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Nahost: Israel führt Razzien durch

Israel rückt mit Truppen im Westjordanland ein und führt Razzien gegen radikale Palästinensergruppen durch. Zwei Jugendliche wurden erschossen.

Israelische Truppen rückten am Donnerstagmorgen mit Panzern in die Städte Nablus und Dschenin im Westjordanland ein und durchsuchten Häuser. In Hebron zerstörten sie das Haus der Familie des Selbstmorattentäters von Jerusalem. In Dschenin waren laut Berichten von Zeugen nach dem Einmarsch der israelischen Soldaten Schüsse zu hören. Über die Innenstadt von Nablus wurde den Angaben zufolge ein Ausgehverbot verhängt. Aus israelischen Militärkreisen verlautete, die Soldaten suchten nach Bombenwerkstätten und militanten Palästinensern. Bereits am Mittwochabend seien in der Gegend von Dschenin sechs gesuchte Palästinenser festgenommen worden.

Zwei Palästinenser erschossen

In Tulkarem im Norden des Westjordanlands erschossen Soldaten nach palästinensischen Angaben am Mittwochabend zwei jugendliche Palästinenser. Ein Gewährsmann der israelischen Armee sagte, die Soldaten seien bei der Suche nach einem verdächtigen Palästinenser beschossen worden und hätten das Feuer erwidert. Nach palästinensischen Angaben waren die Jugendlichen unbewaffnet. Bei dem Zwischenfall wurden außerdem fünf Personen verletzt.

Bereits gestern abend hatte das Sicherheitskabinett unter Ministerpräsident Ariel Scharon beschlossen, gezielt gegen palästinensische Terror-Organisationen vorzugehen. Die Aktionen sollten sich gegen die militanten Gruppen Hamas, Dschihad und Al-Aksa- Märtyrer-Brigaden richten, nicht jedoch gegen die palästinensische Autonomiebehörde, hieß es.

Am Dienstagabend hatte sich ein palästinensischer Selbstmordattentäter in einem Jerusalemer Bus in die Luft gesprengt und 20 Fahrgäste mit in den Tod gerissen. Von den mehr als 100 Verletzten lagen nach Medienberichten am Mittwoch noch 19 in Krankenhäusern. Unter den 20 Todesopfern waren 5 US-Bürger, wie die Zeitung "Haaretz" unter Berufung auf Angaben der amerikanischen Botschaft in Tel Aviv berichtete.

USA fordern hartes Vorgehen

Die USA forderten nach dem blutigen Anschlag von den Palästinensern ein hartes Durchgreifen gegen terroristische Organisationen. US-Außenminister Colin Powell telefonierte am Mittwochabend mit dem palästinensischen Ministerpräsidenten Mahmud Abbas. Informationsminister Nabil Amer sagte in Gaza, Powell habe Abbas aufgefordert, umgehend Maßnahmen zu ergreifen, um eine weitere Verschlechterung der Sicherheitslage abzuwenden. Der Sprecher des US- Außenministeriums, Richard Boucher, hatte zuvor in Washington gesagt, die Palästinenser müssten jetzt handeln. «Sie können mehr tun als bisher.»

Palästinenserführung gespalten

Abbas reiste nach einer Sitzung des Palästinenserkabinetts in Gaza nach Ramallah, um Palästinenserpräsident Jassir Arafat einen Brief von Powell zu überbringen. Nach Angaben aus gut informierten Quellen in der Palästinenserführung drohte das gesamte Kabinett mit dem Rücktritt, sollte Arafat eine Namensliste von zu verhaftenden Hamas- und Dschihad-Mitgliedern nicht akzeptieren. Ein ungenannter, hochrangiger Sicherheitsbeamter dementierte jedoch Berichte, Abbas habe Arafat ultimativ mit seinem Rücktritt gedroht.

DPA