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Schärfere Gesetze nach Massakern: Wie Neuseeland und Australien den USA zeigen, dass es auch anders geht

Immer wieder erschüttern Attentate mit Schusswaffen die USA, immer wieder ändert sich nichts an den Gesetzen dort. Vor mehr als 20 Jahren bewies Australien und jetzt beweist Neuseeland: Das muss nicht so sein.

Nach Attentat in Neuseeland: Premierministerin Jacinda Arden trägt  Kopftuch als Zeichen des Mitgefühls

Nicht mal die Überlebenden von Parkland haben es geschafft. Wochenlang elektrisierten sie das Land, tingelten durch Talkshows und Rathaus-Runden, zogen Hundertausende auf die Straßen, um für schärfere Waffengesetze zu demonstrieren. Und am Ende gewann doch die mächtige US-Waffenlobby. Noch immer ist es in wenigen Ländern der Welt einfacher, an eine Waffe zu kommen, als in den USA.

Und zumindest unter dem aktuellen Präsidenten, mutmaßlich aber auch in absehbarer Zukunft, wird sich daran nichts ändern. "Ihr seid meine Freunde, das könnt ihr mir glauben", hatte der US-Präsident 2017 als Redner auf einem Kongress der mächtigen Waffenlobby NRA gesagt. Doch auch sämtliche Vorgänger trauten sich entweder nicht an dieses heikle Thema heran oder scheiterten mit ihren Vorstößen für schärfere Gesetze kläglich.

Und das obwohl viele der verheerendsten Schusswaffen-Attentate aller Zeiten in den USA verübt worden sind. Etwa die Attacke auf eine Kirche in Sutherland Springs 2017 mit 26 Todesopfern, die Amokläufe an der Sandy-Hook-Grundschule (2012, 27 Tote) und einer Universität in Virginia (2007, 32 Tote), das Attentat auf einen Nachtklub in Orlando (2016, 49 Tote) und das Massaker bei einem Konzert in Las Vegas (2017, 58 Tote). Nach all diesen fürchterlichen Taten gab es öffentliche Debatten in den USA, nach all diesen fürchterlichen Taten änderte sich nichts bis sehr wenig.

Australien und Neuseeland zeigen, wie es besser geht

Dass das nicht so sein muss, beweisen Australien und Neuseeland. In Australien war 1996 ein 28-Jähriger durch das beschauliche Port Arthur gezogen und hatte mit zwei Schnellfeuergewehren 35 Menschen getötet, darunter ein drei- und ein sechsjähriges Mädchen. Das Blutbad führte in Rekordzeit zu einer drastischen Verschärfung der Waffengesetze: Zwölf Tage später verabschiedete Australien das "National Firearms Agreement". Ein wichtiger Teil davon waren der Ankauf und die Vernichtung von rund 600.000 Waffen im Land, was die Waffenhaushalte des Landes nahezu halbierte. Zudem wurden voll- und halbautomatische Sturmgewehre sowie halbautomatische Schrotflinten generell verboten und ein Lizensierungssystem für alle Feuerwaffen eingeführt.

Fast 23 Jahre später beweist nun auch Neuseeland, dass solch schlimme Ereignisse durchaus zu Gesetzesänderungen führen können – und zwar unmittelbar. Ein Rassist erschoss in Christchurch am Freitag 50 Menschen in zwei Moscheen. Am Montag kündigte Premierministerin Jacinda Ardern strengere Waffen-Regelungen an, die "so schnell wie möglich" in Kraft treten sollten. Ihre Koalition sei sich darin einig. Details sollen innerhalb der nächsten zehn Tage folgen. In dem Pazifikstaat darf man bislang nach einer Überprüfung schon mit 16 Jahren Waffen besitzen. Der Attentäter hat seit 2017 einen neuseeländischen Waffenschein. Mindestens vier seiner Mordwaffen sowie Munition bestellte er legal übers Internet.

Terroranschlag auf zwei Moscheen in Christchurch
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