Nahost-Konflikt Erfinder der Kassam-Raketen getötet


Israels Armee hat das führende Hamas-Mitglied Adnan al Guls in Gaza-Stadt getötet. Mit einem harten Vorgehen gegen militante Palästinensergruppen bereitet Israel den Abzug aus dem Gaza-Streifen vor.

Durch den gezielten israelischen Luftangriff auf Adnan al Ghul hat die palästinensische Hamas-Bewegung einen ihrer wichtigsten Führer verloren. Die Nummer zwei des militärischen Hamas-Flügels Issedine al Kassam gilt als Erfinder der Kassam-Raketen, die militante Palästinenser regelmäßig auf Israel abfeuern. Bei einem dieser Angriffe wurden Ende September zwei Kinder getötet, was Israel zur blutigsten Militäroffensive im Gazastreifen seit Beginn des Palästinenseraufstands vor vier Jahren veranlasste.

Zum wichtigsten Waffenexperten der Hamas wurde Al Ghul 1996, nachdem "der Ingenieur" Jehija Ajasch von den israelischen Streitkräften getötet worden war. Mitglied der Organisation war Al Ghul schon kurz nach ihrer Gründung 1988 geworden.

Katz und Maus

Auf der Liste der von Israel gesuchten Palästinenser stand der 46-Jährige seit langem ganz weit oben, bei früheren Versuchen, ihn zu töten, kamen zwei seiner Söhne ums Leben. Al Ghul selbst entging den israelischen Sicherheitskräften bis Donnerstag immer wieder, zuletzt im September 2003: Damals warf die Luftwaffe eine 250 Kilogramm schwere Bombe auf ein Haus in Gaza-Stadt ab, in dem sich die Hamas-Führung um Scheich Ahmed Jassin versammelt hatte.

Jassin wurde ein halbes Jahr später mit einem gezielten israelischen Raketenangriff getötet. Keine vier Wochen darauf wurde auch sein Nachfolger an der Spitze der Hamas, Abdel Asis Rantissi, liquidiert. Danach wurde laut israelischen Medienberichten Mahmud Sahar zum Führer der Organisation ernannt, was die Hamas jedoch nicht bestätigte. Aus Sicherheitsgründen will die Gruppe die Identität ihres Spitzenmanns geheim halten. Alleiniger Führer des militärischen Flügels Issedine al Kassam ist mit dem Tod Ghuls jetzt Mohammed Deif.

Ghul lebte seit Jahren im Untergrund. Bei einer Durchsuchung seines Hauses töteten israelische Soldaten vor zwei Jahren einen seiner Söhne, sein Ältester war bereits 2001 bei einem gezielten Luftangriff auf das Auto seines Vaters ums Leben gekommen. Ein Sohn und eine Tochter leben noch.

In der Leichenhalle, wo die bis zur Unkenntlichkeit verbrannten Leichen der beiden Palästinenser aufgebahrt waren, kam es nach Berichten von Augenzeugen zu Tumulten. Wütende Palästinenser feuerten Schüsse in die Luft ab und skandierten dazu "Allahu Akbar" (Gott ist groß). Der palästinensische Minister Saeb Erekat verurteilte die Tötung Al-Ghuls. Sie zeige die Entschlossenheit der israelischen Regierung, an einer militärischen Lösung festzuhalten, anstatt den Verhandlungsweg einzuschlagen.

Gewaltspirale dreht sich weiter

Als Vergeltung feuerte die Hamas Raketen und Granaten auf israelische Ziele ab und kündigte Selbstmordanschläge an. Im Norden des Gaza-Streifens beschoss das israelische Militär das Haus eines Anführers des Volkswiderstand-Komitees, einer Dachorganisation militanter Palästinensergruppen. Augenzeugen zufolge gab es bei dem Raketenangriff keine Opfer.

Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon plant den Abzug aus dem Gaza-Steifen, will aber zuvor die militanten Gruppen zerschlagen. Damit könnte er das Argument seiner politischen Gegner entkräften, ein Abzug Israels aus dem Gaza-Streifen mache Angriffe radikaler Palästinenser wahrscheinlicher. Am Dienstag, den 26. Oktober, steht eine Abstimmung im Parlament über Scharons Abzugplan an. Scharon dürfte sie - auch gegen den Widerstand von Teilen seiner konservativen Likud-Partei - mit Unterstützung der oppositionellen Arbeitspartei gewinnen.

Ibrahim Barzak/AP AP

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