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Nahost: Machtkampf im Gaza-Streifen

Der Machtkampf zwischen den rivalisierenden Palästinensergruppen im Gaza-Streifen spitzt sich zu: Sowohl Palästinenserpräsident Abbas als auch die radikal-islamische Hamas haben ihre Sicherheitskräfte zusammengezogen.

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas hat am Mittwochabend hunderte Sicherheitskräfte in die größeren Orte des Gazastreifens beordert. Das berichtete der israelische Rundfunk. Mit der Entscheidung des Präsidenten dürften nach Einschätzungen von Beobachtern die Spannungen zwischen Abbas und der Hamas-Regierung noch größer werden.

Die radikal-islamische Hamas hatte zuvor entgegen dem ausdrücklichen Wunsch des Präsidenten eigene Sicherheitskräfte aufmarschieren lassen. Der Innenminister der Hamas-Regierung, Said Siam, sagte, Ziel seiner 3000 Mann umfassende Truppe sei die Bekämpfung der Kriminalität und der Anarchie. Siam warf den bisherigen Sicherheitskräften der Palästinenserbehörde Versagen vor.

Die neuen Sicherheitskräfte sind aus Hamas-Kämpfern und verbündeten Gruppen zusammengesetzt. In dem Flüchtlingslager Nusseirat waren sie unter anderem mit Stirnbändern zu sehen, auf denen "Kassam" stand, der Name für den bewaffneten Arm der Hamas. Diese hat sich der Vernichtung Israels verschrieben.

Scharfe Kritik an der Hamas

Ein Vertrauter von Abbas kritisierte die Aufstellung von Sicherheitskräften durch die Hamas scharf. Die Truppe werde nicht der Sicherheit der Palästinenser dienen, sondern eher die Spannungen innerhalb der palästinensischen Bevölkerung schüren. Allein Abbas habe das Recht, Sicherheitskräfte aufzustellen.

Die radikale Hamas hatte die Fatah um Mahmud Abbas bei der Wahl im Januar besiegt. Seitdem toben zwischen den beiden Gruppen Machtkämpfe um die Kontrolle über die Sicherheitskräfte. Bei Gefechten zwischen den rivalisierenden Gruppen sind bereits mehrere Menschen ums Leben gekommen. Seit dem Abzug Israels aus dem Gazastreifen hat die Gewalt dort zugenommen und Befürchtungen vor einem Bürgerkrieg aufkommen lassen.

Reuters/DPA / DPA / Reuters