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Überfall während Steinmeier-Besuchs: Deutscher in Nigeria erschossen

Die Mitarbeiter der Baufirma waren im Auto unterwegs, als Unbekannte das Feuer eröffneten. Sie erschossen einen Mann und entführten einen weiteren. Außenminister Steinmeier ist gerade in Nigeria.

Steinmeier auf Staatsbesuch in Nigeria: Während seines Aufenthalts wurde ein Deutscher in dem Land erschossen, ein zweiter entführt

Steinmeier auf Staatsbesuch in Nigeria: Während seines Aufenthalts wurde ein Deutscher in dem Land erschossen, ein zweiter entführt

In Nigeria ist nach Informationen aus Sicherheitskreisen ein deutscher Mitarbeiter der Baufirma Julius Berger Nigeria erschossen worden. Der Mann sei am Freitag mit einem Subunternehmer in getrennten Fahrzeugen ohne Leibwächter unterwegs gewesen. Im südwestlichen Staat Ogun seien sie von Bewaffnete überfallen worden - vier Unbekannte sollen das Feuer auf die Wagen eröffnet haben. Der zweite Mann sei entführt worden. Eine Sprecherin von Julius Berger in Nigeria bestätigte den Vorfall.

Die Polizei von Ogun war für eine Stellungnahme zunächst nicht erreichbar. Das Unternehmen äußerte sich nicht zu Details des Zwischenfalls, erklärte aber, man bemühe sich um die Freilassung des Verschleppten. Auch in Deutschland prüft man den Sachverhalt. "Das Auswärtige Amt ist mit dem Fall befasst", sagte eine Sprecherin am Montag in Berlin. Weitere Details nannte sie nicht.

Steinmeier auf Staatsbesuch in Nigeria

Zu der Entführung bekannte sich zunächst niemand. Im Süden Nigerias sind Entführungen von Ausländern keine Seltenheit. Die Verschleppten kommen häufig gegen Lösegeldzahlungen wieder frei. Im Norden Nigerias ist die Islamistengruppe Boko Haram aktiv, die in der Vergangenheit wiederholt Ausländer entführte, darunter im Januar 2012 einen deutschen Bauingenieur. Der Mann wurde Wochen später bei einer missglückten Befreiungsaktion getötet.

Die traurige Nachricht kommt an dem Tag, an dem sich Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) gemeinsam mit seinem französischen Amtskollegen Laurent Fabius zu politischen Gesprächen in der nigerianischen Hauptstadt Abuja aufhält.

Boko Haram tötete 17 Menschen

Gleichzeitig wurde auch bekannt, dass Boko Haram wieder in mehrere Dörfer im Nordosten Nigerias einfiel, 17 Menschen tötete und 30 verschleppte. Dabei hatte die nigerianische Regierung erst Mitte Oktober eine Waffenruhe mit den Islamisten verkündet.

Die Terrormiliz treibt seit Jahren ihr Unwesen im bevölkerungsreichsten und wirtschaftsstärksten Staat Afrikas. Die Islamisten wollen im Norden Nigerias einen Gottesstaat errichten. Sie morden, plündern, zünden Bomben und entführen Menschen. Allein in diesem Jahr starben mehr als 3000 Menschen durch die Attacken von Boko Haram.

mia/AFP/DPA/Reuters / DPA / Reuters