Libanon Israel stoppt Ausweitung der Bodenoffensive


Israel hat beschlossen, die Ausweitung der Bodenoffensive im Libanon vorerst auf Eis zu legen. Der Diplomatie solle so eine Chance gegeben werden. Die Kämpfe toben jedoch weiter.

Israel hat einem Zeitungsbericht zufolge Pläne für eine Ausdehnung der Offensive im Südlibanon zunächst gestoppt. Damit sollten den US-geführten Bemühungen eine Chance gegeben werden, eine Friedenstruppe für den Nahen Osten zu bilden, berichtete die Zeitung "Maariw" am Donnerstag. Ministerpräsident Ehud Olmert habe entschieden, noch zwei bis drei Tage mit dem Vorstoß abzuwarten. Wenige Stunden zuvor hatte sein Kabinett beschlossen, die mehr als vier Wochen anhaltende Offensive auszuweiten.

Iranische Soldaten im Libanon?

Im Libanonkrieg sind einem israelischen Fernsehbericht zufolge auch Mitglieder der iranischen Armee getötet worden. Zwischen getöteten Kämpfer der libanesischen Hisbollah-Miliz seien Mitglieder einer Eliteeinheit des iranischen Militärs entdeckt worden, berichtete das israelische Fernsehen. Es berief sich auf diplomatische Kreise. Die Soldaten der iranischen Revolutionären Garde seien an Hand von Dokumenten identifiziert worden, die sie bei sich getragen hätten, teilte der Sender weiter mit. In dem Bericht wurde nicht erläutert, wie viele Leichen und wann diese gefunden worden seien.

Während das israelische Militär den Bericht zunächst nicht kommentieren wollte, wies ihn die Hisbollah in der Nacht zu Donnerstag zurück. Es handele sich um reine Lügen. Unter ihren Kämpfern seien keine Anhänger der iranischen Armee.

Der Iran hat stets erklärt, seine Unterstützung für die schiitische Hisbollah sei rein moralischer Natur. Israel hingegen ist der Auffassung, viele der Hisbollah-Raketen seien im Iran hergestellt worden. Zudem würden Kämpfer im Iran ausgebildet. Auch die US-Regierung beschuldigt den Iran, die Hisbollah aktiv zu unterstützen. Die Revolutionäre Garde ist der Hisbollah traditionell eng verbunden. Mitglieder der Einheit wurden in den Jahren nach 1980 im Südlibanon stationiert.

Nasrallah droht Israel

Nur wenige Stunden nach dem voreinstigen israelischen Beschluss zur Ausweitung der Bodenoffensive im Libanon hat Hisbollah-Chef Sajjed Hassan Nasrallah Israel am Mittwoch massiv gedroht. Die Hisbollah sei durch die seit vier Wochen andauernden Angriffe nicht geschwächt und werde den Süden des Landes in ein Massengrab für einrückende Soldaten verwandeln, erklärte der Chef der radikal-islamischen Organisation und kündigte zudem neue Hisbollah-Angriffe auf israelische Städte wie Haifa an. Seine Organisation befürworte eine Entsendung libanesischer Regierungssoldaten in den Süden. Die USA beschuldigte er, mittels einer UN-Resolution israelische Ansprüche im Libanon durchsetzen zu wollen.

Israel drohte er eine militärische Niederlage an. "Ihr werdet nicht in der Lage sein, in unserem Land zu bleiben, und wenn ihr reinkommt, werden wir Euch wieder hinauszwingen", drohte Nasrallah. "Wir werden unser kostbares Land im Süden zu einem Friedhof für die einmarschierenden Zionisten machen". Die Fähigkeit der Hisbollah, Israel mit Raketen anzugreifen, sei nicht geschwächt. Die arabischen Einwohner von Haifa forderte er zum Verlassen der israelischen Hafenstadt auf, um nicht durch die Geschosse der Hisbollah verletzt zu werden.

Hisbollah weist UN-Resolution zurück

Den von den USA und Frankreich ausgearbeiteten Vorschlag für eine Resolution des UN-Sicherheitsrates wies Nasrallah entschieden zurück. "Das Mindeste, was man über diese Resolution sagen kann, ist, dass sie ungerecht und repressiv ist und dass sie den Israelis mehr gibt, als sie wollten und gefordert haben", sagte er in der Ansprache. Er gebe Israel auf politischem Wege und mittels diplomatischem Druck das, was es auf militärischem Wege nicht erreicht hätte. Seine Organisation begrüße jedoch den Sieben-Punkte-Plan der libanesischen Regierung, der auch die Entsendung libanesischer und internationaler Soldaten vorsieht.

Die Hisbollah, die große Teile des Grenzgebietes zu Israel kontrolliert, hatte sich lange gegen eine solche Stationierung gewehrt. "Wenn alle glauben, dass die Truppenentsendung hilft, einen politischen Ausweg zu finden, der die Angriffe beendet, ist das für uns ein nationaler und ehrenvoller Ausweg", sagte der Hisbollah-Chef. "Wir wollen ein Ende jeglicher Aggression, aber wenn es einen Showdown geben muss, dann begrüßen wir einen Showdown auf dem Schlachtfeld".

Kämpfe ungebremst

Die israelischen Streitkräfte haben die ganze Nacht über Stellungen der radikalislamischen Hisbollah im Südlibanon angegriffen. Wie ein Reporter des US-Nachrichtensenders CNN am frühen Morgen berichtet, seien seit Stunden heftiges Artilleriefeuer und Schüsse aus Maschinengewehren zu hören gewesen. Der israelische Armeerundfunk meldete heftige Gefechte in libanesischen Dörfern an der Grenze zu Galiläa.

Mit Unterstützung von Panzern rückten israelische Soldaten in die Stadt Mardschajun vor, wie Anwohner berichteten. Anschließend hätten sie eine strategisch wichtige Position auf einem Hügel bei dem Dorf Blatt eingenommen. Die Hisbollah erklärte, im Grenzort Chiam sei es zu schweren Gefechten gekommen.

DPA/AP/Reuters AP DPA Reuters

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker