Nahost-Krise Von Waffenstillstand ist nicht die Rede


Condoleezza Rice macht die Entwaffnung der Hisbollah zur Voraussetzung für einen Waffenstillstand - dies interpretiert Israels Regierung als Legitimation für weitere Kämpfe. Eine Hisbollah-Hochburg will die israelische Arme bereits eingenommen haben.

Israel hat erneut bekräftigt, dass die Hisbollah besiegt werden muss, um Frieden zu schaffen. Der stellvertretende Ministerpräsident Shimon Peres sagte in einer Rede vor dem Parlament, nicht die Libanesen seien der Feind, sondern die Hisbollahmilizen. Sie müsse man entwaffnen, um Ruhe einkehren zu lassen. Ministerpräsident Ehud Olmert bestätigte diesen Standpunkt vor seinem Treffen mit US-Außenministerin Condoleezza Rice. Er beruft sich bei dem andauernden Konflikt auf Israels Recht auf Selbstverteidigung.

US-Außenministerin Rice dagegen sprach von einer dauerhaften Lösung in der Region. Sie betonte während ihres Kurzbesuchs, dass die Zeit reif sei für "einen neuen Nahen Osten." Eine dauerhafte Lösung sei eine, die die Kräfte von Frieden und Demokratie stärke. "Jenen, die einen neuen Nahen Osten nicht wollen, muss jetzt gesagt werden, dass wir siegen werden", erklärte die US-Außenministerin. Rice bemüht sich bei ihrem Besuch in der Region um eine dauerhafte Lösung des Konflikts und Erleichterungen für die leidende Zivilbevölkerung, deren Lage nach Berichten von Flüchtlingen immer kritischer wird.

"Der Feind hat nicht geringe Verluste"

Von Ruhe ist unterdessen nicht viel zu spüren. In der Umgebung der israelischen Hafenstadt Haifa sind am Dienstag erneut zahlreiche Raketen der Hisbollah eingeschlagen. Die israelischen Medien berichteten, mehrere Menschen seien verletzt worden. Zwei der Geschosse gingen nach Angaben von Augenzeugen in der Nähe des Rambam-Krankenhauses nieder.

Die israelische Armee hat weite Teile der südlibanesischen Hisbollah-Hochburg Bint Dschbeil eingenommen. Der Grenzort sei aber noch nicht unter Kontrolle, sagte ein Armeesprecher in Tel Aviv. Gefechte, bei denen es auf beiden Seiten Tote und Verletzte gebe, dauerten an. Die israelische Armee habe die Stadt eingekreist und Positionen im Zentrum eingenommen, sagte der israelische Oberstleutnant Itzik Ronen, der eine Panzereinheit in dem Kampfgebiet führt, im israelischen Rundfunk. "Der Feind hat nicht geringe Verluste", sagte er. "Wir haben mehrere Gefangene genommen." Nach israelischen Armeeangaben wurden bei den Gefechten bis zu zehn Hisbollah-Kämpfer getötet. Seit Montag starben dort den Angaben zufolge auch zwei Soldaten. 14 israelische Soldaten seien verletzt worden.

Auch Familien unter den Opfern

Allerdings bleibt es nicht bei diesen Opfern. Ständig geraten auch Zivilisten in die Schusslinie. So sind bei einem israelischen Angriff auf die südlibanesische Stadt Nabtije sieben Angehörige einer Familie getötet worden. Der staatliche Fernsehsender LBC berichtete, eine Rakete habe das Haus der Familie vollständig zerstört. Unter den Opfern seien auch Kinder. Mit dem jüngsten Angriff erhöhe sich die Zahl der Todesopfer seit Beginn der Kampfhandlungen auf libanesischer Seite auf 390 Menschen, die meisten von ihnen Zivilisten.

Reuters/AP/DPA AP DPA Reuters

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker