Libanon Russland entwirft Friedensplan


Russland hat einen eigenen Entwurf für eine UN-Resolution vorgelegt. Frankreich und die USA kritisierten den Vorschlag als Profilierungsversuch, Israel lehnte ihn sofort ab.

Russland veröffentlichte in New York einen eigenen Resolutionsentwurf, der einen 72-stündigen Waffenstillstand für humanitäre Hilfsleistungen vorsieht. Auf die Franzosen und Amerikaner könne man nicht warten, sagte der russische UN-Botschafter Vitali Tschurkin. Westliche Diplomaten taten dies als Profilierungsversuch ab. Die USA kritisierten, der Vorschlag lenke von der Arbeit an der eigentlichen Resolution ab.

Israel lehnte den russischen Vorschlag ab. "Wir halten das für eine schlechte Idee", sagte Israels UN-Botschafter Dan Gillerman im israelischen Radio. Er habe seinem russischen UN-Kollegen Witaly Tschurkin erklärt, dass "eine Feuerpause dieser Art nur einem Zweck dienen würde, es der Hisbollah zu erlauben, sich neu zu gruppieren und sich zu erholen". Tschurkin sagte dem Sender, die Resolution habe gegenwärtig wohl keine Chance.

Ringen um UN-Resolution

Unterdessen ging in New York das Ringen um eine UN-Resolution weiter. Bei den Verhandlungen wurden nach Angaben aus UN-Kreisen Fortschritte erzielt, eine Einigung blieb aber aus. Die amerikanische und die französische Delegation gingen am Abend (Ortszeit) auseinander, um die bisher erzielten Ergebnisse mit ihren Regierungen abzusprechen. Ein Durchbruch am Freitag sei möglich, hieß es weiter. UN-Generalsekretär Kofi Annan strebt nach den Worten eines Sprechers die Verabschiedung der Resolution bis spätestens Sonntag an.

Der nun angestrebte Kompromiss sieht den Angaben zufolge so aus, dass die israelischen Soldaten nicht sofort vollständig aus dem Libanon abziehen, wohl aber damit beginnen sollen. Während sich die Israelis stufenweise zurückziehen, sollen libanesische Einheiten in das Gebiet einrücken und die UN-Blauhelm-Soldaten dort verstärkt werden. Die Resolution werde die "Gleichzeitigkeit" dieser Truppenbewegungen unterstreichen, sagte ein Diplomat.

Israelisches Militär verärgert

In der Hoffnung auf eine diplomatische Lösung hatte die israelische Regierung am Donnerstag eine beschlossene Ausweitung der Bodenoffensive bis zum Litani-Fluss zunächst ausgesetzt. Die USA hatten Israel wegen des geplanten Vormarsches indirekt kritisiert. "Eine Eskalation ist etwas, was wir nicht sehen wollen", sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Tony Snow.

Israelische Medien berichteten, die Militärführung sei über die Entscheidung der Regierung sehr verärgert. Die Offensive sei bereits im Gange gewesen, als der Befehl zum Stopp des Vormarsches kam, berichtete die Online-Ausgabe der Zeitung "Haaretz". "(Hisbollah- Führer Hassan) Nasrallah wird sich weiter über uns lustig machen, und am Ende wird es einen neuen Krieg geben", zitierte die Zeitung einen ungenannten Offizier.

Angriffe auf Beirut, Nord- und Südlibanon

Obwohl Israel vorerst keine Ausweitung der Bodenoffensive vorsieht, flog die israelische Luftwaffe neue Angriffe auf Ziele im Libanon. Bei einem Treffer auf eine Brücke nahe der nordlibanesischen Ortschaft Akkar seien fünf Menschen getötet worden, teilte die libanesische Polizei mit. Weitere Ziele seien die Straße nach Arida an der nördlichen Grenze zu Syrien gewesen sowie die Ortschaft Masnaa an der östlichen Landesgrenze.

Israel griff auch die libanesische Hauptstadt erneut an. Über den südlichen Vororten stieg Rauch auf. Im Stadtzentrum waren innerhalb von 20 Minuten acht gewaltige Explosionen zu hören. Auch im Süden des Landes kam es erneut zu heftigen Gefechten. Die israelischen Streitkräfte meldeten einen getöteten Soldaten. Der Reservist sei in der Ortschaft Labuneh ums Leben gekommen, berichtete der israelische Rundfunk.

AP/DPA/Reuters AP DPA Reuters

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