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Nahost-Krieg: Israelische Soldaten schießen auf Flüchtlinge

Trotz der möglicherweise unmittelbar bevorstehenden UN-Resolution zum Ende des Libanon-Konflikts haben israelische Soldaten einen libanesischen Flüchtlingskonvoi angegriffen. 15 Menschen sind gestorben.

Bei einem israelischen Raketenangriff auf einen Flüchtlingskonvoi im Libanon sind laut Augenzeugenberichten bis zu 15 Menschen getötet oder verletzt worden. Der Konvoi aus mehr als 100 Autos von Zivilpersonen sowie Militär- und Polizeifahrzeugen sei auf dem Weg aus der umkämpften Ortschaft Mardschajun gewesen. Er sei nahe Chtaura im Bekaa-Tal von mindestens neun Raketen getroffen worden, die von einer Drohne abgefeuert worden seien.

Der arabische Fernsehsender Al Dschasira berichtete unter Berufung auf den libanesischen Innenminister Ahmed Fatfat, drei Menschen seien getötet und sieben verletzt worden. Die amtliche Nachrichtenagentur NNA meldete mindestens vier Tote. Krankenhausmitarbeiter in der Ortschaft Dschob Dschannine erklärten, 25 Menschen seien in die Klinik eingeliefert worden. Ein Fotograf der Nachrichtenagentur AP berichtete, es habe einen zweiten Anschlag auf Rettungshelfer gegeben, die den Opfern zur Hilfe eilten.

Konvoi unter Schutz von UNIFIL

Der Konvoi war zuvor von zwei gepanzerten Fahrzeugen der UN-Truppe UNIFIL aus Mardschajun geleitet worden. Ob diese sich zum Zeitpunkt des Angriffs noch bei dem Konvoi befanden, war zunächst nicht bekannt. Am Freitag hatten unter dem Schutz von UNIFIL insgesamt 350 libanesische Soldaten und Polizisten Mardschajun verlassen, nachdem sie dort von israelischen Soldaten festgesetzt worden waren. Dem Konvoi schlossen sich hunderte Zivilisten an. Nur Minuten zuvor hatte eine Sprecherin der israelischen Regierung gesagt, die angekündigte Ausweitung der israelischen Offensive im Libanon werde in Kürze beginnen.

Unterdessen hatten sich die USA und Frankreich in New York auf einen gemeinsamen Entwurf für eine Libanon-Resolution geeinigt. In dem überarbeiteten Textentwurf einer Libanon-Resolution des UN-Sicherheitsrats wird ein "vollständiges Ende der Kampfhandlungen" gefordert.

UN-Soldaten sollen von Frankreich angeführt werden

Die Hisbollah-Miliz müsse alle ihre Angriffe sofort stoppen und Israel "alle offensiven Operationen" beenden, heißt es in dem Textentwurf, der den 15 Mitgliedern des UN-Sicherheitsrates am Freitag vorgelegt wurde und der Reuters vorliegt. Nach Ende der Kämpfe solle Israel alle seine Soldaten "zum frühest möglichen Zeitpunkt" aus dem Südlibanon abziehen. Im Gegenzug würden Truppen der libanesischen Regierung in dem Gebiet stationiert, wo derzeit noch die Hisbollah die Kontrolle habe. Zudem wird der Einsatz von bis zu 15.000 UN-Soldaten gestattet, die den Abzug Israels überwachen und der libanesischen Armee bei der Durchsetzung einer Waffenruhe helfen sollen. Die UN-Soldaten dürften dabei "alle notwendigen Maßnahmen" ergreifen, die für den Einsatz für notwendig erachtet würden. Es wird erwartet, dass die UN-Soldaten von Frankreich angeführt werden.

In dem Entwurf werden Israel und der Libanon aufgefordert, langfristige Lösungen zur Beendigung des Konflikts zu unterstützten, darunter die Einrichtung einer vom Militär freien Puffer-Zone im Südlibanon.

Zuvor hatte sich US-Außenministerin Condoleezza Rice persönlich in die Verhandlungen im UN-Hauptquartier eingeschaltet. Der nun erzielte Kompromiss zwischen den USA und Frankreich sieht vor, dass die israelischen Soldaten nicht sofort vollständig, sondern schrittweise aus dem Libanon abziehen. Gleichzeitig sollen libanesische Einheiten in das Gebiet einrücken und die UN-Blauhelm-Soldaten dort verstärkt werden.

DPA / DPA