leibwächter ums Leben. Einer von ihnen war der Schwiegersohn des geistlichen Führers der Hamas, Scheich Achmed Jassin. Die Hamas und die radikale Dschihad-Organisation erklärten daraufhin ihre befristete, einseitige Waffenruhe für beendet.

Die israelische Armee ihrerseits hatte die Tötung von Abu Schanab mit dem jüngsten palästinensischen Selbstmordanschlag in Jerusalem begründet, zu dem sich die radikale Gruppe bekannt hatte.

Zur Beisetzung der Männer werden an diesem Freitag Proteste zehntausender Demonstranten gegen Israel und den palästinensischen Ministerpräsidenten Mahmud Abbas erwartet.

Israelische Armee rückt erneut in Dschenin ein

Die zweite Nacht in Folge rückten am Donnerstagabend israelische Truppen in Dschenin ein. Etwa ein Dutzend gepanzerte Fahrzeuge seien in die Stadt im Westjordanland vorgestoßen, berichteten Augenzeugen und palästinensische Sicherheitskräfte. Bereits in den frühen Stunden hatte die israelische Armee in den Städten Dschenin und Nablus nach militanten Palästinensern gesucht.

Die israelischen Soldaten suchen in Dschenin offenbar nach militanten Extremisten. Bereits in der Nacht zum Donnerstag waren Soldaten mit Panzern und Schützenpanzern in die Städte Nablus und Dschenin eingerückt und hatten eine Reihe von Häusern durchsucht. Aus israelischen Militärkreisen verlautete, die Soldaten suchten nach Bombenwerkstätten und fahndeten nach militanten Palästinensern.

Powell warnt vor Zusammenbruch des Nahost-Friedensprozesses

Angesichts der neuen Eskalation der Gewalt im Nahen Osten hat US-Außenminister Colin Powell vor einem Zusammenbruch des Friedensprozesses gewarnt.

Powell rief beide Seiten dazu auf, am Friedensplan des aus den USA, Russland, der EU und den Vereinten Nationen bestehenden Nahost-Quartetts festzuhalten. Eine Fortsetzung der Gewalt würde die Kontrahenten nur auf eine Klippe führen, von der beide abstürzen würden.

Der US-Außenminister forderte besonders den palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat auf, ihm unterstellte Sicherheitskräfte dem Ministerpräsidenten Mahmud Abbas zur Verfügung zu stellen, damit dieser die Kontrolle über den gesamten Sicherheitsapparat habe. Auch UN-Generalsekretär Kofi Annan zeigte sich tief besorgt über die neue Gewalt im Nahen Osten und rief beide Seiten zur Zurückhaltung auf.