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"Trident Juncture 18": Wie die Nato mit der größten Übung seit dem Kalten Krieg ein klares Signal an Russland senden will

Die Nato beginnt an diesem Donnerstag ihr größtes Manöver seit dem Kalten Krieg. Rund 50.000 Soldaten werden daran beteiligt sein. Das Bündnis will ein klares Signal an Russland senden.

Mehrere Panzer stehen in einer Halle in einer Reihe

10.000 Fahrzeuge nehmen an dem Manöver teil, darunter auch Panzer aus Deutschland

DPA

50.000 Soldaten, 10.000 Panzer und Militärfahrzeuge, 250 Flugzeuge und 65 Schiffe: Die Nato beginnt am Donnerstag ihr größtes Manöver seit dem Kalten Krieg. Die Übung "Trident Juncture 18" in Norwegen richtet sich offiziell nicht gegen einen bestimmten Angreifer. Angesichts der seit Jahren wachsenden Spannungen mit Russland ist die Machtdemonstration des westlichen Militärbündnisses in Nordeuropa aber kein Zufall. Deutschland ist ganz vorne mit dabei.

"Trident Juncture 18" findet vom 25. Oktober bis zum 7. November statt. Simuliert wird der Angriff auf einen Verbündeten und die Anrufung der Beistandsklausel nach Artikel 5 des Nordatlantikvertrags. Bei dem Manöver soll die Fähigkeit der Nato trainiert werden, schnell Truppen aus anderen Teilen Europas und aus Nordamerika zusammenzuziehen. 

Denn die Nato hat seit der Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim durch Russland nicht nur ihre Präsenz in Osteuropa massiv verstärkt. Gleichzeitig baute das Militärbündnis seine Reaktionsfähigkeit und die Möglichkeiten zur Truppenverlegung im Krisenfall aus.

Auch Bundeswehr am Manöver beteiligt

Erst zwei Wochen vor Beginn der Übung verkündete die Nato, dass auch der US-Flugzeugträger "Harry S. Truman" teilnimmt. Das Schiff war schon im Irak-Krieg im Einsatz und seine Entsendung an sich schon eine 330 Meter lange Machtdemonstration.

Die Bundesregierung, der von US-Präsident Donald Trump regelmäßig zu niedrige Verteidigungsausgaben vorgeworfen werden, lässt sich "Trident Juncture" 90 Millionen Euro kosten. Die Bundeswehr schickt rund 8000 Soldaten und 2000 Militärfahrzeuge nach Norwegen, darunter 30 Leopard-II-Kampfpanzer. Auch mit Tornado- und Eurofighter-Jets sowie drei Schiffen ist Deutschland im Einsatz.

Nato-Übung in Nordeuropa

Übungsgebiet sind Mittel- und Ost-Norwegen, "umgebende Gebiete im Nordatlantik und in der Ostsee, einschließlich Island und dem Luftraum über Finnland und Schweden". Die beiden skandinavischen Länder gehören nicht der Nato an, sind aber Partnerstaaten der Militärallianz.

Der für die Übung zuständige norwegische General Rune Jakobsen weist zurück, dass sich das Szenario gegen Russland richte. Das "Kerngebiet" der Übung liege "1000 Kilometer von der russischen Grenze" im Norden Norwegens entfernt, sagt er. Einsätze der Luftwaffe fänden in 500 Kilometer Abstand statt. "Es sollte keinen Grund für die Russen geben, Angst zu bekommen", sagt der General.

Die Stimmung zwischen beiden Seiten hat sich kurz vor dem Manöver weiter verschlechtert. Trump kündigte am Wochenende an, aus dem 1987 geschlossenen INF-Abkommen zur Abschaffung von landgestützten, atomar bestückbaren Mittelstreckenraketen auszusteigen. Washington und Moskau werfen sich schon länger gegenseitig vor, den Vertrag zu unterlaufen.

Russland beunruhigt - und zeigt Stärke

Moskau ist darüber hinaus beunruhigt, dass die Nato-Mitglieder USA und Großbritannien unabhängig von "Trident Juncture" ihre Präsenz in Norwegen verstärken. Das russische Außenministerium kritisiert dies als "Säbelrasseln" der Allianz und spricht von einem "verantwortungslosen Vorgehen", das die Spannungen in Nordeuropa erhöhen könne.

Russland rüstet aber seinerseits seine Armee im hohen Norden auf: Militärbasen wurden errichtet oder modernisiert, Radar- und Luftabwehranlagen installiert. Die Nord-Flotte - das Rückgrat der russischen Marine - soll bis Jahresende fünf neue Kriegsschiffe, fünf Versorger und 15 Flugzeuge bekommen.

Und mit "Wostok-2018" hat Russland dieses Jahr überdies bereits das größte Militärmanöver in seiner Geschichte abgehalten. An der Übung unter Beteiligung Chinas und der Mongolei im Osten des Landes nahmen fast 300.000 Soldaten, 36.000 Panzer und Militärfahrzeuge, tausend Flugzeuge und 80 Kriegsschiffe teil.

Pierre-Henry Deshayes, Martin Trauth / AFP