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Nahost-Konflikt: Israelische Autobombe tötet Hamas-Funktionär in Syrien

Ein führender Vertreter der radikalen Palästinenser-Organisation Hamas ist bei einer Bombenexplosion in der syrischen Hauptstadt Damaskus getötet worden. Die Hamas machte Israel für den Anschlag verantwortlich und kündigte Vergeltung an.

Ein TV-Sender berichtete unter Berufung auf israelische Sicherheitskreise, Israel stecke hinter der Tat. Ein offizielles Bekenntnis Israels zu den Anschlag gab es nicht.

Vor zwölf Jahren von Israel ausgewiesen

Augenzeugen zufolge wurde die Explosion von einer Autobombe ausgelöst, die unter dem Sitz des Getöteten, Iss el-Din al-Scheich Chalil, deponiert gewesen sei. Der 42-Jährige war vor zwölf Jahren von Israel in den Libanon ausgewiesen worden. Er soll der Chef des militärischen Flügels der Hamas außerhalb der Palästinenser-Gebiete gewesen sein.

Die Explosion ereignete sich kurz nachdem Chalil den Motor gestartet hatte, wie Augenzeugen in As-Sahera nahe Damaskus berichteten. "Er ist in den Wagen gestiegen und dann klingelte das Telefon. Als er abnahm, hörten wir die Explosion. Wir eilten zum Auto und fanden ihn zerfetzt auf dem Rücksitz", sagte ein Augenzeuge. Drei Passanten seien verletzt worden. Die Wucht der Explosion habe auch einige Fensterscheiben umliegender Gebäude zerschmettert.

Hamas kündigt Vergeltung an

"Die Hamas macht die zionistischen Besatzungskräfte für dieses Verbrechen verantwortlich", hieß es in einer Erklärung der Gruppe, die die Zerstörung Israels zum Ziel hat und für Dutzende Anschläge gegen das Land verantwortlich ist. Ein Hamas-Sprecher in Gaza sprach mit Blick auf den israelischen Geheimdienst von einem "feigen Verbrechen des zionistischen Mossad". Ein Hamas-Vertreter in Damaskus kündigte Anschläge in Israel an, um Chalils Tod zu rächen. In einer Erklärung des militanten Flügels der Hamas, der Iss-al-Din-al-Kassam-Brigaden, hieß es, die Hamas werde künftig auch im Ausland Israelis ins Visier nehmen. In der Hamas-Erklärung wurde Israel beschuldigt, den Konflikt mit Palästinensern nun auf Gebiete außerhalb Palästinas ausgedehnt zu haben.

Zu Chalils Funktion innerhalb der Palästinenser-Organisation gab es unterschiedliche Angaben. Ein Hamas-Vertreter im Libanon sagte, Chalil sei zwar ein Hamas-Funktionär gewesen, allerdings habe er nicht zu den ranghöchsten Vertretern gezählt. Palästinensischen Sicherheitskreisen zufolge soll er Chef der Hamas außerhalb der Palästinenser-Gebiete gewesen sein.

Fernsehsender: Israel verantwortlich für Anschlag

Der israelische Fernsehsender "Kanal Zwei" berichtete unter Berufung auf israelische Sicherheitskreise, Israel sei für den Anschlag auf Chalil verantwortlich. "In nicht-öffentlichen Gesprächen gibt es eine Bestätigung dafür, dass Israel für die Ermordung eines führenden Vertreters der Hamas in Damaskus vom Morgen verantwortlich ist", berichtete der Sender. Der israelische Minister Gideon Esra sagte zur Tötung Chalils lediglich: "Ich bin froh." Und in israelischen Regierungskreisen hieß es: "Einige Leute leben gefährlich."

Syrien kritisiert Zeitpunkt des Anschlags

Syrische Regierungskreise haben den Anschlag auf Chalil scharf kritisiert. "Dieser terroristische Akt ist eine schwerwiegende Entwicklung für die Israel die Verantwortung übernimmt während es damit seine Absicht betont, die Sicherheit und Stabilität in der Region zu erschüttern", zitierte die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana Regierungskreise. Die Tötung geschehe zu einem Zeitpunkt, an dem es internationale Bemühungen gebe, die Spannungen in der Region abzubauen.

Israel hatte nach Selbstmordanschlägen in der südisraelischen Stadt Beerscheba Ende August, bei denen 16 Israelis getötet worden waren, Aktionen gegen die Hamas in den Palästinenser-Gebieten und im Ausland angekündigt. Armeechef Mosche Jaalon drohte der Hamas damals, auch von Syrien aus operierende Anführer könnten Ziel solcher Operationen sein. Im Frühjahr hatte Israel die Hamas-Anführer Scheich Ahmed Jassin und Abdel Asis al-Rantissi mit gezielten Luftangriffen im Gaza-Streifen getötet.

Inal Ersan, Reuters