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Nach UN-Resolution: Am Montag könnten die Waffen schweigen

Der Weltsicherheitsrat fordert in einer Resolution das "vollständige Ende der Kampfhandlungen". Dennoch wird im Süd-Libanon weiter gekämpft. Hisbollah will die Waffenruhe akzeptieren - aber nur, wenn Israel seine Bodenoffensive beendet.

Die israelische Armee hat am Samstag trotz der Einigung auf eine UN-Libanonresolution ihre Offensive mit verstärkten Truppen ausgeweitet. Panzereinheiten rückten gegen erbitterten Widerstand der Hisbollah-Miliz in Richtung des strategisch wichtigen Flusses Litani im Südlibanon vor. Wie die Armee in Tel Aviv mitteilte, gab es heftige Gefechte. In Beirut wollte die Regierung über die UN-Resolution beraten, die eine "vollständige Einstellung der Feindseligkeiten" und die anschließende Verstärkung der UN-Truppe UNIFIL im Südlibanon auf bis zu 15 000 Soldaten vorsieht. Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert wollte die Resolution am Sonntag seinem Kabinett vorlegen.

Zivilisten unter Beschuss

Die Soldaten hätten bei ihrem Vormarsch mehrere Raketenstellungen der Hisbollah zerstört, sagte eine Armeesprecherin in Tel Aviv. Von libanesischer Seite hieß es, israelische Panzereinheiten hätten sich auf Hügeln positioniert, von wo aus sie den Litani überblicken könnten. Aus dem israelischen Generalstab verlautete, es könne bis zu sieben Tage dauern, das Gebiet südlich des Litani unter Kontrolle zu bringen.

Wie die libanesische Polizei mitteilte, wurden bei einem Luftangriff am Samstag auf ein Dorf östlich von Tyrus fünf Bewohner getötet. Am Vorabend war ein Flüchtlingskonvoi mit mehr als 2000 Zivilisten unter israelischen Beschuss geraten. Mindestens acht Menschen seien getötet und mehr als 35 weitere verletzt worden, einige schwer, teilten libanesische Krankenhäuser und Polizei mit. Die israelische Luftwaffe flog in der Nacht zum Samstag mehr als 80 Angriffe auf Ziele, die die Armee als Hisbollah-Kommandoposten, Waffenlager und Nachschubwege bezeichnete.

UN fordert Israel zum Rückzug auf

Der Weltsicherheitsrat hatte Israel am Freitagabend (Ortszeit) zum Rückzug aus dem Libanon aufgefordert. Zusammen mit 15 000 libanesischen Soldaten soll UNIFIL Israel künftig vor Angriffen der radikalislamischen Hisbollah beschützen. Die israelische Regierung wird dazu aufgerufen, "bei Beginn dieser Entsendung parallel alle ihre Streitkräfte aus dem Südlibanon zurückzuziehen". So will der Sicherheitsrat den vierwöchigen Krieg zwischen Israel und der Hisbollah beenden.

EU-Chefdiplomat Javier Solana forderte Israel und die Libanesen auf, die vom UN-Sicherheitsrat verabschiedete Resolution für eine Waffenruhe umzusetzen. Solana sagte am Samstag vor der Presse in Beirut: "Wir sind überzeugt, dass die Libanesen dem in den nächsten Stunden zustimmen werden." Auf die Frage, weshalb die israelische Armee ihre Luftangriffe und ihre Offensive im Südlibanon fortsetze, erklärte er, die Resolution sei schließlich erst wenige Stunden zuvor verabschiedet worden. Beide Seiten trügen nun eine große Verantwortung, fügte er hinzu.

Hisbollah will Waffenruhe-Forderung nachkommen

Die Hisbollah-Miliz will der Forderung des Weltsicherheitsrats nach "vollständiger Einstellung der Feindseligkeiten" Folge leisten. Das kündigte Hisbollah-Chef Scheich Hassan Nasrallah am Samstag im TV-Sender Al-Manar an. Er betonte aber zugleich, die Hisbollah behalte sich das Recht vor, weiter zu kämpfen, so lange die israelische Armee ihre Bodenoffensive fortsetze. "Diese wird wohl noch einige Tage andauern, aus Gründen, die mit der israelischen Innenpolitik zusammenhängen", sagte Nasrallah. "Sie wollen sagen können, wir sind bis zum Litani-Fluss vorgerückt und haben dieses Gebiet eingenommen", fügte er hinzu. Israel habe seine Kriegsziele jedoch nicht erreicht und werde diese auch in den nächsten Tagen nicht mehr erreichen können.

Der Generalsekretär der pro-iranischen Schiiten-Bewegung erklärte: "Wir haben zwar Vorbehalte gegen einige Punkte der UN-Resolution, aber wir werden die Entscheidung der libanesischen Regierung hierzu akzeptieren." Im Resolutionstext werde indirekt der Hisbollah die Schuld an dem Krieg gegeben, was ungerecht sei. Außerdem seien darin die mehr als 1000 Libanesen nicht erwähnt, die durch israelische Angriffe und "Massaker" ums Leben gekommen seien.

Reuters / Reuters