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Nahost-Reise des Bundespräsidenten Gauck sorgt sich um Haltung der Deutschen zu Israel


Bundespräsident Joachim Gauck hat bei seiner Reise nach Tel Aviv eine stern-Umfrage im Gepäck: Ihn sorge das schlechte Image Israels bei den Deutschen, sagte er zum Auftakt.

Bundespräsident Joachim Gauck hat sich zum Auftakt seiner Israel-Reise besorgt über eine immer kritischere Haltung vieler Deutscher zum jüdischen Staat geäußert. "Ohne Umfragen überzubewerten: Als Freund Israels besorgen mich die Ergebnisse dennoch", sagte er der Zeitung "Haaretz".

Eine Umfrage des stern hatte kürzlich ergeben, dass 70 Prozent der Deutschen Israel vorwerfen, seine Interessen ohne Rücksicht auf andere Völker zu verfolgen. Dies waren elf Prozentpunkte mehr als bei einer ähnlichen Umfrage im Januar 2009. 59 Prozent halten demnach die israelische Politik für aggressiv.

Auch das Grass-Gedicht ist Thema

"Aus den Abgründen seiner Geschichte kommt Deutschland eine einzigartige Verantwortung gegenüber Israel zu", sagte Gauck. "Wachsende Ressentiments gegenüber Israel sind zwar nicht allein ein deutsches Phänomen, aber wir Deutsche sollten uns besonders kritisch fragen: In welchem Geist urteilen wir über israelische Politik? Doch bitte nur im Geist der Freundschaft. Da ist durchaus auch Platz für Kritik, nicht aber für Vorurteil", betonte der Bundespräsident.

Die umstrittenen Äußerungen von Literaturnobelpreisträger Günther Grass, der in einem Gedicht die Bedrohung des Weltfriedens durch Israel thematisierte, bezeichnete Gauck als dessen persönliche Meinung. Sie entspreche jedoch nicht der deutschen Politik. "Wir treten dafür ein, dass Israel in Frieden und in gesicherten Grenzen leben kann", sagte der Bundespräsident. Dafür seien die Zwei-Staaten-Lösung und die Berücksichtigung der "berechtigten Anliegen des palästinensischen Volkes" entscheidend.

"Enger verbunden als jemals zuvor"

Am Dienstagvormittag wurde Gauck mit militärischen Ehren von Staatspräsident Shimon Peres vor dessen Amtssitz in Jerusalem empfangen. "Israel und Deutschland sind enger verbunden als jemals zuvor", sagte der Bundespräsident bei dem Treffen mit seinem Amtskollegen. Im Laufe des ersten Besuchstages legte er auch einen Kranz am Grab von Theodor Herzl, des wichtigsten Vertreters des Zionismus, nieder. Außerdem besuchte er die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem. "Vergiss nicht, niemals, und steh zu dem Land, das hier derer gedenkt, die nicht leben durften", schrieb er in das Gästebuch.

Ein Ziel der viertägigen Reise des Bundespräsidenten lautet: Solidaridät zeigen. "Der frühzeitige Besuch in Israel ist mir ein Herzensanliegen. Dieser Staatsbesuch unterstreicht die auf immer besonderen Beziehungen zwischen Deutschland und Israel", sagte Gauck im Vorfeld des Besuchs. "Das Eintreten für die Sicherheit und das Existenzrecht Israels ist für die deutsche Politik bestimmend."

Auch Gespräche mit Palästinensern

Bestimmende Themen der politischen Gespräche dürften außerdem die schwierige Lage im Nahen Osten und der Atomkonflikt mit dem Iran sein.

Begleitet wird der Bundespräsident von Lebensgefährtin Daniela Schadt und Dieter Graumann, dem Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland. Zum Abschluss der Reise wird er am Donnerstag auch die palästinensischen Gebiete besuchen und in Ramallah mit Palästinenserpräsident Mahmud Abbas und mit Regierungschef Salam Fajad zusammentreffen.

fw/DPA/AFP DPA

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