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NAHOST: Kein Ende in Sicht

Die israelische Offensive gegen die Palästinensergebiete wird nicht so schnell beendet sein. In Dschenin gab es am Dienstag die heftigsten Kämpfe seit Beginn des Aufstandes.

Ungeachtet der schweren Rückschläge für die israelische Armee ist ein schnelles Ende der Offensive gegen die Palästinenserstädte im Westjordanland nicht in Sicht. 13 israelische Reservisten waren am Dienstag in der heftig umkämpften Stadt Dschenin in eine Falle palästinensischer Kämpfer geraten und getötet worden. Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon kündigte daraufhin an, die Armee werde die seit elf Tagen andauernde Offensive fortsetzen. Am Vortag hatte der Regierungschef unter massivem Druck der USA den Rückzug der Truppen aus den Palästinenserstädten Kalkilia und Tulkarem angeordnet.

Powell will Arafat treffen

Der in seinem Amtssitz in Ramallah eingeschlossene Palästinenserpräsident Jassir Arafat verbuchte unterdessen einen diplomatischen Erfolg. US-Außenminister Colin Powell entschloss sich nach anfänglichem Zögern, auf seiner Nahost-Reise auch mit ihm zusammenzukommen. Er habe die Absicht, neben Scharon auch »den Vorsitzenden Arafat zu treffen«, sagte er am Dienstag nach einer Begegnung mit dem ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak in Kairo. Powell führt an diesem Mittwoch Gespräche mit der spanischen EU- Ratspräsidentschaft in Madrid und wird am Freitag in Israel erwartet.

Mehrere hundert Menschen bei Kämpfen in Dschenin getötet

In Dschenin gab es am Dienstag die heftigsten Kämpfe seit Beginn der israelischen Offensive. Nach palästinensischen Angaben wurden dabei hunderte Menschen getötet und verletzt. Der US- Nachrichtensender CNN berichtete, seit Beginn des israelischen Einmarsches in Dschenin am 2. April seien schätzungsweise 150 Palästinenser und 22 israelische Soldaten umgekommen.

Am Dienstagmorgen waren ein israelisches Kommando in der Stadt in einen Hinterhalt geraten. Palästinenser zündeten mehrere Bomben und feuerten dann von Hausdächern auf die Israelis. Insgesamt 13 Reservisten seien getötet und fünf verletzt worden, sagte ein Armeesprecher. Es war der blutigste Angriff auf die Armee seit Beginn des Aufstandes vor mehr als 18 Monaten.

Sechs Palästinenser bei Angriff auf Nablus getötet

Die israelische Luftwaffe griff am Abend Ziele in Nablus an. Nach Angaben von palästinensischen Augenzeugen feuerten F-16- Kampfflugzeuge und Hubschrauber Raketen auf die Altstadt und zwei Seifenfabriken ab. Dabei seien mindestens sechs Palästinenser ums Leben gekommen. Die beiden Seifenfabriken, in denen nach israelischer Darstellung Bomben hergestellt wurden, seien völlig zerstört worden. Vor den Luftangriffen habe die israelische Armee vergeblich versucht, in die Altstadt von Nablus vorzustoßen.

500 Palästinenser geborgen

Dem palästinensischen Roten Halbmond sei es inzwischen erlaubt worden, in die belagerten Stadt im Westjordanland zu fahren. Die Sanitäter hätten rund 500 getötete oder verwundete Palästinenser aus Nablus geborgen, verlautete aus palästinensischen Quellen.